Edeltraut Rath präsentiert ihre Werke

Farbige Poesie elementarer Teile

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Edeltraut Rath zeigt mit „Elementarteilchen“ die letzte Ausstellung im Rotenburger Kunstturm für dieses Jahr.

Rotenburg - Der Rotenburger Kunstverein hat seine vierte und letzte Ausstellung in diesem Jahr im Kunstturm an der Nödenstraße mit der jüngsten Werkschau der Bremer Künstlerin Edeltraut Rath eröffnet. „Elementarteilchen“ nennt die Künstlerin mit dem wallenden Blondhaar ihre Präsentation mit Werken aus den vergangenen zehn Jahren ihres Schaffens.

Vergeblich versuchten sowohl Peter Mokrus, Vorsitzender des Kunstvereins, in seiner Begrüßung wie auch Ingo Lähnemann, Kurator der Städtischen Galerie Bremen, in seiner Einführung sich diesem Titel physikalisch-wissenschaftlich zu nähern. Sie mussten einsehen, dass die spröde Physik aber auch gar nichts mit der ornamentalen, farbenprächtigen Kunst in den vier Stockwerken des ehemaligen Feuerwehrturmes zu tun hatte.

Schmunzelnd lieferte dann die Künstlerin selbst eine Erklärung des von ihr gewählten Titels. Wenn die agile 65-jährige Malerin in ihrem Atelier arbeitet, tut sie das mit im Hintergrund laufender Musik. In der jetzigen Phase waren es die Klänge aus dem Film „Elementarteilchen“ von Oliver Berben, die es ihr angetan hatten und auch namensgebend für diese Ausstellung wurden. In den unterschiedlichsten Formaten kommen ihre ornamentalen Ausstellungsstücke daher und bringen vor allem eins an die weißen Wände des Kunstturms: Farbe. Die renommierte Künstlerin hat in Bremen Kunst studiert und arbeitet seit 42 Jahren in den unterschiedlichsten Bereichen der Kunst. 

Ihr Schwerpunkt ist die Wandmalerei und Kunst im öffentlichen Raum, und ihre Projekte haben sie rund um den Globus geführt. In Durban, Südafrika, entstand auch die Idee, Kunststudenten nach „places you remenber“, Erinnerungsplätzen zu fragen. Die Ergebnisse haben sich im zweiten Stock des Kunstturms in einem, den ganzen Boden bedeckenden und an ein Memory-Spiel erinnernden Werk niedergeschlagen. Quadratische Flächen, die Fußbodenmuster aus den verschiedensten Bremer Häusern von Freunden oder bekannten Bauwerken, wie Hotels oder öffentlichen Gebäuden oder auch verschiedene Straßenpflaster darstellen, reihen sich nahtlos aneinander und füllen den ganzen Raum aus, der im Kunstturm wunderbar von dem daran vorbeiführenden Treppenhaus zu betrachten ist.

Malte sie früher realistisch in Öl oder auch Portraits als Auftragsarbeiten, so findet sie ihre kreative Freiheit in den vergangenen Jahren in der Unermesslichkeit der Farbe. Lassen sich ihre Acryl-, Plexiglas- oder Siebdruckbilder auch manchmal als eine Variante innerhalb der „neuen Geometrie“ sehen, so findet man doch Oberflächenstrukturen und minimale Farbmodulationen in der malerischen Umsetzung. Farbe ist ihr das Wichtigste an der Kunst, und das findet ihren ganz elementaren Ausdruck an der hohen Eingangswand der ungewöhnlichen Architektur des Ausstellungsortes. Eingetrocknete Farbreste aus den Eimern ihrer letzten Wandbemalung in der Paula-Kunstschule in Worpswede finden ihren harmonisch komponierten Weg an diese weiße Wand und verblüffen durch zufällige Strukturen, die keine Hand hätte formen können. Eine Komposition, die einmalig ist und nie wieder so entstehen wird wie hier an dieser Wand. 

„Was tut die Kunst? Sie erlöst vom Augenschein,“ wusste schon Peter Handke. Das ist in dieser Ausstellung besonders deutlich, die unvermittelt durch ihre Farbigkeit die Gefühle anspricht. Auch Ingo Lähnemann wies in der Erklärung der Werke darauf hin, dass erst durch die menschliche Wahrnehmung und Interpretation des Betrachters die Kunst entsteht und die Faszination des Zusammenspiels von Farbe und Form eine ästhetische Poesie entstehen lässt, die die Macht erklärt, die Kunst auf uns ausübt und zu den elementarsten menschlichen Bedürfnissen gehört.

Die Ausstellung ist noch bis zum 19. November im Kunstturm zu sehen, und am Sonntag, 12. November, ab 15 Uhr, gibt es noch ein Künstlerinnengespräch, bei dem dann auch der Elementarteilchen-Katalog vorgestellt wird.

hs

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