Aufführungen zu Lindgrens „Michel“

Der Lausbub aus Lönneberga auf der Bühne

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Die Suppenschüssel auf dem Kopf: Mutter Svensson, Krösa-Maja, Magd Lina und Klein Ida sind entsetzt. Wie kommt Michel aus der Nummer wieder raus?

Rotenburg - Von Henrik Pröhl. „Der Michel rennt, so schnell er kann“, singt der Chor eine Liedzeile zurückliegender Aufführungen in den Rotenburger Werken. Von Michel aus Lönneberga ist die Rede, der an sieben adventlichen Abenden im Haus Niedersachsen, zuletzt am Dienstag, von seinem cholerischen Vater über die Bühne gejagt wird. Grund, seinem Sprössling hinterherzurennen, hat der leidgeprüfte Anton Svensson allemal. Schließlich hat der Lausejunge nichts Besseres als Streiche im Kopf.

Dem Publikum sind die turbulenten Kindergeschichten aus der Feder Astrid Lindgrens natürlich bekannt. Die weltberühmte Schriftstellerin war übrigens persönlich anwesend, verkörpert von einer Schülerin, und las aus ihrem Buch vor. Wer erinnert sich nicht an das Missgeschick mit der Suppenschüssel? Die ist freilich 14-mal während der Aufführungen entzweigegangen, kein Wunder, dass Anton Svensson vor Wut schäumt. 

Emotional-schadenfreudiger Höhepunkt im Publikum ist jedes Mal, wenn wieder laut „Michel“ gebrüllt wird und die Hetzjagd zwischen Vater und Sohn sogar im Saal stattfindet. Letztlich ist Michel immer schneller und schafft es rechtzeitig in seinen Holzschuppen, um sich vor dem wütenden Vater in Sicherheit zu bringen. Der kann nur noch fluchend dagegen treten. Dem Publikum gefällt‘s.

Michel aus Lönneberga ist die zwölfte Kooperation zwischen den Theater-Machern der Rotenburger Werke und der Elise-Averdieck-Schule des Diakonissen Mutterhauses. Wieder haben Auszubildende der Sozialpädagogik mit Menschen aus den Werken innerhalb von nur fünf Tagen ein Theaterstück mit Kulisse, Musik, Tanz und Schauspiel auf die Beine gebracht.

Mehr als 1000 Zuschauer kamen zu den Aufführungen

Dass das funktioniert, erstaunt selbst die langjährigen Lehrkräfte und Profis des Projektes immer wieder aufs Neue. Und die Mühe unter Zeitdruck hat sich auch diesmal wieder gelohnt. Am Ende kommt ein fröhlich-musikalisches Lustspiel auf die Bühne, das insgesamt weit mehr als 1000 Menschen gesehen haben. Und an sieben Abenden liefern Küche und Service-Kräfte der Werke, die auch von den Auszubildenden tatkräftig unterstützt werden, ein mehrgängiges schwedisches Menü an jeden Platz.

Apropos Verdauung: Die Trissebude, der Lokus auf dem Hof Katthult, liefert besonders beliebte Szenen, wenn Michel dort versehentlich seinen Vater einschließt, der nur mithilfe von Knecht Alfred regelrecht herausgesägt werden kann. Lästernde und tanzende Nachbarn, eine gehässige Krösa-Maja, Schwester Klein Ida, Mutter Svensson, die immer wieder ihren Sohn in Schutz nimmt, Magd Lina, die ihren Alfred anhimmelt, Ärzte und Pastoren sind quirlige Protagonisten, die dem Geschehen ihre Prägung geben und für Lebendigkeit auf der Bühne sorgen. „Schluss jetzt“, ruft am Ende Michel ins Publikum, „ihr habt genug gesehen.“ Und so herrscht Versöhnung auf Katthult.

Am letzten Aufführungstag hören die Gäste während des schwedischen Essens übrigens „Quintastic Brass“, ein fünfköpfiges Bläser-Ensemble. Eine stilvolle Wohltat in Anbetracht überall lärmender Weihnachtsmärkte aus der Konserve. Sichtlich gerührt ist eine Zuhörerin beim Hinausgehen: „Mal wieder ein köstliches Vergnügen für Jung und Alt.“

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