Linken-Fraktionschef in Rotenburg

Dietmar Bartsch weiß, dass es knapp wird

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Dietmar Bartsch unterstützt die Linken-Kandidaten aus dem Landkreis Rotenburg.

Rotenburg - Von Guido Menker. Flotten Schrittes kommt er die Treppe hoch. Im Ratssaal warten bereits rund 50 Gäste auf seinen Auftritt, doch Dietmar Bartsch nimmt sich noch zehn Minuten Zeit für die Presse. Und das, obwohl er mit Verspätung zu dieser Wahlkampfveranstaltung in Rotenburg erscheint: Das von einer Baustelle ausgelöste Verkehrschaos in der Kreisstadt hat auch den Chef der Linken-Fraktion im Deutschen Bundestag erwischt.

Bürgermeister Andreas Weber (SPD) stellt dem Bundespolitiker und den beiden Journalisten für einen kurzen informativen Rückzug sein Büro zur Verfügung und serviert kühle Getränke. Bartsch ist auf Wahlkampftour in Niedersachsen unterwegs. Er will den Kandidaten helfen.

 In diesem Fall Nils Bassen, der im Südkreis auf der Kandidatenliste steht, und Steven Lührsen, der im Nordkreis an den Start geht. „Ich weiß, dass es knapp wird“, sagt Bartsch. Aber Niedersachsen könne mit Blick auf die Koalitionsgespräche in Berlin ein Zeichen setzen. „Das Wahlergebnis in Niedersachsen hat Einfluss darauf“, meint er. Besonders viel halte er nicht von Jamaika. Soziale Themen sehe er bei dieser Konstellation nämlich nicht weit vorne angesiedelt. 

Steven Lührsen

„Und es wird in Berlin schon über Posten geredet, bevor die Gespräche überhaupt begonnen haben. Das nervt die Leute“, meint der Mann, der aus Mecklenburg-Vorpommern stammt und nicht müde wird, die Kluft zwischen „obszönem Reichtum“ und zunehmender Kinderarmut anzuprangern und eben mehr soziale Gerechtigkeit einzufordern. Nicht zuletzt deshalb sei es „extrem wichtig, drin zu sein“. Drin im Landtag, den die Niedersachsen am 15. Oktober wählen.

Hellblaues Hemd, dunkles Sakko und Jeans. Dietmar Bartsch wirkt relativ entspannt, macht aber vor den Besuchern im Ratssaal sofort klar: „Der Bundestagswahlkampf steckt mir noch in den Knochen.“ Auch jetzt reißt er viele Termine ab. An diesem Mittwoch Cuxhaven und Rotenburg, am Tag darauf geht es weiter in Richtung Aurich. Auf den Tischen liegen Parteiprogramme und Veröffentlichungen des Landesverbandes der Linken sowie Aufnahmeanträge. Für das anschließende Gespräch in lockerer Runde stehen Getränke und Schnittchen bereit.

Nils Bassen

Nils Bassen (24) und Steven Lührsen (23) werden nur geringe Chancen eingeräumt, in den Landtag einzuziehen. Bislang gingen die Direktmandate stets an einen Bewerber der großen Parteien. „Wir haben beide keinen Platz auf der Liste“, sagt Bassen.

Zusammen mit dem Gast aus Berlin setzen die beiden Politiker jedoch alles daran, für ein gutes Ergebnis am 15. Oktober zu sorgen. Lande die Linke am Ende bei jenen 6,9 Prozent, die sie bei der Bundestagswahl in Niedersachsen geholt hat, „dann wären wir glücklich“, sagt Bartsch.

Die Rede an diesem Abend erinnert sehr an seine Auftritte während der vergangenen Wochen in den Talk-Shows. Die Linke verstehe sich als soziale Opposition. Das sei so wichtig, weil der soziale Zusammenhalt in Deutschland gefährdet sei. Der Linken-Fraktionschef jongliert mit vielen Zahlen, die deutlich machen sollen, wie weit die soziale Schere auseinandergeht. „Die Ungleichheit war noch nie so groß.“ Ohne Umverteilung gehe es nicht. Der Gast aus Berlin vertieft seine Positionen und die der Linken später in persönlichen Gesprächen und setzt danach seine Wahlkampfreise fort.

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