ADFC hofft auf Förderung vom Landkreis / Ausschuss vertagt Thema

Lastenräder für alle

Lastenräder könnten zum Beispiel Zweitwagen ersetzen. Foto: imago images / Felix Jason

Rotenburg – Förderung von Lastenrädern für alle: Das wünscht sich der Kreisverband Rotenburg des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) mit seinem Vorsitzenden Manfred Petersen. Er sitzt am Donnerstag daher gespannt im großen Sitzungssaal des Kreishauses und verfolgt die Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr, in der genau das zum Thema wird. Einen Verfechter findet er in Nils Bassen (SPD): „Ich halte es für sinnvoll, das gerade jetzt umzusetzen, das kann ein richtig guter Renner werden“, plädiert er – zum Beispiel für Sportvereine oder Landjugenden, die sich ein solches Rad teilen könnten. Er erntet amüsiertes Lachen, als er erwähnt, wofür das Fahrrad unter anderem genutzt werden könnte: für den Aufbau beim Erntefest, inklusive des Transports von Flüssignahrung.

Als Argumente führt der ADFC in seinem Antrag an, dass Lastenräder „sauber, gesund und praktisch“ seien. Mit ihrer Transportfähigkeit könnten sie Autofahrten ersetzen. Den Antrag habe sich nicht der Kreisverband ausgedacht, erklärt Petersen auf Nachfrage, das wäre aus einer Idee des Landesverbandes erwachsen und auf den Kreisverband bezogen worden. Da laut ADFC einige Landkreise und Städte in Niedersachsen sowie die Umweltbehörde in Hamburg Transporträder fördern, habe sich der Club entschlossen, gleichsam einen Antrag an den Landkreis zu richten. Er stellt sich eine Summe von 300 000 Euro pro Jahr vor, festgelegt auf drei Jahre. Mit dem Geld könnten etwa 33 Prozent der Kosten gefördert werden, wenn jemand ein solches Fahrrad anschaffen möchte. Kreis und Kommunen könnten sich den Förderanteil teilen, lautet ein weiterer Vorschlag.

Einen Bedarf dafür sehe der Landrat laut Beschlussvorlage nicht, gerade in dünner besiedelten Regionen. Gebe es Bereiche, in denen eine Förderung sinnvoll sein könnte, gelte es, das zu klären und auf Gemeindeebene passende Lösungen zu erarbeiten. Auch Rainer Sommermann sieht den Antrag kritisch und stellt die Frage in den Raum, ob jeder wisse, was ein Lastenfahrrad sei. „Bevor wir darüber sprechen, sollten wir erstmal über vernünftige Fahrradwege sprechen.“ Er halte schon die Idee für „rausgeschmissenes Geld“ und könne „mit der ganzen Geschichte nichts anfangen“.

Seine Ausschusskollegen standen dem Antrag freundlich gesinnter gegenüber. „Vielleicht könnte man in Rotenburg ein Pilotprojekt starten?“, schlug Reinhard Bussenius (Grüne) vor und ebenso, Petersen in eine weitere Sitzung zu einem Vortrag einzuladen. Er warf ebenfalls in den Raum, dass es möglicherweise Förderungen gebe. Bussenius sehe mit den Lastenrädern bereits jetzt ein „normales Stadtbild“, verweist auf Elterntaxis mit Lastenfahrrad oder die Postmitarbeiter. Auch das Thema Zweitwagen bringt Bussenius ein, den gerade im ländlichen Raum viele Familien benötigen würden. Lastenräder könnten diesen in manchen Fällen ersetzen. „Da wäre viel gewonnen.“

Auch Uwe Lüttjohann (SPD) stehe dem Projekt positiv gegenüber – gerade in puncto CO2-Einsparung, damit mehr Leute vor allem kurze Wege mit dem Fahrrad erledigen und nicht das Auto nutzen. „Wir sind der Meinung, das sollte auf den Weg gebracht werden.“ Unter Prüfung der Finanzen, denn auch ihm kommen 300 000 Euro viel vor. Dass es eine freiwillige Aufgabe des Landkreises ist, daran erinnerte hingegen Rolf Lüdemann (CDU). Gerade in Zeiten von Corona könne das finanziell schwierig werden: „Wenn es ums Monetäre geht, sind solche freiwilligen Leistungen die ersten, die rausfallen.“ Die Mittel, die dort benötigt würden, werden im Landkreis demnächst vermutlich für Pflichtaufgaben „aufgezehrt“.

Letzten Endes entschieden sich die Mitglieder bei einer Gegenstimme dafür, den Antrag zu vertagen und erneut abzustimmen, wenn weitere Informationen zum Beispiel durch Erfahrungen aus anderen Landkreisen vorliegen. Mit dem Ergebnis kann sich ADFC-Vorsitzender Petersen anfreunden, auch wenn es nicht das Erhoffte ist. „Ich hatte den Eindruck, dass sie teilweise nicht wussten, was mit einem Lastenrad gemacht wird“, merkt er auf Nachfrage an. Er könne die Sicht mit den freiwilligen Leistungen zwar verstehen, aber „ich sehe jeden Tag Elterntaxis und das ist auch das Ziel des ADFC: Wir wollen das Radfahren fördern, das mehr Leute das nutzen“. Er hatte daher gehofft, dass die Tendenz dazu geht, vielleicht in Rotenburg das Projekt zu testen beispielsweise. „Aber ich bin zuversichtlich und sehe es insgesamt positiv, dass sie es lieber verschieben und Informationen sammeln, statt es gleich abzulehnen“, sagt er. „Wenn ich die Chance bekomme, im nächsten Ausschuss zu sprechen, mache ich das gerne.“

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