Landrat stellt Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms vor

„Fehler sind nicht ausgeschlossen“

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Die Zahl der Windräder im Landkreis wird in den kommenden Jahren nochmals deutlich steigen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die 19. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Planung im Rotenburger Kreishaus dürfte als eine der bestbesuchten in die Geschichte des Landkreises eingehen. Rund 100 Besucher drängten sich am Dienstagnachmittag in den proppevollen Sitzungssaal. Das Thema, das bewegte: Wie geht es weiter mit der Windenergie im Landkreis? Die zentralen Ansätze dafür lieferte Landrat Hermann Luttmann (CDU) bei der Vorstellung des Regionalen Raumordnungsprogramms. Ein Entwurf, wie der Verwaltungs-chef mehrfach betonte: „Diskussionsgrundlage der kommenden Monate.“

Auch wenn noch ein Plan, so hat die in diesen Tagen bekannt gewordene Ausweisung von nunmehr 18 Vorranggebieten doch eine handfeste Folge: Die Bewerber aus der Industrie stehen Schlange, um Flächen zu pachten. Verträge sind in Arbeit, die Absicht der Konzerne, mehr Windräder aufzustellen, ist bekannt. Den Grundstückseigentümern winkt ein gutes Geschäft.

Eine Verdopplung der Fläche war für den Landkreis nach dem im Oktober 2013 vom Kreistag beschlossenen Klimaschutzkonzept in Aussicht gestellt worden. Von 0,51 auf rund ein Prozent der Kreisfläche. Das Land Niedersachsen hatte im vergangenen Jahr noch viel mehr Vorrangfläche ins Spiel gebracht: bis zu 2,54 Prozent. Während Unternehmen und Flächenbesitzer schon in Verhandlungen standen, verzögerte sich der Entwurf für das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) aber immer wieder. Zuletzt für das Frühjahr angekündigt, sorgten die Debatten um das Raumordnungsprogramm des Landes und die Erstellung des Landschaftsrahmenplans für weiteren Verzug. Nun aber steht der Entwurf, und dieser sieht 1,16 Prozent der Kreisfläche als Vorranggebiet Windenergienutzung vor, 2407 Hektar. 48 Potenzialflächen waren zunächst berechnet worden, übrig blieben 18 Vorranggebiete, die nicht gegen Ausschlusskriterien wie Mindestabstände zu Wohnbebauung oder Naturschutzgebiete verstoßen. Teilweise sind es neue Fläche, teilweise wurden bestehende Vorranggebiete erweitert, manche Fläche wie in Westeresch wurde aus den bisherigen Planungen wegen zu großer Nähe zur Siedlung wieder gestrichen.

Lange Diskussionen gab es im Ausschuss um die einzelnen Gebiete nicht, die Zustimmung fiel einstimmig aus. Doch die Debatten werden folgen. Anfang des Jahres legt der Landkreis den Entwurf für drei Monate zur öffentlichen Beteiligung aus. Dann können Kommunen, Bürgerinitiativen, Verbände und auch jeder Bürger Stellungnahmen abgeben. Die werden bearbeitet und gegebenenfalls als Änderungen im RROP übernommen. „Wir haben für alle Standorte gute Gründe“, sagte Landrat Luttmann. Aber eben auch: „Fehler sind nicht ausgeschlossen.“ Ausschuss-Vorsitzender Volker Kullik (SPD) zeigte sich zufrieden mit dem von der Verwaltung ausgearbeiteten Entwurf: „Ich sehe unsere Verpflichtung damit als erfüllt an.“ Bei einer Verdopplung der Fläche für Windenergie sei dank verbesserter Technik mit einer Verdopplung oder Verdreifachung der Leistung zu rechnen, heißt es von den Regionalplanern im Kreishaus.

Ungeachtet der Einstimmigkeit der Politik und der aufkommenden Goldgräberstimmung mancher Beteiligter mahnte der ehemalige Kreisnaturschutzbeauftragte Werner Burkart als beratendes Mitglied im Ausschuss, dass die „Besonnenheit den Bach herunter“ gehen könnte, wenn es um so viel Geld wie bei der Windkraft geht. Er appellierte an die Vernunft der Abgeordneten, die richtigen Weichen für den Landkreis zu stellen. Denn nicht eine Änderung bei der Stromerzeugung sei die Energiewende, sondern ein Umdenken und Sparen bei der Nutzung – das berge viel mehr Potenzial für die Umwelt. Dass er damit auch für viele Besucher sprach, die sich der Euphorie nicht anschließen wollen, ließ der auf seine Rede folgende Applaus vermuten. Es ist zu erwarten, dass das Für und Wider für die 18 Vorranggebiete im Kreis nun Fahrt aufnimmt.

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