Vor Öffnung des Lohmarkts

Ein Leben als Schausteller: „Wir kämpfen uns durch“

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Junior-Chef Jordan Stummer checkt, ob alles gerade sitzt.

Kinder drehen mit ihren Rädern eine Runde über den Lohmarkt. Ganz so, als könnten sie es nicht mehr abwarten. Staunend stehen sie in der Nähe des Autoscooters mitten auf dem Lohmarkt. Sie beobachten die kräftigen Männer beim Jahrmarkt-Aufbau und fachsimpeln. Welches Fahrgeschäft ist wohl am besten in diesem Jahr?

Rotenburg – Was die Kinder beobachten, ist schweißtreibende Arbeit. „Wir brauchen zwei Tage für den Aufbau“, sagt Jordan Stummer. Er ist der Junior-Chef beim „Polyp“. „Wir sind eigentlich jedes Jahr hier“, sagt der 18-Jährige und schaut auf die Uhr. Ganz so, als wollte er sagen, dass er eigentlich viel lieber weitermachen würde statt über sein Jahrmarkt-Leben zu sprechen. Es ist von der Schausteller-Tradition geprägtes Leben. Ein hartes Leben, vor allem dann, wenn das Wetter nicht mitspielt.

Schaustellerleben prägt Schulleben

Doch an diesem Vormittag ist es trocken. „Bei Regen ist es noch anstrengender, aber schlimmer ist es, wenn es während des Marktes regnet“, sagt der 18-Jährige, der den Realschulabschluss in der Tasche hat. Eine Woche hier, eine Woche dort – das hat auch sein Schulleben geprägt. „Das war schon schwierig, aber es ging“, fügt er hinzu. Nicht ganz leicht sei es, gutes Personal zu finden. Das wisse er von einigen Kollegen. Beim „Polyp“ sehe es in dieser Hinsicht noch recht gut aus. Der junge Mann hat ein Team von vier Kollegen an seiner Seite. Einer von ihnen ist seit elf Jahren dabei, einer seit drei.

Noch wird gebaut, morgen öffnen die Buden.

Mehr als 30 Jahrmärkte sowie einen Weihnachtsmarkt im Dezember besetzt die Familie, die neben dem großen Fahrgeschäft auch noch eine Entenangel-Bude sowie ein Kinder-Riesenrad betreibt. „Im Januar und im Februar sind wir dann im Winterlager“, erklärt Stummer. Doch auch dann legt er die Hände nicht in den Schoß. Im Gegenteil: „Zu Hause in Bruchhausen-Vilsen stehen dann die Winterarbeiten an.“ Es geht darum, sich um das Material zu kümmern, Teile auszutauschen oder sie wieder in Schuss zu bringen. Und im März geht es dann wieder auf Tour – von einem Jahrmarkt zum nächsten.

Paul Hammecke hat viel zu tun.

Ganz ähnlich beschreibt es auch Paul Hammecke. Der 33-Jährige baut nur wenige Meter weiter den Autoscooter auf. Die Jungs mit ihren Rädern sind verschwunden. Und auch der Mann aus dem westfälischen Kirchlengern hat eigentlich keine Zeit zum Schnacken. Er will an nur einem Tag sein Fahrgeschäft aufgebaut haben. Auch er ist einer von denen, die in einer Schausteller-Familie aufgewachsen sind. Er mag dieses Leben, denn ein anderes hat er nie kennengelernt. 

Zum ersten Mal in Rotenburg

Dennoch: „Es ist deutlich schwerer geworden, aber wir kämpfen uns durch.“ Vielleicht ist es daher gerade gut, dass sein Bruder René parallel in Leer die Schießbude sowie das Entenangeln für den Gallimarkt aufbaut. „Zusammen waren wir vorher in Warburg“, sagt Hammecke. Dort haben sich die Wege der Brüder getrennt. Auch sie sind immer auf Achse. Rotenburg, sagt der 33-Jährige, habe er in diesem Jahr zum ersten Mal angesteuert. „Soll ja ganz gut sein hier – sonst wären wir nicht da.“

Auch das Strippenziehen gehört zum Aufbau.

Ähnlich wie Jordan Stummer kann sich auch Paul Hammecke noch gut an seine Kindheit erinnern. „Die ersten fünf Jahre habe ich im Internat verbracht.“ Danach reiste er mit der Familie mit, wechselte wochenweise die Schule. „Man wächst da hinein“, sagt er. Das gilt auch für seine beiden Kinder. Hammecke macht sich wieder an die Arbeit. Er will bis zum Abend fertig werden. Es gibt noch viel zu tun.

Fünf Kinderfahrgeschäfte auf dem Lohmarkt

Rund 65 Aussteller sind diesmal beim Herbst-Jahrmarkt in der Kreisstadt mit von der Partie. Darunter auch eine ganze Reihe an Fahrgeschäften. Neben dem Autoscooter und dem „Polyp“ können auch im „Action“ sowie im „Hip-Hop-Jumper“ herrliche Runden gedreht werden. Fünf weitere Kinderfahrgeschäfte sowie Buden mit Speisen, Getränken und Spielen runden das Angebot auf dem Lohmarkt sowie entlang des Birkenwegs ab.

Trotz der schweren Arbeit sind die Männer vom Jahrmarkt bester Laune. Noch spielt nämlich das Wetter mit. 

„Wir hatten auch schon mehr als 80 Schausteller“, erinnert sich Marktmeister Merten Franz an Zeiten, in denen die Plätze noch begehrter waren. Dennoch freut auch er sich auf die inzwischen 80. Markteröffnung Freitagmittag um 13 Uhr. Auch am Samstag sowie am Sonntag öffnet der Jahrmarkt um 13 Uhr seine Türen.

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