Reaktion auf Kanzlerkandidatur

Lars Klingbeil über Olaf-Scholz-Nominierung: „Eine starke Entscheidung“

Lars Klingbeil
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Lars Klingbeil

Rotenburg – Lars Klingbeil, Abgeordneter der SPD im Deutschen Bundestag, ist als Generalsekretär ganz dicht dran an den großen Entscheidungen der Sozialdemokraten. Wir haben ihn daher gefragt, was er zu der Entscheidung sagt, dass Olaf Scholz im kommenden Jahr als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf geht.

Herr Klingbeil, was halten Sie von der Entscheidung der SPD-Spitze, Olaf Scholz im kommenden Jahr als Kanzlerkandidat ins Rennen zu schicken?

Ich war von Anfang an in diese Entscheidung eingebunden, habe sie mitgetroffen und unterstütze sie natürlich auch. Ich bin sehr froh, dass der Parteivorstand Olaf Scholz am Montag einstimmig als Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl im kommenden Jahr nominiert hat. Das ist eine starke Entscheidung, die die Geschlossenheit unserer Parteispitze zeigt und frühzeitig für Klarheit sorgt. Olaf Scholz macht einen hervorragenden Job als Finanzminister und führt unser Land gemeinsam mit Kanzlerin Merkel verantwortungsvoll durch die Corona-Krise. Dass wir im Vergleich zu vielen anderen Staaten so viel besser im Kampf gegen das Virus dastehen, haben wir auch seinem Wumms zu verdanken. Olaf Scholz ist der richtige Mann für die Zukunft Deutschlands und für ein starkes SPD-Ergebnis.

Von jetzt an steht Olaf Scholz mehr als ein Jahr lang noch mehr im Fokus als ohnehin schon. Das politisch auszuhalten, ist nicht leicht. Warum tut die SPD sich das gerade jetzt an, da doch ganz andere Themen zurzeit die Menschen bewegen?

Als Wahlkampfleiter auf Bundesebene war es mir wichtig, dass wir nicht in den Wahlkampf hinein stolpern. Darauf habe ich die letzten Monate immer wieder gedrungen, weil uns auch die vergangenen Wahlkämpfe gezeigt haben, dass Vorlauf und gute Planung wichtige Grundpfeiler für den Erfolg sind. Wir haben uns auf den Tag der Verkündung intern gründlich vorbereitet und können nun gemeinsam mit unserem Team aus Partei, Fraktion, Regierung und unserem Kandidaten die Vorbereitungen für einen erfolgreichen Wahlkampf angehen. Während andere im Streit noch Machtkämpfe in den eigenen Reihen austragen, sind wir bereits mitten im Programmprozess und personell klar aufgestellt. Das ist ein großer Vorteil, damit wir uns in den kommenden Monaten auf das Wesentliche für die Menschen in unserem Land konzentrieren können: Die Bewältigung der Corona-Krise, die Sicherung von Arbeitsplätzen, die Unterstützung von Familien. Dafür tragen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten Verantwortung.

Warum braucht die SPD aus Ihrer Sicht überhaupt einen eigenen Kanzlerkandidaten?

Wir haben uns als SPD immer gefragt, was ist das Richtige für unser Land. Wir haben Verantwortung übernommen, als andere weggelaufen sind. Das tun wir auch in der Frage, wer nach dem Ende der Ära Merkel unser Land am besten in die Zukunft führen kann. Ich bin davon überzeugt, dass Olaf Scholz für diese Aufgabe der Richtige ist. Er hat sehr klar gesagt, er tritt für die SPD an, weil er gewinnen will. Das ist genau die Einstellung, die ich mir für den Wahlkampf wünsche. Ich bin in die Politik gegangen, weil ich Dinge verändern, weil ich Verantwortung tragen will. Mit Olaf Scholz an der Spitze haben wir eine klare Chance, das auch nach der Bundestagswahl 2021 zu tun.

Hat die SPD selbst nicht eigentlich ganz andere Probleme – schließlich haben sich die Prognosen unter dem Motto „Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre ...“ bis heute nicht wirklich verbessert, die SPD würde demnach dritte, wenn es ganz schlecht läuft vielleicht sogar nur vierte Kraft im Bundestag?

Ich kämpfe jeden Tag für eine starke SPD. Und genau darauf kommt es jetzt an. Bis zur Bundestagswahl haben wir noch über ein Jahr Zeit. Die Menschen wissen nun, wer für uns ins Rennen um das Kanzleramt geht: Olaf Scholz, der beliebteste SPD-Politiker im Land. Ich bin mir sicher, dass er die Bürgerinnen und Bürger überzeugen kann. Es ist unser gemeinsames Ziel als SPD-Team, die nächste Bundestagswahl mit deutlich über 20 Prozent erfolgreich zu bestreiten und die nächste Regierung anzuführen. Das traue ich uns zu.

Klaus Manal: „Völlig egal, an welcher Stelle der Politik-Charts wir gerade stehen“

Olaf Scholz ist Kanzlerkandidat der SPD. „Das finde ich gut! Schon bei der Wahl zum Parteivorsitz war Olaf Scholz als geradliniger Hanseat mein Favorit.“ Das erklärt der SPD-Unterbezirksvorsitzende Klaus Manal auf Anfrage der Kreiszeitung – es sind jene Fragen, die auch an Lars Klingbeil gegangen sind. Manal habe den Genossen Scholz anlässlich einer Veranstaltung im Willy-Brandt-Haus in Berlin kennen und schätzen gelernt, „als er mir auf meine Anliegen und Fragen, zum Beispiel zum geplanten Anschluss des Landkreises Rotenburg an den HVV, klare und nachvollziehbare Antworten gab“. Scholz hatte schon damals „Wumms“ beim Geradeaus-Reden, sagt Manal. Den Finanzminister schon jetzt als Kanzler-Kandidaten zu nominieren, sei für ihn ein völlig logischer Schritt in Richtung Normalität. „Zumal wir aktuell gar nicht abschätzen können, wie lange wir von der Pandemie noch in Atem gehalten werden.“ Der Vizekanzler sei ja nicht erst jetzt als möglicher Spitzenkandidat gehandelt worden, „obwohl der Zeitpunkt so vielleicht nicht zu erwarten war“. Manal: „Jetzt ist die Personaldebatte erstmal vom Tisch, und wir können uns um die von Ihnen zu Recht angesprochenen wichtigen Themen kümmern.“

Bei allem Verständnis für die Frage, warum die SPD angesichts der Umfragewerte überhaupt einen Kanzler-Kandidaten braucht, betont Manal: „Es ist und muss der Anspruch der SPD als älteste demokratische Partei Deutschlands sein, die Kanzlerin oder den Kanzler zu stellen. Es ist geradezu eine Verantwortung meiner Partei! Es wäre der SPD unwürdig, wenn sie sich angesichts der Umfragewerte in den Schmollwinkel zurückziehen und keine personelle Alternative – ja, zu wem denn eigentlich? – anbieten würde.“ Inhaltlich habe die SPD sowieso die besseren Antworten.

Dennoch stellen wir auch Manal die Frage: Hat die SPD derzeit nicht ganz andere Probleme? „Sehen Sie, die Presselandschaft ist auch in einem permanenten Wandel. Die Print-Auflagen der Tageszeitungen gehen stetig zurück. Und dennoch sind Sie mit Herz und Seele Journalist. Warum? Weil es nicht von der Auflage einer Zeitung abhängt, ob Sie Journalist sind.“ Ebenso entscheiden Umfrageergebnisse nicht darüber, ob das Selbstverständnis der SPD richtig oder falsch ist, erklärt der Unterbezirksvorsitzende. Er sei nicht Sozialdemokrat, weil er bei seinem Eintritt damals eine Garantie für Umfragewerte mehr als 40 Prozent bekommen habe. Klaus Manal: „Wir sind Sozialdemokraten, weil wir die Werte dieser Partei als wichtig und grundlegend erachten. Wir meinen das ernst.“ Natürlich habe man einen Berg an Arbeit vor sich, den die Partei bis zum Wahltag abarbeiten müsse, wolle und werde. Weil es eben Wichtiges zu tun gebe. „Völlig egal, an welcher Stelle der Politik-Charts wir gerade stehen. Wir haben zu tun.“

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