INTERVIEW AM WOCHENENDE Familie Völkers über ihr Projekt Meerstrand

„Liebeserklärung an die Erde“

Silke und Björn Völkers aus Visselhövede wollen durch einen schöpfungstheologischen Ansatz mehr Menschen für die Schönheit der Natur begeistern.
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Silke und Björn Völkers aus Visselhövede wollen durch einen schöpfungstheologischen Ansatz mehr Menschen für die Schönheit der Natur begeistern.

Visselhövede – Die Menschen entdecken Deutschland neu – nicht erst seit der Corona-Krise. Offenbar sind die Zeiten der Flugpreis-Schnäppchenjäger nach Mallorca und Co. vorbei. Ein Umdenken setzt vielleicht auch aufgrund des Klimawandels ein. Zu diesen Menschen gehört schon lange das Visselhöveder Ehepaar Silke und Björn Völkers. Das hat jetzt die Gruppe Meerstrand ins Leben gerufen, die sich mit der Natur in einer etwas anderen Form auseinandersetzt. Wir haben mit dem Gemeinschaftspastor der Landeskirchlichen Gemeinschaft und seiner Frau darüber gesprochen.

Sie haben den selbst ernannten Lifestyle Meerstrand ins Leben gerufen. Was verbirgt sich dahinter?

Silke Völkers: Meerstrand bedeutet: Wir genießen unsere freie Zeit gerne am Meer und am Strand. Meerstrand steht für Lebensfreude und Ruhe am Meer und am Strand, achtsam die Schönheit der Natur erleben und uns bewusst machen, dass wir nur einen Planeten zum Leben zur Verfügung haben.

Wie, wann und warum sind Sie darauf gekommen?

Björn Völkers: Im Sommerurlaub 2019 in Kühlungsborn ist uns die Idee Meerstrand bei einem langen Strandspaziergang gekommen mit dem Erleben von Sand, Wasser und Wellen an unseren Füßen. In dieser Zeit war das Thema Klima natürlich sehr aktuell. Was wir beobachten ist, dass immer nur das Negative, das Kaputte der Klimalage die Motivation sein soll, um etwas zu ändern. Wir wollen einen anderen Ansatz gehen: den schöpfungstheologischen Ansatz – die Schönheit der Natur wieder achtsam zu entdecken und dann für sich selbst der Schönheit zu handeln. Wir initiieren deshalb Meerstrand als Bewegung, um für die Schönheit der Natur in unserem schönen Lebensraum sensibel zu machen.

Geht es nur um Lifestyle oder doch um mehr?

Björn Völkers: Meerstrand ist eine Liebeserklärung an unsere schöne Erde. Jeder Ansatz von Klimaschutz ist wichtig und bedeutungsvoll. In Gesprächen habe ich aber festgestellt, dass es viele Menschen gibt, die depressiv werden, weil sie sich überfordert fühlen, da der Missstand wie eine große Wand vor ihnen steht und viele den Eindruck haben, dass sie nichts ausrichten können. Mit Meerstrand möchten wir einen besonderen Weg gehen: Weil unsere Schöpfung eben so schön ist, darum werfe ich zum Beispiel keine Fast-Food-Verpackung an der Autobahnausfahrt aus dem Wagenfenster. Das ist psychologisch ein ganz anderer Ansatz, und deshalb ist es nicht nur ein Lifestyle. Die Motivation für mein Handeln in der Natur ist ihre Schönheit und nicht die Not.

Quasi ein neues Leitbild für die Menschen der Region?

Silke Völkers: Sicherlich. Wir freuen uns, dass wir hier in Visselhövede in einer schönen Gegend leben. In Visselhövede zu wohnen ist klasse, denn man ist in allen Richtungen schnell im Grünen. Wenn ich mit dem Fahrrad oder zu Fuß die Region erkunde, dann gibt es viele reizvolle Orte zu sehen. Eben einfach nur achtsam die Region entdecken, seinen Wohnort mit offenen Augen sehen. Wenn der Ansatz von Meerstrand erreichen kann, dass Menschen ihre Region wieder neu entdecken und sensibel für die Schönheit dieser Gegend werden, würde ich mich freuen.

Wo sind sie sonst noch unterwegs?

Silke Völkers: Im herrlichen Norddeutschland. Wir sind zum Beispiel leidenschaftliche Camper, und Caravaning hat eine große Bedeutung in unserem Leben. Es ist schön auf unserem Campingplatz hier ganz in der Nähe, wo wir mit unserem Wohnwagen Dauercamper sind. Wir freuen uns aber immer wieder, wenn wir mit unserem Wohnmobil neue tolle Orte ganz in der Nähe an der Nord- und Ostsee entdecken. Das Schöne liegt so nahe vor unserer Haustür, sogar in unserer Region.

Ist die Meerstrand-Philosophie auch ein wenig Corona geschuldet, weil die Deutschen ihr Land neu entdecken?

Björn Völkers: Meerstrand haben wir ja bereits vor Corona entwickelt. Wir waren jetzt im Sommerurlaub vier Wochen mit dem Wohnmobil an der Nord- und Ostsee sowie an der Müritz unterwegs. Es ist aber natürlich zu beobachten, dass aufgrund von Corona die Menschen in Deutschland ihren Urlaub verbringen und ihr Land neu kennenlernen. Das finden wir gut. Wir selbst haben schöne Orte in Norddeutschland erlebt, sind von unserem Land voll begeistert und das bedeutet unter anderem Lebensfreude.

Wer kann mitmachen?

Silke Völkers: Meerstrand ist eine Initiative und jeder kann mitmachen.

Björn Völkers: Die Druckerei und der Goldschmied, bei denen wir Dinge für Meerstrand herstellen lassen, sind genauso begeistert von der Idee wie unsere Freunde, die ebenfalls einen neuen Blick für die Schönheit der Natur haben. Danke sagen wir auch Rebecca Watta aus der Schweiz, die uns ihr Lied über die schöne zerbrechliche Schöpfung für unsere Homepage zur Verfügung gestellt hat.

Silke Völkers: Wir freuen uns, dass sich viele von der Philosophie und Idee Meerstrand anstecken ließen und lassen, mit dabei sind und so wieder Multiplikatoren für andere sind.

Auch die Menschen, die vielleicht nichts mit dem Meer und dem Strand zu tun haben, sondern eher die Berge lieben?

Björn Völkers: Meerstrand möchte einen Anstoß geben, die Schönheit der Schöpfung neu zu entdecken und achtsam mit ihr umzugehen. Ein Kollege von mir ist mit einer Gemeindegruppe in die Berge zum Wandern gefahren. Als ich ihm die Idee von Meerstrand erklärte, meinte er, er wolle die Teilnehmer für die Schönheit der Bergwelt sensibilisieren. Meerstrand – ein Lifestyle für die Schönheit der Natur, nicht nur am Meer.

Wie und wo bekomme ich Kontakt und weitere Informationen?

Silke Völkers: Auf unserer Homepage unter www.meerstrand.jimdosite.com sind neben Hinweisen zur Idee und Philosophie auch viele Reisebilder von uns zu sehen. Es ist für mich immer wieder faszinierend, und ich komme ins Staunen, wenn ich durch die Natur laufe, den Blick für die Schönheit bekomme und diesen Augenblick in einem Foto festhalte. Björn und ich tauschen Fotos aus, weil jeder einen anderen Blick für unseren schönen Lebensraum hat. Die Fotos sollen uns Menschen aufzeigen, wie vielseitig unsere Schöpfung ist und uns motivieren, verantwortungsvoll mit ihr umzugehen.

Sie als Gemeinschaftspastor der Landeskirchlichen Gemeinschaft gehen nicht nur bei Meerstrand besondere Wege. Vielleicht auch, um die Menschen neu für den christlichen Glauben und die Schöpfung zu begeistern?

Björn Völkers: Es gibt viele Menschen, die haben die Dankbarkeit darüber verloren, dass sie so einen schönen Lebensraum haben, weil es irgendwie selbstverständlich ist, in ihm zu leben. Im Glaubensbekenntnis bekennen Christen: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“ Wenn ich von der Schönheit der Schöpfung begeistert bin, dann folgt ganz schnell ein Dankgebet an Gott, weil er alles so schön geschaffen hat mit dem Arbeitsergebnis Gottes: „Alles ist sehr gut.“ In der Schönheit der Schöpfung erkenne ich, wie gut es Gott mit mir meint, auch dass ich gerade in dieser Gegend der Erde leben darf. Gott gibt mir einen schönen Lebensraum, um mein Leben zu gestalten. Was der Mensch aus der Schöpfung gemacht hat und warum alles so ist wie es ist – auch das Kaputte – ist ein anderes Thema.

Kann das den Menschen in Krisenzeiten Halt geben?

Björn Völkers: Wenn Gott als Arbeitsergebnis seiner Schöpfertätigkeit sagt: „Alles ist sehr gut“, dann heißt das auch, dass ich als Mensch sein Geschöpf bin, ein Original, einzigartig auf dieser Welt, schön in Gottes Augen. Wenn ich in einer Krise zum Beispiel nicht zu mir selbst stehen kann, Gott steht dennoch zu mir und bejaht mein Leben, weil er mich nach dem biblischen Menschenbild geschaffen hat. Oder wenn ich achtsam feststelle, wie kreativ Gott die Schöpfung geschaffen hat, dann glaube und vertraue ich, dass Gott sicherlich auch kreative Lösungen hat, um mich aus einer Krise herauszuholen. Als ich selbst mal ganz unten war und nicht mehr leben wollte, war ich überrascht, welche schöpferische Kreativität und Hilfe Gottes ich erlebt habe.

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