Der Marathonläufer

Lars Klingbeil (SPD) verteidigt sein Direktmandat

Lars Klingbeil im Atrium des WIlly-Brandt-Hauses vor den Fernsehkameras
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Nach den ersten Hochrechnungen steht für Lars Klingbeil ein Interviewmarathon an.

Lars Klingbeil verteidigt in seinem Wahlkreis das Direktmandat. Und nicht nur das: Als Generalsekretär seiner Partei hat der Sozialdemokrat auch die Kampagne rund um Kanzlerkandidat Olaf Scholz zu verantworten, mit der die SPD anhand erster Hochrechnungen stärkste Kraft im neuen Bundestag wird.

Berlin – Der Ton stockt immer wieder, auch das Bild ist nicht das Beste – aber es reicht, um die Stimmung zu transportieren, auch wenn es mit der Technik bei der Schalte via Zoom in Lars Klingbeils Wahlkreis etwas hapert. So ganz kann er die Rührung nicht unterdrücken, sein Team im Bahnhof in Soltau zu sehen. „Lasst die Sau raus!“, fordert er seine Mitstreiter auf.

Denn für den Sozialdemokraten hat es geklappt: Er hat mit 47 Prozent der Stimmen sein Direktmandat verteidigt. „Wir haben aus diesem Wahlkreis einen roten Wahlkreis gemacht“, jubelt er ins Mikrofon. Der Kontakt in die Heimat ist nur ein Punkt auf der Agenda an diesem Abend, an dem der Puls von Klingbeil zeitweise ordentlich in die Höhe gegangen ist.

Wir haben aus diesem Wahlkreis einen roten Wahlkreis gemacht.

Lars Klingbeil

Vier Stunden vorher ist Klingbeils Puls noch im Normbereich, als er im fünften Stock des Willy-Brandt-Hauses in seinem Büro sitzt. Unten bewegen sich den Tag über rund 25 000 Läufer beim Berlin-Marathon durch die Straßen. Parallelen zum Wahlkampf sind da: „Du brauchst Kondition, und entschieden wird am Ende“, sagt Klingbeil. „Und wenn du zwei Kilometer vor dem Ziel vorne liegst und bist dann zufrieden und hörst auf zu laufen, gewinnst du halt auch nicht.“ Und gewinnen – das war der Plan für heute, „auf diesen Tag haben wir vier Jahre hingearbeitet.“

Der Ablauf an diesem Tag im Willy-Brandt-Haus entpuppt sich als echter Marathon, und aufhören so kurz vor dem Ziel gibt es für Klingbeil nicht. Der Munsteraner ist erst mittags angereist, seine Stimme hat er morgens noch in seinem Wahllokal abgegeben, bevor es mit dem Zug nach Berlin ging. „Das Zugpersonal war der Meinung, Olaf Scholz muss Kanzler werden, aber auch Fahrgäste haben mich angesprochen und mir Glück gewünscht. Diese positive Stimmung habe ich lange nicht erlebt“, sagt Klingbeil. Das gilt besonders für seinen Wahlkreis: „Das Direktmandat hat eine enorme Bedeutung für mich, es ist für mich die Bestätigung meiner Arbeit. Dass die Leute mir zeigen, dass sie mir vertrauen. Der Verlust wäre schon ein echter Nackenschlag.“

Es geht aufwärts – mit dem Direktmandat von Lars Klingbeil und mit dem SPD-Ergebnis.

Whatsapp-Nachricht von Klaas Heufer-Umlauf

Als Generalsekretär ist er der offizielle Hausherr in der Berliner Parteizentrale, und dementsprechend geht es auf eine kurze Runde durchs Foyer: hier ein kurzes Gespräch mit den SPD-Mitarbeitern am Einlass, da mit Sophie Marie Heidenreich. Sie hat als Verantwortliche für die Veranstaltung im Atrium der Parteizentrale das Sagen, dort auf der Bühne sollen später Olaf Scholz und der Parteivorstand stehen.

Noch herrscht allerdings die Ruhe vor dem Sturm: Caterer bauen ihre Stände auf, vor der Tür spielt sich die Band Lounge Society warm. Immer wieder wirft Klingbeil einen Blick aufs Smartphone, bei seinen Whatsapp-Chats steht gerade Klaas Heufer-Umlauf ganz oben. Was der Moderator und SPD-Mitglied ihm geschrieben hat, verrät er allerdings nicht.

Gelöst zum Ende des Wahltages: Lars Klingbeil versucht sich an einer Schalte in den heimatlichen Wahlkreis.

Während sich das Atrium immer mehr mit Presse- und Parteivertretern füllt, herrscht weit oben im fünften Stock der Parteizentrale eher gesetzte Stimmung. Dort geht Klingbeils Marathon ohne die Öffentlichkeit weiter – erst eine Videokonferenz mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz, als auch mit Franziska Giffey und Manuela Schwesig, denn auch in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stehen Landtags- und Bürgermeisterwahlen, dann ein Gespräch mit dem Präsidium und eines mit dem Parteivorstand. Zwischendurch trudeln erste Zahlen ein.

Interviewmarathon nach den ersten Hochrechnungen

Als die ersten Balken auf den Bildschirmen im Atrium erscheinen, geht der Jubel los, mittendrin schiebt sich Klingbeil zu seinem ersten Fernsehtermin an diesem Abend, dort gehen die ersten Fragen allerdings im lauten Geschrei völlig unter. Immer an seiner Seite ist Pressesprecherin Bianca Walther, die den Zeitplan im Blick hat. Sie lotst ihn durch das Gewusel zu einem Fernseinterview nach dem nächsten, bis dann Olaf Scholz sowie die beiden Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans in die Parteizentrale kommen. „Da zu stehen, in die ganzen Gesichter zu schauen – dafür bin ich unendlich dankbar“, sagt Klingbeil über den Augenblick, als er als Teil der Parteispitze auf der Bühne steht. Immer wieder bringt ihn Walther zudem auf den Stand, wie die Zahlen in seinem Wahlkreis aussehen. Spätestens nach rund 200 ausgezählten Wahlbezirken ist klar, dass es erneut für das Direktmandat reicht. Umso emotionaler ist die kurze Ansprache an die Mitarbeiter in Soltau vom Büro seiner Pressesprecherin aus. „Ich leide gerade total, nicht dort zu sein und mitzufeiern“, seufzt er im Anschluss kurz, bevor Walther das Signal gibt: Der Marathon setzt sich fort. Eine kurze Feier mit Freunden und Familie in seinem Büro noch, ein kleiner Snack, ein Schluck Wasser, dann geht es weiter: erst in die Talkrunde bei Anne Will in der ARD, dann folgen an diesem Abend noch weitere Medientermine.

Ergebnis am Sonntagabend noch unklar

Wie es mit ihm und der SPD in puncto Regierung angesichts des hauchdünnen Vorsprungs weitergeht, ist noch unklar. Ein langer Tag liegt hinter Klingbeil, und eine lange Nacht vor ihm, denn auch wenn die SPD-Mitglieder in der Parteizentrale die Korken knallen lassen, klar ist an diesem Sonntagabend noch gar nichts. Der Marathon geht weiter.

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