Entscheidung liegt beim Militär

Linke will Umbenennung der Rotenburger Kaserne

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Während der Informationsveranstaltung im Rotenburger Rathaus stellt Michael Quelle vom Landesverband der Linken das „Erinnerungsbuch“ aus dem Stader Stadtarchiv vor.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Das Interesse an der Debatte zur möglichen Umbenennung der Rotenburger Lent-Kaserne ist bei den Bürgern der Kreisstadt offensichtlich überschaubar. Weniger als eine Handvoll Interessierter, die nicht Mitglied in der Partei „Die Linke“ sind, war am Mittwochabend der Einladung der Partei in den Sitzungssaal 4 des Rathauses gefolgt.

Hier, so hofften Jochen Richert und Manfred Damberg vom geschäftsführenden Vorstand sowie Nils Bassen vom Kreisverband der Linken, sollte die Diskussion in der Bevölkerung neu angeregt werden, ob der Namensgeber der Kaserne an der Zevener Straße, Helmut Lent, als Nazi zu bezeichnen ist. Die Partei hält eine Namensänderung der Kaserne als zwingend erforderlich.

Namensgebende Person muss beispielhaft für die Allgemeinheit sein

Die Linken sehen es als erwiesen an, dass der im Zweiten Weltkrieg gefallene Luftwaffenoffizier ein überzeugter Nazi gewesen ist. Lent sei keine beispielgebende Person. Das sei unter anderem eine Voraussetzung für die Benennung einer Kaserne. So laute die Vorschrift vom Verteidigungsministerium im Traditionserlass, erklärte Damberg zu Beginn der Veranstaltung.

Anders als seine Partei habe der Rotenburger Stadtrat, also die Vertretung aller der Bürger der Kreisstadt, nach der Beurteilung von Ergebnisse mehrerer Studien und Gutachten den Entschluss gefasst, dem Standortältesten der Lent-Kaserne, Oberstleutnant York Buchholtz, vorzuschlagen, den Namen für die Kaserne beizubehalten. „Für die Stadt ist das Thema vom Tisch“, erklärte Bürgermeister Andreas Weber (SPD) im Gespräch mit der Kreiszeitung. Nun sei das Militär gefordert, denn nur das Verteidigungsministerium könne letztlich über die Namensgebung entscheiden.

„Die Linke“ verweist auf das „Erinnerungsbuch“ aus dem Stadtarchiv

Und eben diese Meinung teilt „Die Linke“ nicht und bezog sich am Mittwochabend auf das im Stader Stadtarchiv liegende „Erinnerungsbuch“ über das Leben von Helmut Lent, das 1945 von verschiedenen Autoren verfasst worden war. Auch Lents Ehefrau Lena soll Eintragungen gemacht haben. „Zumindest steht das Namenszeichen hinter der Eintragung“, erklärte Michael Quelle vom Landesverband der Linken.

Er stellte vor der Aussprache der kleinen Neunerrunde im Rathaus Passagen aus dem Buch vor. Seiner Ansicht nach geht aus dem Inhalt eindeutig hervor, dass Lent bereits in frühester Jugend durch den Beitritt ins Jungvolk das „militärische Führertum“ gelegen habe. Quelle las weitere Einträge unter anderem auch über Beurteilungen des Luftwaffenoffiziers vor, die seiner Ansicht nach beweisen, dass der Kampfpilot dem Nazi-Regime entgegen anderslautender Gutachten sehr zugetan war. Quelle stellte eine Kernforderung seiner Partei: „Es müsste sich eine Gutachterkommission finden, die alle verfügbaren Materialien zurate zieht und anschließend in einem Hearing bekannt gibt.“

Landrat will sich weitergehend informieren

Zudem übte Quelle harsche Kritik am Text über Lent auf der Geschichts- und Erinnerungstafel, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge am Grabe des Gefallenen auf dem Friedhof in Stade angebracht habe. Auf jenes Schild von der Kreiszeitung angesprochen, erklärte der Rotenburger Kreisvorsitzende des Volksbundes, Landrat Hermann Luttmann (CDU): „Ich kenne den Text erst seit ein paar Tagen und werde mich damit auseinandersetzen und zur Klärung mit dem Bezirksverband Verbindung aufnehmen.“ Die Existenz des „Erinnerungsbuches“ sei Luttmann bisher nicht bekannt gewesen. Zudem sei bei ihm bis gestern noch kein schriftlicher Antrag der Linken eingegangen, die Namensgebung bei der nächsten Sitzung des Kreistages auf die Tagesordnung zu setzen.

Zudem erklärte der Landrat weiter: „Mir ist völlig klar, dass man nach den Richtlinien die heute gelten, die Kaserne nicht mehr nach Lent benennen würde. Aber damals im Jahre 1964 war das so in Ordnung.“ Wenn jetzt der Name geändert würde, dann stelle man ihn auf eine Stufe mit den Leuten, die sich tatsächlich als Nazis hervorgetan haben und nach denen man zunächst vielleicht unbedarft Kasernen benannt habe. „Das hat Helmut Lent und seine Familie nicht verdient. Er war kein Nazi“, so Luttmann.

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