Rotenburgs Gleichstellungsbeauftragte machen auf den Equal Pay Day aufmerksam

Lohnlücke: „Getan hat sich leider wenig“

Die Gleichstellungsbeauftragten Katja Weße (l.) und Kerstin Blome im Rotenburger Rathaus.
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Die Gleichstellungsbeauftragten Katja Weße (l.) und Kerstin Blome machen auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam.

Rotenburg – Dass die Situation von Frauen sich in Zeiten der Pandemie zurückentwickelt und Gleichberechtigung auch im Jahr 2021 noch immer ein fragiles Gebilde ist, hatte Rotenburgs Gleichstellungsbeauftragte Kerstin Blome erst zum Weltfrauentag im Interview mit der Kreiszeitung klar gestellt. Aber auch an anderen Tagen wird die Lücke zwischen weiblich und männlich erkennbar: zum Beispiel am Equal Pay Day. Seit 2008 weist dieser Tag auf die Lohnlücke, hin, „getan hat sich seither leider wenig“, so Blome.

Vergleicht man den Lohn miteinander, verdienen Frauen im Schnitt 19 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, habe das Statistische Bundesamt ermittelt. Das sind 69 Tage, die Frauen am Jahresanfang „umsonst arbeiten müssen“, so Blome und ihre Kollegin Katja Weße, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises. „Der Equal Pay Day markiert jedes Jahr symbolisch diesen geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied in Deutschland“, so Weße. In diesem Jahr war das der 10. März.

Auch wenn sich der Entgeltunterschied leicht verringert habe, bildet Deutschland im europäischen Vergleich ein „Schlusslicht“, so Weße. Frauen verdienen weniger, weil ihre Hauptfelder noch immer in Erziehung und Pflege liegen – Berufe, die schlechter bezahlt sind und weniger Aufstiegschancen bieten. Noch immer würden Rollenklischees die Berufswahl, auch bei Jungen, beeinflussen, sagt Blome. Frauen fehlen in Bereichen wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Zudem arbeiten sie häufiger in Teilzeit- oder Minijobs, was sich besonders in Coronazeiten bemerkbar gemacht hat: Sie unterbrechen oder geben ihre Tätigkeiten teils auf, um sich um die Kinder zu kümmern, die nicht in Schule oder Kindergarten können. Aber auch vorher schon unterbrachen oder reduzierten sie, leisten mehr Sorgearbeit, übernehmen die Erziehung und Pflege von Familienangehörigen. Das habe „gravierende finanzielle Langzeitfolgen“, mahnen Blome und Weße. „Der Unterschied im Rentenniveau beträgt über 50 Prozent – hiermit hält Deutschland einen Negativrekord unter den OECD-Staaten“, erklärt Blome. Den Staaten, die sich in der „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ zusammengeschlossen haben.

Dabei gibt es Lösungsansätze, die Lohnlücke zu verringern und gleiche Voraussetzungen zu schaffen. Weße und Blome nennen den Transparenzansatz, also Lohnunterschiede zu veröffentlichen. „Auch wenn das ,Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen‘ im Juli 2018 in Kraft getreten ist, greift es doch in erster Linie bei größeren Unternehmen und hat noch nicht den gewünschten Erfolg gebracht“, so Blome. Ziel sei es, den Frauen Mut zu geben, sich für ein Gehalt entsprechend ihrer Qualifikation einzusetzen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) plädiere für die Ausweitung der Partnermonate beim Elterngeld, eine Einführung von Familienarbeitszeit und eine Reform des Ehegattensplittings. „Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit gelingt nur, wenn bezahlte Erwerbsarbeit und unbezahlte Care-Arbeit partnerschaftlich aufgeteilt werden“, merkt Blome an. Ihre Kollegin ergänzt: „Solange Frauen mehr unbezahlte Familien-und Pflegearbeit übernehmen, wird sich am Lohnunterschied wenig ändern.“  acb

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