„Zeitplan liegt nicht vor“

Lent-Kaserne: Umbenennung weiter offen

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Schon seit Jahren wird über eine Umbenennung der Rotenburger Lent-Kaserne diskutiert. Entschieden ist bislang nichts, und die Soldaten selbst beschäftigen sich kaum mit dem Thema.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Verteidigungsministerin hat sich geäußert. Eine Antwort gibt Ursula von der Leyen aber immer noch nicht. Zwei Wochen nach Unterzeichnung des neuen Traditionserlasses der Bundeswehr und der Erklärung ihres Ministeriums, dass die Debatte um eine mögliche Umbenennung der Rotenburger Lent-Kaserne erledigt ist, öffnet die CDU-Politikerin wieder ein Hintertürchen. Und zwar eines, das so langsam für Streit innerhalb der großen Koalition in Berlin sorgt.

Der heimische Bundestagsabgeordnete und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hatte von der Leyen bereits Anfang März schriftlich die Frage gestellt, ob der neue Traditionserlass Auswirkungen auf die Lent-Kaserne habe. Ist der ehemalige Wehrmachtspilot Helmut Lent sinnstiftend für die heutige Bundeswehr? Oder muss die Kaserne nach 54 Jahren einen neuen Namen erhalten? Seit Ende 2013 wird bekanntermaßen in Rotenburg darüber diskutiert. 

Ausschlaggebend sei damals eine Anregung des Inspekteurs des Heeres gewesen, hieß es stets. Nach dem Votum der Soldaten vor Ort, des Stadtrats und des Kreistags für den Erhalt hatte von der Leyen im Wahlkampfjahr 2017 zunächst stets mitteilen lassen, dass der Meinungsfindungsprozess vor Ort noch nicht abgeschlossen sei und man deshalb noch nicht entscheiden könne. Ende März teilte ein Ministeriumssprecher dann auf Anfrage mit: „Überlegungen zu einer Umbenennung der Lent-Kaserne gehen nicht vom Ministerium aus, sondern werden von den Soldaten vor Ort gemeinsam mit den Vertretern der Bevölkerung angeregt, diskutiert und abschließend gegebenenfalls beantragt.“ Mit anderen Worten: Das Ministerium muss gar nicht über eine Umbenennung entscheiden, wenn es vor Ort keinen Willen dazu gibt. Auch das Landeskommando Niedersachsen teilte mit: „Das Thema ist zunächst vom Tisch.“

Klingbeil ärgert sich über das Hin und Her

Am Montag nun hat Klingbeil allerdings eine schriftliche Antwort von der Ministerin selbst erhalten. Und in der heißt es: „Auf der Grundlage des neuen Traditionserlasses wird zu prüfen sein, ob an dem Kasernennamen in Rotenburg festgehalten werden kann oder ob mit Blick auf das Traditionsverständnis der Bundeswehr eine Umbenennung erforderlich ist.“ Sollte dies der Fall sein, werde ein neuer offener Dialogprozess initiiert werden, der die am Standort stationierten Angehörigen der Bundeswehr und die Führung des Heeres ebenso einbezieht wie kommunale Vertreter und die Öffentlichkeit. Ein konkreter Zeitplan? „Liegt nicht vor.“

Klingbeil ärgert sich über das Hin und Her: „Die Bundesverteidigungsministerin hat sich mir gegenüber geäußert, dass die Beibehaltung des Namens der Lent-Kaserne auf Grundlage des neuen Traditionserlasses doch noch geprüft werden muss. Letzte Woche gab es andere Signale. Nun ist die Verwirrung perfekt.“ Er fordert eine klare Entscheidung des Ministeriums. Dazu habe er sich erneut an von der Leyen gewandt.

Gespräche „hinter den Kulissen

Das hat im Übrigen auch Oliver Grundmann. Der Stader CDU-Bundestagsabgeordnete wollte sich am Dienstag aber noch nicht im Detail äußern. Er habe „hinter den Kulissen intensive Gespräche mit der Bundesverteidigungsministerin geführt“, wolle sich aber erst zum Wochenende äußern, „um den Entscheidungsprozess nicht zu gefährden“. Nach einem weiteren vertraulichen Spitzengespräch am Donnerstag in Berlin könne er mehr sagen.

In der Kaserne selbst ist die Umbenennung aktuell gar kein Thema. Zwar wurden seit der ersten kritischen Auseinandersetzung mit den Namen die historischen Bilder von Lent im Kasernenbereich entfernt, das „Lent-Zimmer“ umgestaltet und in „Wümme-Zimmer“ umbenannt sowie der Name aus der Standortbroschüre und von der Casino-Homepage gelöscht. Aber jetzt, so Oberstleutnant Henning Loß, seien die 1 200 Soldaten und zivilen Angestellten vielmehr mit Einsatzübungen beschäftigt. Loß: „Ich habe hier keine Diskussion wahrgenommen.“

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