Neuer Traditionserlass

Aus Lent wird von Düring: Rotenburger Kaserne schlägt neuen Namen vor

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Die Lent-Kaserne soll nach einem Vorschlag der Soldaten in Zukunft von-Düring-Kaserne heißen. Der Forstbeamte und Freikorps ist auf dem Gelände begraben.

In der Rotenburger Lent-Kaserne ist man auf der Suche nach einem neuen Namen für den Standort offenbar fündig geworden. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervorgeht, haben die Soldaten vorgeschlagen, die Kaserne nach Johann Christian von Düring zu benennen. Auch der Standortälteste und Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Maik Münzner, bestätigt dies gegenüber der Kreiszeitung.

Rotenburg - Von Düring war laut Bundesregierung im 19. Jahrhundert hannoverscher Forstbeamter und Freikorpsführer in Diensten des Kurfürstentums und Königreichs Hannover in den Befreiungskriegen gegen Napoleon. „Wir haben nach einer Person gesucht, die für uns hier Identität stiften kann“, sagt Münzner. Von Düring habe für sein Land gekämpft und sich aber auch im zivilen Bereich um die Region Rotenburg verdient gemacht. So habe er unter anderem das Luhner Holz aufgeforstet, in dem sich die Kaserne befindet. Sein Grab und ein ihm gewidmetes Denkmal befinden sich auf dem Gelände. Darüber hinaus sei von Düring Freiwilliger der Jägerkompanie gewesen, dieselbe Truppengattung, der auch die Soldaten in Rotenburg angehören. „Er ist sozusagen einer der Urgroßväter dieser Truppengattung“, so Münzner.

Wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht, hat das Kommando Heer den Antrag auf die Umbenennung der Lent-Kaserne zur von-Düring-Kaserne am 26. September gestellt. Der Vorschlag ist am 5. Juli einstimmig beschlossen worden, nachdem das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) eine erste Prüfung Johann Christian von Dürings vorgenommen hatte. Involviert waren auch die Soldatenvertretungen, so Münzner, der betont, dass es sich bislang um einen Vorschlag handelt und eine offizielle Billigung aus dem Bundesverteidigungsministerium noch nicht absehbar ist. Wenn das Okay aus Berlin kommt, bindet Münzner die politischen Entscheidungsträger vor Ort in den Prozess ein. Ihm ist wichtig: Die Namensgebung sei durch die Bundeswehr initiiert worden, durch Prozesse am Standort vorschriftsmäßig entstanden und nicht von außerhalb beeinflusst. „Es ist schade, dass sich die Debatte so hinzieht und durch Falschinformationen aus verschiedenen Richtungen mehr Unruhe als Stabilität für den Standort entstanden ist“, so der Kasernen-Chef im Gespräch mit der Kreiszeitung.

Im Rotenburger Rathaus und im Kreishaus nimmt man den Vorschlag hin. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) und Landrat Hermann Luttmann (CDU) hatten sich während der langwierigen Diskussionen in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen gegen eine Umbenennung ausgesprochen. Beide hatten bis gestern noch keine Kenntnis von den Neuigkeiten aus der Kaserne. „Ich kann damit leben“, so Luttmann. Er gehe davon aus, dass die Soldaten sich intensiv mit der Namensfindung beschäftigt haben. Weber hofft, dass die intensiven Diskussionen damit abgeschlossen sind. Den neuen Namen bewertet er – wie auch Luttmann – als positiv, da mit von Düring weiter ein Bezug zur Region bestehe.

Die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke (Die Linke), die die Kleine Anfrage gestellt hatte, nimmt die Entscheidung mit gemischten Gefühlen auf. „Ich freue mich einerseits darüber, dass es mit Lent jetzt endlich zu Ende ist. Ein Offizier, der bis zuletzt treu für Hitler und das NS-Regime gekämpft hat, hätte niemals Namensgeber werden dürfen. Ich finde es andererseits erschreckend, dass die Soldaten am Standort nicht selbst zu dieser Einsicht gekommen sind, sondern erst von ganz oben dazu angewiesen werden mussten.“ Sie spricht von einem „Trauerspiel“, das die Bundeswehr jahrelang aufgeführt habe.

Die bisherige Benennung der Kaserne nach dem Luftwaffenoffizier der Nazi-Zeit, Helmut Lent, hatte das Bundesverteidigungsministerium im November 2013 als nicht mehr zeitgemäß gerügt. Die darauffolgende, jahrelange Debatte in der Region war auch Teil einer bundesweiten Diskussion über das grundsätzliche Traditionsverständnis der Bundeswehr – insbesondere gegenüber ehemaligen Wehrmachtsangehörigen. Anfang September vergangenen Jahres fiel dann die Entscheidung, die Lent-Kaserne umzubenennen. „Der Name Lent ist nicht mehr sinnstiftend im Sinne des neuen Traditionserlasses“, hieß es damals.

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