Landrat Luttmann feiert Wahlsieg „relativ besinnlich“ / Daub nachdenklich

Runterfahren zur Reflektion eines klaren Votums

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Rotenburg - Hermann Luttmann strahlt. Mit einem Lächeln radelt er um 8 Uhr morgens von Unterstedt ins Kreishaus, die Sonne scheint, ein leichter Wind weht: alles heiter. „Meine drei Frauen mussten früh raus, die Party dauerte nicht allzu lange“, sagt der alte und neue Landrat. Ehefrau Mechthild Ross-Luttmann muss zur CDU-Fraktionsklausurtagung in Baden-Baden, die Töchter zum Studium, der Papa zurück auf den Chefsessel.

Ruhe – fast möchte man sagen: eine bedächtige Stille – h

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errscht dagegen am Montagmorgen in der Rotenburger Superintendentur. Hausherr Hans-Peter Daub fühlt sich leer, sagt er, dass er das klare Votum der Wähler noch verarbeiten muss, ist offensichtlich. Neben dem Ergebnis beschäftigt ihn die „katastrophale Wahlbeteiligung“. Auch die Stimmen für Luttmann seien weniger geworden im Vergleich zu 2006. „Die absolute Unterstützung sinkt.“ Für ihn sei es jedoch eine Verpflichtung des Evangeliums, sich weiter einzumischen: „Es darf uns doch nicht egal sein, was um uns herum passiert.“ Dem müsse Luttmann nun begegnen – auch wenn das klare Ergebnis dazu einlade, sich politisch zurückzulehnen. Insgesamt sei er mit dem Wahlkampf trotz des Ergebnisses zufrieden, es habe einfach an Zeit gefehlt, zu mobilisieren, sagt Daub.

Der Amtsinhaber habe im Wahlkampf stets „fair gespielt“, es habe spannende Diskussionen gegeben. Leider gebe es in dessen Umfeld aber einige Personen, deren Verhalten seiner Auffassung von Politik widersprächen. Ein Beispiel dafür sei der CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel, der am Wahlabend geäußert hatte, dass es gut wäre, wenn die Ära Daub bei der Diakonie möglichst bald zuende ginge. Daub: „Der Politikstil von Reinhard Grindel ist latent diffamierend.“ Auch um Auswirkungen auf das Kirchenamt auszuschließen, steht für Daub der Abschied aus Rotenburg fest. Ende Oktober endet nach elf Jahren seine Zeit als Superintendent. Die Kirche sucht einen Nachfolger. Und dann? Gespräche mit der Landeskirche liefen: „Wenn eine Tür zugeht, geht eine neue Tür auf“, bleibt Daub vage.

Ganz konkret wird es für den Amtsinhaber: Am Tag nach der Wahl Referentenbesprechung, CDU-Fraktionssitzung, heute ein Treffen der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen in Hitzacker. Obwohl Luttmann viel lacht an diesem Tag und betont, „jetzt erst einmal runterzufahren“, ist und bleibt der Terminkalender voll. Aber das lange Wochenende verspricht eine kleine Auszeit: Besuch bei den Schwiegereltern. Sollten es Wahlanalyse und Facebook zugelassen haben, ginge es gestern Abend auch noch auf den Hochsitz – Reflektion und Gedanken sammeln ohne Handy und Journalisten.

Dass mit dem Ergebnis einer Wahl schon der Blick auf die nächste Abstimmung fällt, macht jedoch Heinz-Günter Bargfrede deutlich. Der Fraktionschef der CDU im Kreistag hofft, bei der Kommunalwahl 2016 wieder eine „bürgerliche Mehrheit“ zu bekommen: „Die Politik der Mehrheitsgruppe hat keine besondere Strahlkraft.“

Bernd Wölbern, Sprecher der SPD/Grünen/WFB-Mehrheitsgruppe, die Daub unterstützt hat, sieht das wenig überraschend anders: „Wir haben die richtigen Themen besetzt. Nun muss sich auch der Landrat dieser annehmen.“ Früher habe sich Luttmann für Erdgasförderung oder die Auswirkungen des demografischen Wandels wenig interessiert. Jetzt komme er nicht mehr drum herum – allein das sei ein Erfolg, heißt es bei den Herausforderern nach der Wahl etwas bescheidener.

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