Deutsch-französische Weinprobe im Rotenburger Heimathaus

Leben wie Gott in Frankreich

Der Vorstand des DFP: Anne Friberg (v.l.), Marie-Claude Döhring, Heinz Cordes, Heike Treu. Alle haben vor zwei Jahren den Orden der „Weinbruderschaft“ Sainte-Foy erhalten. Fotos: Schwekendiek

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Woher der Ausdruck kommt, weiß niemand; aber „Leben wie Gott in Frankreich“ hat immer den positiven Klang von Sonne, Baguette, Wein, bloß keine Hektik und Freundlichkeit. Bis auf die Sonne war das am Samstagabend im Rotenburger Heimathaus zu erleben. Der rührige Verein für deutsch-französische Partnerschaft (DFP) hatte zur Weinprobe geladen. Ausdrücklich, so die erste Vorsitzende Anne Friberg, nicht als „Vermarktungsgesellschaft“ (schließlich sei man ein gemeinnütziger Verein), sondern um Menschen zusammen zu bringen. Und so waren fast 100 Gäste gekommen, um das zu probieren, was zwei Winzerinnen und ein Winzer aus der Partner-Region Sainte-Foy in Südfrankreich nach Rotenburg zum Verkosten gebracht hatten.

Die zweite Vorsitzende des DFP, Marie-Claude Döhring, führte dann in den Ablauf der Weinprobe ein („das läuft jetzt mit deutscher Gründlichkeit“), und die Anwesenden ließen sich nicht lange bitten. 28 verschiedene Weine wurden angeboten, und so schlürfte man sich wacker durch die Flaschenreihen, wenngleich keiner wirklich alle geschafft haben dürfte.

Hugo Franc de Ferrière vertrat dabei eines der französischen Weingüter und machte es dem Autoren leicht, weil er perfekt deutsch spricht. Gut sechs Jahre hatte er in München gelebt und bei Siemens gearbeitet. Irgendwann, er ist gerade Anfang 30, aber zog es ihn doch wieder nach Hause. Nun bearbeitet er zusammen mit seinem Bruder und dem Vater das heimatliche Weingut – und zwar bereits in der vierten Generation. Ein ziemlicher Sprung, befindet er, aus einer Weltfirma zurück in einen Familienbetrieb. Aber tauschen möchte er auf keinen Fall mehr. Das Weingut in Sainte-Foy ist allerdings auch nicht eben klein: 23 Hektar. Für Winzer schon eine echte Größe – der Durchschnitt in der Region liegt bei neun Hektar. Überwiegend Rotwein wird hier ausgebaut, aber der Weiße „kommt“!

Die Partnerschaft zwischen dem Landkreis Rotenburg und Sainte-Foy La Grande besteht seit mehr als 50 Jahren. Neben vielen inzwischen entstandenen Freundschaften und entdeckten Gemeinsamkeiten ist erst vor wenigen Wochen eine kleine Delegation aus den Rotenburger Werken in Frankreich gewesen. Dort gibt es eine ganz ähnliche Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. Wieder ein neuer Akzent, eine neues gemeinsames „Projekt“, das nun weiter entdeckt werden muss. Der Austausch, so auch Jutta Wendland-Park aus der Geschäftsführung der Werke, wird allen Beteiligten nicht nur guttun, sondern auch neue Facetten und Möglichkeiten in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen aufzeigen.

Im Rotenburger Heimathaus blieb es, wie kaum anders zu erwarten, wunderbar französisch-locker. Wer wollte, konnte sich auch gleich Nachschub für den heimatlichen Weinkeller bestellen, aber vor allem war es den Verantwortlichen wieder mal gelungen, ein Stück Lebensfreude und fröhliche Begegnung in den eigentlich grauen Novembertag zu bringen.

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