Start mit Handbremse

Lockerungen: Gastronomen und Hoteliers sind gespalten

Innen wird gekocht, draußen serviert? Marcus Schlüter (l.) und Kristian Kettenburg zögern noch, den Außenbereich vom Visselhöveder Café „NebenAn“ wieder zu öffnen – Gäste müssen auf Kaffee und Erdbeertorte warten.
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Innen wird gekocht, draußen serviert? Marcus Schlüter (l.) und Kristian Kettenburg zögern noch, den Außenbereich vom Visselhöveder Café „NebenAn“ wieder zu öffnen – Gäste müssen auf Kaffee und Erdbeertorte warten.

Ab Montag dürfen Gastronomen wieder draußen ihrem Beruf nachgehen. Bei einigen in der Branche ist die Freude daher groß, andere reagieren noch verhalten.

Rotenburg – Das Land Niedersachsen ermöglicht erste, vorsichtige Öffnungen. Damit dürfen auch Restaurants und Lokale ab Montag ihre Außengastronomie wieder in Betrieb nehmen, in etwa zwei Wochen könnte die Innengastronomie folgen – es ist ein Aufatmen für eine Branche, die seit mehr als einem Jahr auf der Bremse steht. Auf diese ersten Lockerungsschritte muss der Landkreis Rotenburg aber noch ein paar Tage länger warten, da noch nicht die erhofften fünf Tage unter einer Inzidenz von 100 erreicht sind. Dennoch gehe es „in die richtige Richtung“, sagt der Rotenburger Hotelier Heiko Kehrstephan.

Voraussetzung für den Besuch ist allerdings ein nachgewiesen vollständiger Impfschutz oder ein aktueller, negativer Schnelltest. Dem Chef vom Wachtelhof gefällt das Vorangehen dennoch: „Ich freue mich über jeden, der den Mut hat, weitere Schritte zu gehen“ – natürlich immer unter der Wahrung bestmöglicher Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen, die auch weiterhin gefordert sind. „Aber wenn einer mit Hygiene umgehen kann, dann doch Krankenhäuser, Ärzte und Gastronomen“, merkt Kehrstephan an. Und es wird Zeit: Seit mehr als einem Jahr ist die Gastronomie in weiten Teilen ausgebremst.

Lockerungen kommen kurzfristig

Zwar kommt die Lockerung kurzfristig, das findet Kehrstephan aber nicht schlimm. „Wir waren lange ruhig gestellt, jetzt liegt es an jedem selbst, etwas auf die Beine zu stellen.“ Der Wachtelhof bereite sich auf eine Öffnung vor, was Kehrstephan aber nicht schwerfalle: Es gehe relativ schnell, hochzufahren, weil das Hotel nie komplett geschlossen war. Der Hotelier wird den Garten einbeziehen, dort sei genügend Platz. Dennoch: „Wir haben große Lust, aber bereiten uns mit angezogener Handbremse vor“, so der Hotelchef – man habe noch deutlich das Hin und Her des vergangenen Jahres vor Augen.

Auch Heiner Tamke bereitet sich mit seinen Mitarbeiterinnen vor. „Wir stehen in den Startlöchern, sind innerhalb von einem Tag bereit, sobald wir dürfen.“ Kunden können dann in den Cafés in Rotenburg draußen ihren Kaffee und Kuchen genießen. Skeptisch ist Tamke trotzdem: Er befürchtet, dass die Umsetzung schwierig wird, nicht ganz bis zum Ende durchdacht wurde. „Es wird aufwendig für unsere Mitarbeiterinnen im Verkauf, das zu regeln“, merkt er an – denn diese müssen jeden kontrollieren, der draußen Platz nehmen möchte.

Die Dehoga hält sich zurück

Auch der Dehoga-Kreisverband Rotenburg hält sich vorerst zurück – bei einer Vorstandssitzung am Freitag war man sich einig, noch zu warten, so dessen erster Vorsitzender Hans-Wilhelm Röhrs. „Wir lassen noch zu“, so der Sottrumer. Erst nach Pfingsten wolle man mit Außen-Gastronomie starten. Natürlich liege es an jedem selbst, ob er schon vorher öffnet, der allgemeine Tenor sei jedoch, zu warten. Das liegt zum einen daran, dass das Wetter noch nicht mitspielt, zum anderen scheint es vielen aber auch wirtschaftlich noch nicht sinnig.

Gerade die Wirte, die sowohl Hotel- als auch Restaurantbetrieb haben, verdienen derzeit mehr mit dem Hotel. Speisen außer Haus würden keinen über Wasser halten. Und selbst die Einkünfte von übernachtenden Handwerkern reichten nicht aus, ohne staatliche Hilfe gehe es für die meisten noch nicht. Von daher begrüße auch der Dehoga die Lockerungen, „vor allem für die, die sich dem bereits anschließen können“. Die damit verbundenen Einschränkungen lassen aber auch noch den ein oder anderen zögern. „Ich weiß nicht, wie die Leute das annehmen werden“, so Röhrs. Er ahnt schon Ärger ob der Thematik „geimpft oder nicht geimpft“.

Vorgaben sind realitätsfern

Auch Marei und Kristian Kettenburg, Inhaber des beliebten Cafés „NebenAn“ an der Visselhöveder Goethestraße, halten sich noch zurück. Also werden aktuell noch kein Cappuccino und keine Erdbeertorte auf der ansonsten belebten Terrasse serviert. „Ich glaube nicht, dass es Gäste gibt, die sich extra in einem Testzentrum oder beim Arzt einem Test unterziehen lassen, nur um mal kurz ein Eis zu essen oder einen Kaffee zu trinken“, vermutet Marei Kettenburg. Diese Vorgaben seien schlichtweg realitätsfern und kaum praktikabel.

Auch das Mittagstischangebot gibt es noch nicht: „Die meisten Arbeitnehmer haben kaum mehr als eine halbe Stunde Pause, wenn davon schon 15 Minuten vergeudet werden, bis das Ergebnis vorliegt, reicht die Zeit kaum aus, um in Ruhe zu essen“, sagt Kettenburg. Und: „Das Schöne an dieser Pause ist irgendwie weg!“ Nicht zuletzt betont auch sie das noch nicht ideale Wetter. „Wir können nicht unsere Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen, um dann um 12 Uhr zu sagen, es regnet, ihr könnt doch Zuhause bleiben“, betont Kristian Kettenburg, der sich zunächst weiter auf das Außer-Haus-Geschäft konzentrieren will.

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