Sie lassen die Sonne aufgehen

Wümmphoniker spielen großes Konzert im Lucia-Schäfer-Saal

Orchester-Chef Christian Kirchfeld freut und bedankt sich.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Hach, voller Enthusiasmus haben die „Wümmphoniker“ am Sonntagnachmittag auf einen sonnigen Frühling eingestimmt. Sie gaben ihr zweites großes Konzert im Lucia-Schäfer-Saal der Realschule Rotenburg und lieferten mit dem Konzertmarsch „Die Sonne geht auf“ einen prachtvollen Aufmacher.

Gleich mit den ersten Takten beschworen die knapp 50 Musiker mit diesem klangvollen Werk das Bild herauf, das wohl Komponist Rudi Fischer inspiriert hatte: Frühmorgens ein Gang durch die Natur, Matsch unter den Füßen, Wind um die Nase. Fischer soll den mächtigen Konzertmarsch 1997 in aller Herrgottsfrühe auf dem Weg zur Arbeit komponiert haben.

„Die Sonne geht auf“ gleich zum Auftakt erklingen zu lassen, erfordert großen Einsatz und ein hohes Niveau der Musiker. Bestechend die Klarinetten, betörend Tenor und Bariton, die lange Phrasen zu überstehen und Klangfülle zu liefern haben. Alfred Hoffmann, ehemaliger Vorsitzender der Kontaktstelle Musik Rotenburg-Bremervörde, riss es - überwältigt von dem opulenten Werk - fast vom Stuhl und bedachte es schon vor dem Verklingen des letzten Tons mit einem „Bravo“.

Die Wümmphoniker haben mit „Die Sonne geht auf“ gleich zum Auftakt ihres Konzertes eine starke Leistung geboten. Fotos: Diercks

Vom sonnigen Frühlingsmorgen in Deutschland sprang das Orchester musikalisch dann über den großen Teich in die sengende Hitze Texas’ und ließ aus dem gleichnamigen Wildwestfilm die kultige Themenmelodie „Die glorreichen Sieben“ von Elmer Bernstein aufleben. Ein Klassiker, bei dem in der Realschule leichte Unregelmäßigkeiten in den Reihen der Hörner auszumachen waren. Nach dem anspruchsvollen Opener aber völlig zu vernachlässigen.

Nach dem Ritt durch die sengende Sonne in Texas ging es mit dem Zug durch „Oregon“ (Jacob de Haan). Das Werk ähnelt Filmmusik, kommt zum Teil etwas poppig daher, manchmal dramatisch, mal melancholisch und schafft neben Bildern im Kopf vor allem eines: Emotionen! Kein Wunder bei einem Orchester, das offensichtlich mit ganzem Herzen die auserwählten Stücke spielt und mit großer Harmonie überzeugt. Beeindruckend außerdem die Percussionisten, die herausragend tragend, aber niemals aufdringlich rüberkamen. „Boah“, kommentierte Hoffmann das lange Stück mit vielen Höhepunkten.

Ein guter Zeitpunkt, um Daniela Kolkmann im Rahmen des Konzertes hochleben zu lassen. Die Notenwartin, seit 14 Jahren „Mädchen für alles“, bekam neben einer dankenden Laudatio, Blumen und ein Fotoalbum mit einigen Überraschungen. Für ihr umfassendens Engagement erhielt sie Spaßes halber am Sonntag den Titel „Unser Kindermädchen“; vielleicht aber auch nur als Überleitung zum Medley aus dem Musical „Mary Poppins“.

Daniela Kolkmann bekommt Blumen.

Im zweiten Teil mussten vor allem Klarinetten und Posaunen ran: Sie überzeugten mit Soli. Mit „Bugatti Step“ - tatsächlich hatte Komponist Jaroslav Jezek dieses flotte Werk 1931 dem schnellsten Auto der damaligen Zeit gewidmet - rührten die vier Klarinetten das Publikum besonders an. Aber auch den Dirigenten Christian Kirchfeld, der mit einer ständig heiteren Ausstrahlung bestach: „Hier oben zu spielen, ist schon eine Herausforderung. Sich aber an die Bühnenkante zu stellen, zollt Respekt.“

Wärmend, emotional, unterhaltend, beeindruckend dann die drei Solo-Posaunisten mit „Swinging Trombones“ (Manfred Schneider). Kirchfeld verriet: „Die drei haben heute zum ersten Mal zusammen gespielt. Wir hatten in den Tiefen krankheitsbedingt leider einige Ausfälle.“ Deshalb hatte es auch eine Programmänderung gegeben. „It’s Oh So Quiet“ wurde vom Orchester auf das nächste große Konzert 2021 verschoben. So kündigte es Kirchfeld an, der zum Schluss von Daniela Kolkmann mit Dank und Blumen bedacht wurde: „Du hast eine tolle, lustige, liebe Art, uns zu sagen, wo es langgeht.“ Kirchfeld konterte: „Ich kann hier vorne so viel winken, wie ich will, ihr macht die Musik.“

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