Rund 30 Bewohner der Rotenburger Werke gehen auf Motorradtour

Mit Lederanzug und Helm

Fahrer, Beifahrer und Helfer vor dem Start auf dem Kalandshof in Rotenburg.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Bereits zum sechsten Mal haben rund 30 Bewohner der Rotenburger Werke ein ganz besonderes Abenteuer erlebt. Einmal im Jahr spüren die Menschen mit Handicap das Gefühl der Freiheit von Bikern, wenn ihnen auf Motorrädern, Gespannen, Quads, Spidern oder Trikes der Fahrtwind auf den Straßen entgegenpfeift.

Werke-Bewohner Alexander Kirchhübel ist bisher jedes Mal dabei gewesen. Sein Outfit – eine schwarze Ledergarnitur und Sturzhelm – sitzt perfekt und seine Freude über die rund 90 Kilometer lange Tour in die Peripherie Rotenburgs konnte er kaum verbergen. „Ich bin schon seit 3.30 Uhr hellwach und kann den Start um 9 Uhr kaum erwarten“, erklärte der 27-Jährige, bevor er sich auf die Suche nach dem ihm zugeteilten Fahrer machte.

Die Freude war bei den Bikern mit und ohne Behinderung groß. Wochenlang war diese Ausfahrt das Gesprächsthema Nummer eins. - Fotos: Goldstein

„Mit wem fahre ich?“, war die meist gestellte Frage vor dem Start. Schnell hatten sich die „Pärchen“ gefunden. Der geduldige und liebevolle Umgang der Biker mit ihrem Sozius war beeindruckend. Uwe Gütebier, Besitzer einer Suzuki DL 650 V-Strom, ist das dritte Mal dabei. Freudig begrüßte er seinen Mitfahrer und half ihm beim Aufsetzen des Helms. Dann waren sie fahrbereit. „Das ist Inklusion pur“, freute sich der Projektleiter Leonard Park, der gemeinsam mit Barbara Brockmann und Stephan Slomma seit beinahe einem Jahr diese Ausfahrt vorbereitet hatte. Die Fahrt ging zunächst zum Vogelpark Walsrode mit anschließendem Picknick und dann auf Umwegen zu „Scholly’s Motorradladen“ in Kirchlinteln. Hier konnten einige Werke-Bewohner allein mit einem Quad eine Runde zu drehen.

Der Umgang der Biker mit ihren Beifahrern war mehr als kameradschaftlich. Sowohl den Fahrern als auch den Behinderten war die Freude anzusehen. Besonders die Behinderten wollten beweisen, dass sie die Fähigkeit haben, solch ein Ereignis zu meistern. Für die Sicherung der Fahrt sorgten als „Schutzengel“ die Polizisten Christoph Steinke, der mit einem Bulli die Fahrt begleitete, und Holger Liszkowski, der mit seinem 1200er BMW das Schlusslicht bildete.

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