Prozess gegen zwei Männer endet mit Freiheitsstrafen – mit und ohne Bewährung

Drohung und Körperverletzung

Amtsgericht Rotenburg
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Für zwei Männer endet ein Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung mit Freiheitsstrafen – in einem Fall sogar ohne Bewährung.

Rotenburg – Eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt ist, und dazu eine Geldstrafe in Höhe von 1 500 Euro, die der Angeklagte an den Weißen Ring Rotenburg zahlen muss: Damit endet am Donnerstag für einen 60-jährigen Lauenbrücker ein Prozess wegen Körperverletzung vor dem Rotenburger Amtsgericht. Ein ebenfalls angeklagter Bekannter von ihm erhielt sogar eine Freiheitsstrafe von einem Jahr – aufgrund von Vorstrafen ohne Bewährung.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden Angeklagten im April 2020 einen 37-Jährigen im Zuge einer Schlägerei am Kopf verletzt hatten. Auslöser waren Streitigkeiten zwischen dem 60-Jährigen und dem 37-Jährigen gewesen. Letzterer hatte zuvor mehrere Monate für den Angeklagten gearbeitet. Dort hatte er bei einer unerlaubten Fahrt mit einem Bus mehrere Fahrzeuge beschädigt, wofür er auch bereits verurteilt worden war. Nach Ende des Arbeitsverhältnisses hatte er zudem einen Laptop zurückbehalten, den der Angeklagte zurückforderte. Am Tattag hatte sich dieser mit dem ebenfalls angeklagten Bekannten Grundstücke im Lauenbrücker Mobilheimpark angesehen, als sie dort auf den 37-Jährigen trafen.

Er habe die beiden mit „Moin“ begrüßt, darauf habe der 60-Jährige „Schluss mit Moin!“ erwidert und ihn aufs Auge geschlagen, berichtete der 37-Jährige. Dann sei ein zweiter Schlag gefolgt, dann hätten seine Knie nachgegeben und er sei zu Boden gefallen. Dann hätten sie ihn weiter traktiert – ob mit Schlägen oder Tritten wisse er nicht mehr. Er habe dann gesehen, wie seine damalige Lebensgefährtin aus dem Haus gekommen sei, und habe sie daraufhin aufgefordert, die Polizei zu rufen.

Der 37-Jährige war zum Verhandlungstag in der vergangenen Woche nicht erschienen, und auch in der Verhandlung am Donnerstag wollte er sich zunächst weder zu seinem aktuellen Wohnort noch zum Tattag äußern. Er belaste sich mit seinen Aussagen nicht selbst, sagen wolle er dennoch nichts, so der Mann. „Der Vorwurf von gefährlicher Körperverletzung ist keine Lappalie“, darauf wies ihn Staatsanwältin Ulmer hin. „Sie sind dazu verpflichtet.“

Er habe aus Angst nichts sagen wollen, so der 37-Jährige im Laufe der Verhandlung. Grund sei die Drohung, die der Begleiter des 60-Jährigen ausgesprochen habe: „Wenn in einer Stunde die Sachen nicht wieder da sind, schneide ich dir den Hals auf.“ Dagegen blieb der 60-Jährige dabei, dass er sich mit seinem ersten Schlag lediglich verteidigt habe.

Fragen warf zudem ein Chatprotokoll auf, das sich auf dem Laptop, den der Angeklagte einige Zeit nach der Tat zurückerhalten hatte, befand. Dort fand sich ein Nachrichtenwechsel zwischen dem 37-Jährigen und einer Nachbarin, die ebenfalls als Zeugin aussagte. Darin ging es um Falschanzeige gegen den zweiten Angeklagten und Begleiter des 60-Jährigen. Weder der 37-Jährige noch die Zeugin konnten sich erinnern, die Nachrichten geschrieben beziehungsweise gelesen zu haben. Auch Richterin Nehring stellte fest, dass die Nachrichten weder abgeschickt, noch dem Sprachprofil des 37-Jährigen entsprächen. Die Schilderungen der Zeugen – der ehemaligen Lebensgefährtin als auch eines Nachbarn – am ersten Verhandlungstag deckten sich zudem mit den Schilderungen des 37-Jährigen, so Richterin Nehring in der Urteilsbegründung. Das Verhalten des 60-Jährigen sei Selbstjustiz gewesen, „und so geht es nicht“.

„Wir wissen immer noch nicht, was wirklich passiert ist“, hieß es von Seiten der Verteidigung. Der 37-Jährige habe etliche Fragen nicht beantworten können. „Da muss was vor dem ersten Schlag gelaufen sein.“ Auch habe es keine Zeugen für die direkte Tat gegeben, lediglich, wie die beiden Angeklagten neben dem 37-Jährigen gestanden hätten. Beide Rechtsanwälte forderten Freispruch für ihre Mandanten, das Gericht folgte allerdings in vollem Maße den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

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