Laute Töne nur im Auto

Landrat Prietz beginnt im neuen Kreistag

Hans-Jürgen Schnellrieder (l.) vereidigt Marco Prietz als neuen Landrat.
+
Hans-Jürgen Schnellrieder (l.) vereidigt als ältester Abgeordneter Marco Prietz als neuen Landrat.

Gleich am ersten Tag im Dienst beginnt Deutschlands jüngster Landrat die Arbeit im Kreistag: Marco Prietz lässt sich in Rotenburg vereidigen.

Rotenburg – Kurz nach halb acht ist Marco Prietz auf dem Weg nach Rotenburg. Eine knappe Stunde Fahrt für den neuen Landrat von Bremervörde aus in die Kreisstadt, ein Weg, an den sich der 33-Jährige gewöhnen werden muss. Auch wenn Deutschlands jüngster Landrat künftig einen Fahrer zur Verfügung hat, der Weg ins Büro wird mit dem eigenen Wagen zurückgelegt. Ist vielleicht aber auch besser so, denn für sensible Ohren ist die Strecke zum Dienstantritt der konstituierenden Sitzung des Kreistags in der Aula des Ratsgymnasiums nichts: Prietz lässt sich zur Ablenkung die Ohren mit krachendem Metal freipusten, im Auto läuft Slayers „Reign in Blood“. Auf deutsch in etwa: „Herrschaft in Blut“.

Nun sollte man Prietz’ Musikgeschmack nicht zum Leitsatz seiner neuen Aufgabe verallgemeinern. Und so betont Prietz schon knappe zwei Stunden später in seiner ersten kurzen Ansprache im Kreistag, nachdem ihm Hans-Jürgen Schnellrieder (Grüne) als ältester Abgeordneter der neuen Wahlperiode den Amtseid abgenommen hat: „Als Landrat allein kann man gar nichts bewirken, es ist das Team, das zählt.“ Prietz erwähnt alle die, die seinen rasanten Aufstieg in der Osterholzer Kreisverwaltung bis zur Tätigkeit als Amtsleiter für Kreisentwicklung und die politische Karriere mit dem Wechsel vom Mehrheitsgruppenführer zum Landrat mit klarem Wahlsieg unterstützt haben, er spricht von einer Mannschaftsleistung und hofft auf „sachorientierte Beratungen und einen respektvollen Umgangston“. Mehrfach betont er die Verwaltung, „auf die Verlass ist“, und deren Chef er nun ist – mehr als 1 000 Mitarbeiter hat der Landkreis.

Marco Prietz deutet es in seiner ersten kurze Rede als Landrat im Rotenburger Kreistag schon mal an: Klein werden die Aufgaben der kommenden Zeit nicht.

Neu ist aber nicht nur der Mann an der Verwaltungsspitze. Auch der Kreistag hat sich verändert. 50 Prozent neue Gesichter, zählt Schnellrieder auf, dazu gehöre auch er, allerdings trage er mit seinen 75 Jahren nicht zur Verjüngung bei: Von 55,7 auf 55,1 Jahre sei der Altersdurchschnitt durch das Votum am 12. September gefallen. Unter den 54 Kreistagsmitgliedern seien zudem weiterhin zu wenig Frauen: 14 nach elf in der vergangenen Wahlperiode. Die CDU (22 Sitze), das dürfte dem neuen Landrat die Arbeit leichter machen, gibt weiterhin mit ordentlicher Mehrheit den Ton an. Zusammen mit der WFB und dem sich dazu gesellenden Thomas Busch von der Bürgerliste „Zukunft Gestalten“ (4), der FDP (3) und Günter Scheunemann von den Freien Wählern kommt die Gruppe auf 30 Stimmen. Die erhält dann auch Hans-Jürgen Krahn (CDU) an diesem Vormittag, als er sich gegen Bernd Wölbern (SPD) in einer geheimen Wahl um einen der drei ehrenamtlichen Stellvertreterposten behaupten muss. Die beiden anderen gleichberechtigten Stellvertreter von Prietz vor allem für repräsentative Zwecke sind Erich Gajdzik und Manuela Holsten. Wölbern kritisiert wie zuletzt 2016, dass die größte Fraktion alle drei Posten für sich beansprucht – wohlwissend, dass die SPD mit Mehrheit 2011 nicht anders gehandelt hatte. „Wenn sich Politik ändern soll, muss einer anfangen“, argumentiert er. Nützt aber nichts. Es bleibt der einzige kritische Zwischenton in der Sitzung, bei der rund 200 Ämter, Posten und Positionen in den verschiedensten Gremien vergeben werden, bei der die Kreispolitik mitmischt.

Eike Holsten (CDU) führt die neue Mehrheitsgruppe aus CDU, WFB, FDP und Freien Wählern.

Im Kofferraum auf dem Weg nach Rotenburg hatte hat Prietz an diesem Montag nur einen Marmorkuchen. „Selbst gebacken“, versichert er, „im Rahmen meiner begrenzten Möglichkeiten“. 14 Stücke seien es, die müssen reichen für die ersten Kennenlernrunden am Nachmittag mit den Dezernten und Amtsleitern in seinem neuen Dienstzimmer. Das sieht zunächst einmal so aus wie am Freitag, als es Hermann Luttmann (CDU) geräumt hat. Neue Bilder, ein bisschen was Persönliches auf dem Tisch, ein frischer Anstrich oder Teppich? Später vielleicht mal. „Stift, Laptop, Handy“, zählt Prietz auf, mehr habe er am ersten Arbeitstag nicht dabei – und natürlich den Kuchen. Renoviert wird später: Vor allem inhaltlich in der Verwaltung, wenn man den Wahlversprechen folgt, und dann auch vielleicht irgendwann beim Mobilar: Ein Slayer-Poster hatte garantiert noch kein Landrat neben dem Bild des Bundespräsidenten hängen.

Thea Tomforde (CDU) aus Anderlingen ist die neue Vorsitzende des Kreistags.

Losglück für die SPD bei den Ausschüssen

Als Glücksfee ist die neue Kreistagsvorsitzende Thea Tomforde bei ihrer CDU durchgefallen. Für die Besetzung der jetzt zehn Ausschüsse des Kreistags musste einige Male das Los entscheiden, wer den 13. Sitz erhält – entweder die CDU/FDP/WFB/Freie Wähler-Gruppe oder die SPD-Fraktion. Drei Mal zog Tomforde das Los, drei Mal zog sie die SPD. Das sorgte natürlich für Gelächter, Tomforde gab das Losrecht für die Zugriffe auf die Ausschussvorsitze an ihren neuen Stellvertreter Claus Aselmann ab. Doch auch der hatte christdemokratisches Lospech: zweimal die Genossen, nur einmal die eigene Partei. Bei zehn Ausschüssen der neuen Wahlperiode darf die CDU-geführte Mehrheitsgruppe sechs Vorsitzende stellen, die SPD drei und die Fraktion Grüne/Linke einen.

Finanzen, Personal und Organisation: Wolfgang Harling (SPD)

Feuerschutz und Rettungsdienst: Nico Burfeind (CDU)

Wirtschaft und Verkehr: Patrick Brinkmann (CDU)

Sport und Kultur: Stefan Imbusch (CDU)

Soziales, Arbeit und Gesundheit: Ingolf Lienau (Grüne)

Klimaschutz, Umwelt und Planung: Harald Hauschild (CDU)

Abfallwirtschaft: Reinhard Trau (CDU)

Dorfwettbewerb: Franziska Kettenburg (CDU)

Schulausschuss: Volker Kullik (SPD)

Jugendhilfeausschuss: Doris Brandt (SPD)

Marie-Thérèse Kaiser (AfD) gehört keiner Fraktion an und hat gewählt, beratendes Mitglied im Sozialausschuss zu werden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Breitband für alle

Breitband für alle

Breitband für alle
Prozessbeginn: Freier in Bothel in Hinterhalt gelockt

Prozessbeginn: Freier in Bothel in Hinterhalt gelockt

Prozessbeginn: Freier in Bothel in Hinterhalt gelockt
Visselhövede: Neues Testzentrum läuft gut an

Visselhövede: Neues Testzentrum läuft gut an

Visselhövede: Neues Testzentrum läuft gut an
Inkognito in Rot: Redakteur im Einsatz als Nikolaus

Inkognito in Rot: Redakteur im Einsatz als Nikolaus

Inkognito in Rot: Redakteur im Einsatz als Nikolaus

Kommentare