Landrat Luttmann verleiht Peter und Oliver Drewes Bundesverdienstkreuz

Ausgezeichnete Familienbande

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Im gemeinsamen Um-Die-Wette-Strahlen lag am Montagabend nach der Auszeichnung im Wachtelhof Sohn Oliver knapp vorne, beim Thema Engagement in Kenia sind Vater Peter und sein Sohn allerdings gleichauf.

Von Michael Krüger und Jessica Tisemann. - Ihr gemeinsames Engagement für Waisenkinder in Afrika ist einzigartig, und ihre gemeinsame Auszeichnung ist eine absolute Rarität. Landrat Hermann Luttmann hat am Montagabend im Namen des Bundespräsidenten Peter Drewes aus Sottrum und dessen Sohn Oliver den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Vater und Sohn wurden während der Feierstunde im Landhaus Wachtelhof für ihre Verdienste insbesondere mit dem Verein „Furaha Phönix Kinderhaus e.V.“ geehrt.

Als der Brief aus der Staatskanzlei bei Peter und Oliver Drewes eintraf, waren Vater und Sohn ziemlich überrascht. „Irgendjemand hatte uns für ein Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen“, berichtet Peter Drewes, der seit 1977 als selbständiger Versicherungsmakler in Verden arbeitet.

Dieser jemand war Freund und Nachbar Klaus Dirschauer. Der Theologe und Publizist war es dann auch am Montagabend, der die Laudatio vor den knapp 100 geladenen Gäste im Festsaal des Hotels hielt. „Peter mag keine Dampfplauderer, keine Schnacker“, brachte Dirschauer auf den Punkt, was schon viele Vorredner angedeutet hatten: Vater und Sohn, beide erfolgreich in der Versicherungsbranche tätig, beide mit einem großen Herz für soziale Zwecke, packen lieber an, während andere noch reden. Dirschauer: „Ihr seid keine mitlaufenden Gesinnungstäter, sondern Überzeugungstäter im besten Sinne!“ Mit ihren Projekten böten sie Kindern, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, reale Lebens, Bildungs- und Ausbildungschancen.

Ein Jahr vor der Wiedervereinigung hatte sich Peter Drewes, heute 61, eine alte Stadtvilla in Verden gekauft. „Eigentlich wollte ich dort mein neues Bürohaus hinstellen“, erzählt der Sottrumer. Doch er baute es komplett um, und stellte es für DDR-Flüchtlinge zur Verfügung. Knapp 130 Flüchtlinge hat er so in Westdeutschland integriert. Sohn Oliver, heute 39 und in Winsen lebend, hat schon damals als Jugendlicher fleißig mitgeholfen. Kein Wunder, dass auch er sich später sozial engagiert. Der eigentliche Auslöser war aber eine Reise nach Afrika.

1990 nahm Peter seinen Sohn mit nach Kenia. Dort mieteten sich Vater und Sohn einen großen Geländewagen, stopften ihn bis unter das Dach voll mit Lebensmitteln und fuhren direkt in ein Flüchtlingscamp in der Nähe von Mombasa. Als der Sohn dort sieht, wie sich die Menschen um die Lebensmittel streiten und sie sich gegenseitig aus den Händen reißen, fasst er einen Entschluss. „Wenn ich groß bin, will ich auch helfen. Aber richtig.“

Mitte der 90er begannen Vater und Sohn erst damit, ein Waisenhaus in Kenia finanziell zu unterstützen. Seit 2005 gibt es den Verein „Furaha Phönix Kinderhaus“. Im Dezember 2009 entdeckten die Helfer knapp 28 Kilometer nördlich von Mombasa den richtigen Fleck für ein eigenes Waisenhaus und starteten mit dem Bau. Ende Mai 2010 zogen die ersten 40 Jungen in das Waisenhaus ein. In diesem Jahr kam ein weiteres Gebäude für die Jugendlichen ab 16 Jahren hinzu. „Es reicht halt nicht aus, den Menschen immer nur alles Gute zu wünschen. Man muss auch Taten sprechen lassen“, so Peter Drewes über seine Motivation.

Nur zwei Jahre später suchten sich Vater und Sohn ein weiteres Projekt. Nach der großen Dürrekatastrophe 2011/12 sammelten die beiden 30000 Euro und machten sich auf den Weg nach Tansania. Mit zwei Lastwagen, vollbeladen mit Lebensmitteln und Medikamenten, vier Geländewagen und einem Arzt und einer Krankenschwester ging es in den tiefsten Dschungel. Dort verteilte das Team die Grundnahrungsmittel, Bohnen, Maismehl und Speiseöl, an die Frauen des Dorfes. „Die Männer sind dort Halunken. Die würden die Lebensmittel nehmen, und sie verkaufen“, berichtet Peter Drewes. Knapp 3000 Menschen versorgten sie so für zwei Monate mit Grundnahrungsmitteln. Nach den zwei Monaten machte Oliver Drewes noch einmal die gleiche Tour. Peter Drewes betont, dass es den beiden nie um den Orden ging: „Uns geht es wirtschaftlich gut, und wenn ich damit Menschen helfen kann, da kann ich nicht einfach wegschauen.“

Nach Auskunft des Bundespräsidialamts gibt es keine Statistiken darüber, ob schon jemals zuvor Vater und Sohn gemeinsam mit dem Verdienstorden ausgezeichnet wurden. Es sei aber wohl „sehr ungewöhnlich und nicht alltäglich“. Knapp 2000 Mal wird der Orden jährlich verliehen, in der Geschichte der Bundesrepublik seit 1951 bislang rund 250000 Mal. Die Laudatoren vermieden es am Montag, von einem Preis für ein Lebenswerk zu sprechen – auch wenn es das schon ist. Selbst für Oliver, der als 39-Jähriger laut Landrat Luttmann „der absolut Jüngste“ ist, der in der Region je die Auszeichnung erhalten hat.

www.phoenix-kinderhaus.de

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