Lars will nicht

Lars Klingbeil hat nun offiziell seinen Verzicht auf die Kandidatur für den SPD-Vorsitz erklärt. Foto: afp

Lars Klingbeil bleibt Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Rotenburg-Heidekreis, und er bleibt Generalsekretär – aber als Parteivorsitzender wird er so schnell nicht grüßen. Der 41-Jährige verzichtet auf eine Kandidatur für die vakante Stelle. Das teilt er am Dienstagmittag in einem Video mit.

VON MICHAEL KRÜGER

Rotenburg/Munster – Die Entscheidung fällt beim Kaffee auf der Terrasse im heimischen Munster (Heidekreis). Es ist ein sonniger Morgen, Klingbeil hat ein paar Tage frei, private Termine stehen an, und mit etwas Abstand zum politischen Zirkus in Berlin ist er sich sicher: Jetzt muss es raus. „Ich weiß irgendwann, welche Entscheidung richtig ist und ziehe es dann konsequent durch“, sagt er später auf Nachfrage.

„Moin, hier ist Lars!“, beginnt der Hoffnungsträger der kriselnden Sozialdemokraten, der seit Dezember 2017 Generalsekretär ist, seine vierminütige Videobotschaft, die er via Twitter und Facebook mit dem Hashtag „#UnsereSPD“ publik macht. Aufgenommen hat er es schon vor einem paar Tagen in seinem SPD-Büro im Berliner Willy-Brandt-Haus, und eben jene Ikone der Sozialdemokratie blickt dann auch im Hintergrund vom Poster an der Wand herab auf einen frisch rasierten Klingbeil, der sich seinen Parteifreunden erklärt – die Genossen duzen sich. Er sei stolz darauf, dass seine Partei mit „Ritualen aus der Vergangenheit breche“, einen neuen Weg einschlage, jetzt auf ein gemischtes Führungsteam setze und dieses erstmals von den Mitgliedern direkt wählen lasse. Schon jetzt habe man dafür „wunderbare Menschen auf dem Platz“, ein paar kämen vielleicht noch hinzu. Nur: „Ich selbst habe mich entschieden, dass ich nicht zu denen gehören werde, die auf der Bühne stehen und sich um den Parteivorsitz bewerben“, sagt der 41-Jährige.

Er brenne zwar für die SPD und übernehme gerne Verantwortung, zudem habe er eine klare Vorstellung davon, wie „unsere Partei sein soll“ und „was in diesem Land passieren soll“, er habe „ernsthaft überlegt“, ob er antrete, am Ende vieler Gespräche habe er aber feststellen müssen, dass es mit ihm keine „passende Konstellation“ für den Vorsitz geben könne. Warum diese Konstellation nicht passt, führt Klingbeil indes auf Nachfrage nicht näher aus. Ob diejenigen Parteikolleginnen, die mit ihm kandidieren wollten, ihm nicht passten, oder ob diejenigen, mit denen er kandidieren wollte, selbst nicht antreten wollten, kommentiert er nicht. Stattdessen verweist der Munsteraner auf „vertrauliche Gespräche“, aus denen er nichts an die Öffentlichkeit geben wolle. In der Debatte war immer wieder der Name Manuela Schwesig als Partnerin genannt worden, doch die hat kürzlich bereits abgesagt.

Für eine Doppelspitze bedürfe es „tiefes Vertrauen“, sagt der Munsteraner, der für die Region seit 2009 durchgehend im Bundestag sitzt. Und diesbezüglich „passte es nicht“. Auf Biegen und Brechen den nächsten Karreierschritt anzustreben, sei nicht seine Art. „Ich trete nicht um jeden Preis an“, sagt Klingbeil. Stattdessen will er nun als Generalsekretär für einen fairen und spannenden Wettbewerb sorgen. Die SPD könne selbstbewusst sein, sie gehe neue Wege und dürfe sich nicht von „den vielen klugen Ratschlägen“ verrückt machen lassen. „Ich lasse mir das nicht kleinreden“, so seine Botschaft.

Und auch wenn Klingbeil ihn seinem Video ein Bild mit der Schlagzeile einer amerikanischen Zeitung von den Anschlägen vom 11. September stehen hat – eine Katastrophe ist die Nicht-Kandidatur aus regionaler Sicht ganz und gar nicht. Das sagt der SPD-Unterbezirksvorsitzende Klaus Manal und lobt Klingbeil als „total ehrliche Haut“, als jemanden, „der sich nie verbogen hat“ und als einen Politiker, der „genau das Richtige für die Partei macht“. In der Führung der SPD sei Klingbeil als Generalsekretär an der richtigen Stelle, so Manal, auch wenn er sich ihn natürlich als Parteivorsitzenden hätte vorstellen können. Nun sei Boris Pistorius sein Favorit: „Er ist der beste Innenminister, den wir in Deutschland haben.“

Die Bewerbungsfrist für die Nachfolge der zurückgetretenen SPD-Chefin Andrea Nahles läuft noch bis 1. September. An diesem Tag drohen den Sozialdemokraten zugleich herbe Verluste bei den Wahlen in Brandenburg und Sachsen. Die neue Parteispitze soll dann in einer Mitgliederbefragung faktisch bestimmt und auf einem Parteitag Anfang Dezember gewählt werden.

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