Neues Buch von Pastor Heiner Wajemann

Vom Tod ins Leben

Heiner Wajemann mit seinem neuen Buch über „Mythisches und Historisches“ in der Heide.

Rotenburg/Wintermoor - Von Michael Schwekendiek. Auf die Idee muss man erst mal kommen. Ein Buch über einen Friedhof zu schreiben. Heiner Wajemann, gebürtiger Rotenburger und lange Jahre Pastor in Schneverdingen, ist inzwischen im Ruhestand. Mehrfach schon hat er Bücher zur Geschichte und über prägende Personen seiner Heimatregion geschrieben. Sein neuestes Werk beschäftigt sich nun mit einem Friedhof am äußersten Rand des Kirchenkreises Rotenburg.

In Wintermoor, direkt am Rande des Naturschutzparks Lüneburger Heide, liegt, abseits der Hauptstraße und den meisten vermutlich kaum bekannt, versteckt hinter Birken, ein kleiner Friedhof mit Kapelle. Der Friedhof selbst ist erst gut 75 Jahre alt und hat doch schon viel zu erzählen, berichtet Wajemann eindrücklich in seinem Buch, aufgelockert durch viele Fotos aus verschiedenen Jahrzehnten: 1943 wird hier, quasi mitten in Wald und Heide, ein geradezu riesengroßes Krankenhaus in Barackenbauweise errichtet (die spätere „Endo-Klinik“). Wintermoor hatte bereits damals einen Bahnhof, viele Hamburger gelangten auf diese Weise schnell aus der Stadt in eine fast unberührte Natur. Da Hamburg den Krieg bereits deutlich spürte – vielleicht auch in furchtbarer Vorausahnung der wenige Monate später erfolgenden Bombardierung der Stadt – entstanden hier „Gesundungshäuser“ für die Hamburger.

Da man dort eben nicht nur gesund werden konnte, sondern auch Menschen starben, brauchte man einen Friedhof. Schon bald aber wurden hier nicht nur gewöhnliche Patienten bestattet. Zwangsarbeiter, die man einstmals einfach im Wald verscharrt hatte, wurden hier nach dem Krieg ebenso beerdigt wie polnische oder russische Kriegsgefangene. Noch kurz vor Kriegsende blieb bei Wintermoor ein Zug mit KZ-Häftlingen auf dem Weg nach Bergen-Belsen hängen. Diejenigen, die diesen Stopp zur Flucht nutzten, wurden fast allesamt erschossen und neben den Bahngleisen notdürftig vergraben. Später veranlassten die Engländer eine Umbettung auf den Wintermoorer Friedhof.

Eine Kapelle, die noch heute für Gottesdienste und Trauerfeiern genutzt wird, wurde 1968 auf dem Friedhof errichtet. Als Pastorin wirkte hier seinerzeit Margarete Daasch (1908 bis 1993), die – und das liegt gerade erst zwei Generationen zurück – als erste Frau in der evangelisch-lutherischen Landeskirche überhaupt, zur Pastorin ordiniert wurde. Bis dahin auch bei den Protestanten ein reiner Männerberuf.

Wajemann berichtet in seinem beeindruckenden Buch aber noch weit mehr „Mythisches und Historisches“. Er geht der Legende nach, dass Hermann Löns hier bestattet sei, weiß von den zahlreichen Hügelgräbern in der Heide zu berichten und schlägt einen großen Bogen hin zu heutiger Bestattungskultur in Friedwäldern. Das alles verbindet er mit einer eindeutigen christlichen Botschaft, dass, so auch der Titel des Buches, der „Tod ins Leben“ führe. Wer also selbst nachlesen möchte, was auf einem Friedhof in Wintermoor alles zu entdecken ist, und welche zahlreichen Verbindungen es von hier auch nach Rotenburg gibt, der wird hier Erstaunliches und Unerwartetes finden.

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