Speiseplan hat sich erweitert

Syrische Familie verliebt sich in Kartoffelsalat

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Nahya Ramadan ist voll in ihrem Element. Hier bereitet sie gerade Gemüse mit gekochtem Huhn und Freekeh (gerösteter Weizen) für ihre Familie zu.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Die Syrerin Nahya Ramadan ist ganz in ihrem Element. Sie arbeitet in der Küche ihres Hauses in Rotenburg und bereitet das Mittagessen für die Familie vor. Bereits im Flur duftet es herrlich nach Kräutern und orientalischen Gewürzen. Das lässt nur erahnen, wie gut das Essen mit ihren persönlichen Finessen am Ende schmecken wird.

Die Schneiderin mit einem Geschäft in Rotenburg kocht zunächst eine Suppe, schmort dann das Gemüse und legt ein Huhn in das siedende Wasser eines großen Topfes. In der Pfanne bereitet sie gerösteten Weizen zu, der in arabischen Ländern ebenso wie Reis zu den Fleischgerichten gereicht wird. So oder so ähnlich kocht sie nach syrischer Art für ihre Kinder und Ehemann Mohammed Salim Ali.

„Es gibt bei uns trotz der Arbeit in der Schneiderei täglich warmes Essen“, sagt die Syrerin. Aber von montags bis freitags sind es meist schnelle Gerichte. Umso üppiger fällt das Essen am Wochenende aus. In einem Gespräch mit der Kreiszeitung berichtet das Ehepaar über seine heimische Küche und den speziellen Charakter der Mahlzeiten aus seiner ganz persönlichen Sicht.

Ramadan und ihr Ehemann Mohammad Salim Ali sind im Jahr 1996 aus Syrien geflüchtet und wohnen seitdem in der Kreisstadt. Vor ihrer Flucht lebten sie in Amude (rund 50.000 Einwohner), ganz in der Nähe der türkischen Grenze im Nordosten Syriens. Die Mehrzahl der dortigen Menschen sind Kurden. „In Syrien leben aber auch Araber, Turkmenen und Armenier “, erzählt Ali, und dementsprechend vielfältig seien in ihrer Heimat auch die Essgewohnheiten.

Schon beim Blick auf den reichhaltig gedeckten Tisch mit den vielen orientalischen Spezialitäten freuen sich die Gäste auf das Essen.

„In Amude haben wir immer zu Hause gegessen. Es gab keine Restaurants“, erinnert sich Nahya Ramadan. „Wir haben Gemüse, Obst und Fleisch in den kleinen Läden oder auf dem Markt in der Stadt täglich frisch eingekauft, weil es keinen Supermarkt gab.“ Anders sei es in den größeren Städten wie zum Beispiel Damaskus oder Aleppo gewesen. Dort hätten die Leute zwischendurch ihre Mahlzeiten in Restaurants eingenommen und auch in Supermärkten einkaufen können, so die Syrerin.

Variantenreiches Frühstück in Syrien

„Ebenso wie in Deutschland gibt es bei uns drei Hauptmahlzeiten: Frühstück, Mittag und Abendbrot“, erzählt Ali. Zwischendurch essen sie am Nachmittag manchmal noch ein paar Kekse mit einer Tasse Tee oder Kaffee. Das Frühstück in Syrien sei variantenreich. „Selbstverständlich kommt in unserer Familie am Morgen das übliche Fladenbrot auf den Tisch. Dieses Brot wird übrigens zu jeder Mahlzeit gereicht.“ Das Frühstücksgetränk bei ihnen sei ausschließlich Tee. Dazu gebe es immer als Hauptspeise Schafskäse, grüne und schwarze Oliven, Quark sowie Joghurt. Auch etwas Süßes kommt auf den Tisch. So unter anderem Kürbis- oder auch Aprikosenmarmelade.

„Das Mittagessen in der Heimat war üppig und es wurde immer warmes Essen gereicht“, so die Schneiderin. Sie habe das Kochen als junge Frau zunächst bei ihrer Mutter gelernt. Später, nach der Heirat mit Salim, habe ihre Schwiegermutter ihr einige zusätzliche Finessen beigebracht. Ehemann Ali schwärmt bis heute von ihren Kochkünsten. „In der Küche führt sie Regie, und das ist gut so.“

Mohammed Salim Ali wirft einen Blick auf den Tisch und ist von der Kochkunst seiner Ehefrau Nahya immer wieder begeistert.

Damals in Syrien gab es Linsen- oder andere Gemüsesuppen als Vorspeise. Als Hauptspeise bereitete Alis Ehefrau würzige Weintraubenblätter oder mit Hackfleisch und Reis gefüllte Zucchini oder Auberginen zu. Zum Speiseplan der Familie zählten aber auch Lamm- und Rindfleisch sowie Geflügel mit Mahashireis oder gefüllte Knödel (Kibbeh). Frische Salate gehörten zum täglichen Mittagstisch.

Deutsche Produkte erweitern Mahlzeiten

Weil die meisten Syrer, wie auch Ali und Ramadan, Muslime sind, gab und gibt es dort kein Schweinefleisch. Das Abendessen war nahezu eine Kopie des Frühstücks – wieder mit Käse, Marmeladen oder auch Eiern sowie Fladenbrot, erzählen beide. „Wir leben nun seit 21 Jahren in Deutschland. Dadurch hat sich unser hiesiger Speiseplan doch etwas erweitert“, erklärt Ali. Zwar werden die meisten Mahlzeiten in gewohnter heimatlicher Form zubereitet, „aber es sind viele weitere Produkte hinzugekommen, die wir erst in Deutschland kennen und lieben gelernt haben“. 

So sind die Familienmitglieder vom deutschen Nudel- und Kartoffelsalat mit Mayonnaise und auch von Brokkoli, Spargel aus der Region als Gemüsebeilage sowie typisch deutscher Gemüsesuppe begeistert. „Wir kaufen viele Zutaten für unsere tägliche Ernährung, insbesondere das Halal-Fleisch und Geflügel, in speziellen Geschäften in Rotenburg, die sich auf die orientalische Küche spezialisiert haben“, erzählt Ali. Aber auch in Supermärkten sind inzwischen einige Nahrungsmittel für die Essenzubereitung erhältlich, hat Nahya Ramadan festgestellt.

Das Gespräch endet mit einer Überraschung der Köchin. Sie serviert das fertiggestellte Essen. Die orientalisch gewürzte Kombination aus Huhn mit geschmortem Gemüse und Freekeh schmeckt ausgezeichnet.

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