Die Favoriten auf das Direktmandat bleiben entspannt

Landtagswahl: Wahlkampf in Rotenburg ohne Bauchschmerzen

Um Verwechslungen zu vermeiden, werden in Rotenburg die Wahlbenachrichtigungen für die Landtagswahl auf gelbem Papier gedruckt – für die Bundestagswahl auf weißem. - Foto: imago

Rotenburg - Von Michael Krüger. Hausbesuche, Parteiveranstaltungen, Wahlkampf in der Fußgängerzone: Eike Holsten kann sich derzeit nicht über zu viel Freizeit beklagen. Der Rotenburger CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende möchte in den Landtag, und auch seiner Chefin, der CDU-Bundestagsabgeordneten Kathrin Rösel, will er als Büroleiter einen Platz im Reichstag sichern.

„Durch den vorgezogenen Wahltermin sind wir etwas ins kalte Wasser gefallen“, sagt der 34-Jährige. Sein wohl härtester Konkurrent um das Mandat, der 32-jährige SPD-Kandidat Tobias Koch aus Vahlde, sagt aber auch: „Der neue Termin bereitet uns keine Bauschschmerzen.“

Elke Twesten muss sich keine größeren Gedanken um den Termin mehr machen. Die ehemalige Grünen-Landtagsabgeordnete aus Scheeßel hat durch ihren Übertritt zur CDU vor zwei Wochen dafür gesorgt, dass die Landtagswahlen drei Monate vorgezogen werden. Rot-Grün hat in Hannover bekanntermaßen die Mehrheit verloren, nun sollen die Bürger neu abstimmen. 

Twesten konzentriert sich auf Kreistagsarbeit

Twesten selbst spielt dabei vorerst in ihrer neuen politischen Heimat keine Rolle, wie sie am Donnerstag auch selbst bestätigte. Gerüchten, sie strebe ein CDU-Mandat zum Beispiel auf Europaebene an, entgegnete sie: „Das ist gar nicht meine Absicht. Ich muss erst meinen Platz in der CDU finden, das hat nichts mit Karriere zu tun.“ Der politische Fokus liege erstmal auf der Kreistagsarbeit für die CDU.

Dass für Twesten eine andere Grüne aus dem Wahlkreis 53 Rotenburg nachrückt, darf seit dem vergangenen Wochenende als unwahrscheinlich bezeichnet werden. Die 62-jährige Hemslingerin Birgit Brennecke steht bei den Grünen auf Platz 31 der Landesliste. Platz genommen hatten nach der Wahl 2013 20 Abgeordnete der Grünen im Landtag von Hannover. Und ein Direktmandat für eine Grüne im tiefschwarz geprägten Wahlkreis wäre eine Sensation. Bislang ging das Mandat stets an die CDU – nur 1994 und 1998 grätschte Bodo Räke (SPD) dazwischen.

CDU: Landesliste nur noch Symbolkraft

Nicht nur Brennecke, auch Holsten und Koch müssen auf die Option Direktmandat setzen. Holsten als Nachfolger der bisherigen CDU-Vertreterin Mechthild Ross-Luttmann steht auf Platz 49 der Parteiliste. Er selbst bezeichnet das als „irrelevant“, da alle CDU-Landtagsabgeordneten zuletzt direkt in ihre Ämter gewählt wurden, die Landesliste hat bei den Christdemokraten also nur noch Symbolkraft. Bei den Sozialdemokraten ist das anders, aber Koch rechnet sich für die Aufstellung der SPD am 3. September diesbezüglich keine großen Chancen auf einen vorderen Platz aus: „Da ich auf Platz acht im Bezirksverband Nord-Niedersachsen positioniert bin, steht mein Platz annähernd fest und wird für keinen vorderen Listenplatz reichen. Deswegen gilt: Wer mich in Hannover sehen möchte, muss mich direkt wählen!“ 

Etabliert ist hingegen Jan-Christoph Oetjen. Der 39-Jährige aus Sottrum sitzt für die FDP seit 2003 im Landtag und steht auf Platz acht der FDP-Liste. Derzeit sind die Liberalen mit 14 Sitzen im Landtag vertreten. Reicht es für den Wiedereinzug, ist Oetjen wohl dabei.

Neue Kandidaten haben noch Zeit 

Ob es über die vier bisherigen Direktkandidaten weitere Bewerber gibt, ist noch offen. 2013 hatten auch die Linke, die Freien Wähler und die NPD Kandidaten aufgestellt. Bislang gibt es von allen drei Parteien und auch von der AfD keine Signale. Bis zum 11. September um 18 Uhr haben die Parteien oder Einzelbewerber Zeit, Vorschläge einzureichen. Am 15. September tagt der Kreiswahlausschuss und entscheidet über die Zulassung. „Erst dann weiß man, welche Kandidaten wirklich antreten dürfen“, sagt Jochen Twiefel, Sachbearbeiter beim Kreiswahlleiter im Kreishaus.

Für alle Kandidaten steht nun rasches Klinkenputzen auf dem Programm. Hausbesuche und Gespräche mit Bürgern, wird geschlossen betont, seien jetzt das Wichtigste. Allerdings beginne die heiße Phase erst nach dem 24. September. Holsten: „Hinter den Kulissen geht es um technische Dinge, die jetzt zügig erledigt werden müssen, da die Zeit drängt. Der Vorwahlkampf startet erst in der Schlussphase der Bundestagswahl. Im Anschluss an den 24. September geht es dann in den dreiwöchigen Herbstwahlkampf.“

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