Landrat Luttmann genießt die Abgeschiedenheit im eigenen Jagdrevier

Jenseits der Maiswüste

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Hermann Luttman auf einem seiner Hochsitze im Waldgebiet Federloh zwischen Rotenburg und Kirchwalsede.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Der Landrat mahnt zur Ruhe. Nur ein paar Meter entfernt steht der Damhirsch. Man beäugt sich, geht dann seines Weges. Womöglich kennt man sich sogar, denn Hermann Luttmann ist oft hier im Waldgebiet Federloh zwischen Rotenburg und Kirchwalsede. Seit 20 Jahren ist er gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Jürgen Cassier, dem Leiter des Naturschutzamtes des Landkreises, Pächter des 80 Hektar großen Jagdgebietes. Eine Idylle gleich neben den Bullenseen – und fernab ständiger politischer Diskussionen.

Ruhe, Abgeschiedenheit und das Naturerlebnis bewegen den CDU-Politiker und Verwaltungschef aus Unterstedt immer mal wieder zur Flucht. Fünf bis sechs Mal sei er dazu gekommen in den vergangenen zwei Wochen, erzählt Luttmann an diesem regnerischen Nachmittag in seinem Revier. Aber er habe ja auch Urlaub gehabt. Der Terminkalender sei ansonsten sehr voll, und es gebe da ja „noch ein anderes Hobby“, sagt der 57-Jährige. Laufen. Viel und weit und natürlich durch die Wälder der Region. Luttmann hat alle Strecken im Kopf, die er für sein intensives Training braucht. Zehn Kilometer bis zum Bullensee, eine etwas größere Runde durch seinen eigenen Wald, 35 Kilometer über Kirchwalsede; stets dort entlang, wo er für sich ist, Gedanken sammeln oder einfach kreisen lassen kann. 2012 ist er seinen bislang letzten Marathon gelaufen, ob noch einer dazu kommt, weiß er nicht: „Derzeit Hüftprobleme.“

Das Naturschutzgebiet „Großes und Weißes Moor“ grenzt direkt an die Pachtflächen – Damwild, Rehwild und andere Waldbewohner wissen das durchaus zu schätzen. Es ist viel los im Forst, durchaus nicht nur auf vier Beinen: „Früher gab es nur ein paar Pilz- und Beerensammler, jetzt kommen die Mountainbiker und Geocacher hinzu“, erzählt Luttmann. „Manchmal wird es eng im Wald.“ Gegenseitige Rücksichtnahme in der Natur müsse groß geschrieben werden.

Bereits mit 16 Jahren hat Luttmann seinen Jagdschein gemacht. Viele Jahre war er mit seinem Vater in Klein Heins (Kreis Verden) auf der Pirsch, 1996 übernahm er die Flächen von Federloh. Zehn Hochsitze stehen in den 80 Hektar Staatsforst, kieferndominierter Nutzwald, durchzogen von breiten Rückewegen. Da passt auch mal ein Tieflader durch, um die mächtigen Baumstämme abzuholen.

Doch nicht immer geht es Luttmann um die Jagd. In diesem Jahr habe er noch gar kein Tier geschossen, die Saison gehe erst jetzt so richtig los. Zwar nehme er stets ein Gewehr auf den Hochsitz, doch das steht dann eben in der Ecke: Luttmann beobachtet mehr oder vertieft sich in die Ritual gewordene „Spiegel“-Lektüre.

Landwirtssohn Luttmann genießt die Auszeiten in der Natur. Nur ein paar Kilometer vor der Haustür liegt sein Wald – weit genug weg vom Kreishaus. Windräder, Gasstationen oder Stromleitungen sind nicht zu sehen. „Aber wenn der Wind günstig steht, können wir das Hurricane hören“, sagt er und lacht.

Am Ende des Rundgangs durchs Revier, das Dröhnen der Autos und Lastwagen auf der angrenzenden Kreisstraße 206 wird wieder lauter, rutscht Hermann Luttmann auch wieder zurück in seine politische Rolle. Er wird ernster, der Landrat ärgert sich: „Das mit der Maiswüste ist doch Quatsch!“ Natürlich gebe es viel Mais, aber zu viel? „Sie haben es doch gerade gesehen“, beteuert Luttmann: „Es gibt so viele schöne Ecken bei uns im Landkreis – wenn man auf Berge und das Meer verzichten kann.“ Die müsse man nur sehen wollen.

Und dann, ob im Forst Federloh oder sonstwo in der Region, lasse sich die Abgeschiedenheit genießen. Ein Rückzugsort, nicht für die Masse und nicht tauglich für ausufernden Tourismus: „Es ist doch gerade der Reiz, dass hier nicht so viele Menschen herumlaufen.“

Unsere Serie

In den freien Tagen weit weg? Muss nicht sein. Das haben wir in den Sommerferien in unserer Serie gezeigt. Die Bürgermeister der Region haben ihre liebsten Plätze und besonders schöne Orte vorgestellt. Mit dem Ende der Ferien endet auch die Serie.

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