Landrat Hermann Luttmann blickt auf das Jahr 2015 zurück

„Wir haben im Landkreis die besten Voraussetzungen“

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Landrat Hermann Luttmann zieht die Fäden im Kreishaus. Er spricht im Rückblick von einem bewegten Jahr.

Rotenburg - Es war ein „bewegtes Jahr“ im Landkreis Rotenburg. Das sagt auch Landrat Hermann Luttmann (CDU). Kreisumlage, Flüchtlinge, Krankenhäuser, Kreisschulbaukasse – nur ein paar der Themen, die auch bei Luttmann „noch nicht so recht“ Weihnachtsstimmung aufkommen lassen wollen, wie er am Montag im Pressegespräch betonte. Trotzdem zieht der Chef im Kreishaus eine positive Bilanz 2015 – und glaubt fest daran, dass der Landkreis „die besten Voraussetzungen hat, die Zukunft zu meistern“.

as alles beherrschende Thema 2015 sind wohl die Flüchtlinge, schreibt Luttmann in seinem Jahresrückblick 2015: „Nicht umsonst hat die Gesellschaft für deutsche Sprache dieses Wort als Wort des Jahres 2015 gekürt. In den Städten, Gemeinden und Samtgemeinden sorgten viele Menschen dafür, dass die stetig steigende Zahl an Flüchtlingen untergebracht und versorgt wurde. Es musste teilweise große Kreativität aufgebracht werden, um genügend Wohnungen und Mobiliar zu finden. Neben den Mitarbeitern aus der Verwaltung gibt es mittlerweile unzählige Gruppen von Ehrenamtlichen, die sich um diese Menschen kümmern. Als im Sommer dann die Flüchtlingsströme an den Grenzen anstiegen, bekam auch die Landkreisverwaltung die direkten Folgen zu spüren. Im Oktober mussten wir innerhalb von zwei Tagen eine Notunterkunft einrichten und in Betrieb nehmen. Ich bin sehr froh darüber, dass wir erst einmal keine Sporthalle nutzen mussten. Diese Situation wäre sowohl für die für die Flüchtlinge als auch Schüler und Lehrer eine große Belastung gewesen. Die Kaserne in Visselhövede stand zur Verfügung, im November kam noch die Jugendherberge in Rotenburg als Notunterkunft dazu. Diese Aufgabe haben unsere Mitarbeiter zusammen mit vielen freiwilligen Helfern geschafft. Bis Ende November waren rund 530 Helfer im Einsatz, die rund 15000 Stunden ihrer Zeit investierten. Eine unglaubliche Zahl die zeigt, wie groß die Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt im Landkreis sind. Ein großer Dank an alle Helfer, die sich überall im Landkreis für die Menschen engagieren. Die Integration der Flüchtlinge ist eine große Herausforderung, die uns alle angeht.“

Die Menschen sollten diese Aufgabe auch als Chance sehen, betont Luttmann: „Demografischer Wandel und Fachkräftemangel sind zwei Stichworte, die durch die Zuwanderung der meist jungen Flüchtlinge aufgefangen werden könnten. Auch in kultureller Hinsicht können die Menschen eine Bereicherung sein. Ich nehme aber auch die Ängste und Bedenken vieler Bürger beim Thema Flüchtlinge ernst. Dabei wünsche ich mir eine sachliche und offene Diskussion ohne Pauschalisierungen und Hetzparolen. Jeder Flüchtling ist ein Mensch und Individuum und sollte eine Chance bekommen, an unserer Gesellschaft teilzuhaben. Letztendlich liegt es auch daran, wie wir diesen Menschen begegnen und sie bei uns aufnehmen.“

as zweite große Thema 2015 seien die beiden Krankenhäuser in Bremervörde und Zeven. Luttmann: „Nach vielen Diskussionen in den betroffenen Städten hat der Kreistag gemeinsam die Weichen für eine Zukunft beider Häuser gestellt. Nicht von Anfang an war klar, dass die Krankenhäuser weiter betrieben werden können. Das Land machte am Anfang der Gespräche keine große Hoffnung auf den Erhalt der Häuser. Sogar von einer Schließung des Krankenhauses in Zeven war die Rede. Ich bin froh, dass wir uns gemeinsam für diesen Schritt entschieden haben. Man muss gleichzeitig aber auch sehen, dass diese Entscheidung eine große Last für die zukünftigen Haushalte ist. Nur mit großen finanziellen Anstrengungen kann der Landkreis den Erhalt der Kliniken in Zeven und Bremervörde sichern. In den Elbe Kliniken haben wir einen starken Partner gefunden, der sich für die Häuser einsetzt und ein gutes Konzept für die Zukunft vorgelegt hat. Das Personal der Kliniken hat sich engagiert für die Zukunft der Ostemed-Häuser eingesetzt und das Konzept voll mitgetragen. Ich bin sicher, dass wir auf einem guten Weg sind und den richtigen Schritt getan haben, um die Zukunft der beiden Krankenhäuser zu sichern.

wei weitere, für den Landkreis wichtige Entscheidungen seien am Ende des Jahres getroffen worden: „SuedLink“ und Y-Trasse. Luttmann: „Da ist zum einen die Stromtrasse ‚Suedlink‘, die quer durch unseren Landkreis laufen soll, um den Strom vom Norden in den Süden zu leiten. Nach einem Bürgerdialog wurden einige Streckenvarianten auf Infomärkten im Landkreis präsentiert. Die neuen Varianten stießen auf viel Widerstand aus Bevölkerung und Politik. Die Forderung nach einer Streckenführung per Erdverkabelung wurde vom Bundestag aufgegriffen. Aufgrund der neuen Entscheidungen, beim Ausbau der Stromtrasse vorrangig auf Erdverkabelung zu setzten, muss die Streckenführung noch einmal vollständig überarbeitet und neu geplant werden. Es bleibt abzuwarten, wie die Leitungen aussehen werden, die durch unseren Landkreis laufen sollen.

Ein Thema, das seit vielen Jahren diskutiert wird, hat in diesem Jahr seinen Abschluss gefunden, die Y-Trasse. Im Dialogforum Schiene haben sich Vertreter der Landkreise, Politik, Wirtschaft und Bürgerinitiativen am Ende eines langen Diskussionsprozesses gemeinsam für die sogenannte Alpha-Lösung ausgesprochen. Das bedeutet den Ausbau vorhandener Strecken anstatt den Neubau einer Y-Trasse. Ich habe seit vielen Jahren für diese Variante gekämpft und bin froh, dass wir mit dieser Lösung endlich eine verbindliche Entscheidung getroffen haben. Die Y-Trasse wäre eine hohe Belastung für viele Orte im Landkreis gewesen. Auch der Ausbau alter Strecken ist nicht ohne Lärm und mehr Verkehr zu haben, doch angesichts der Alternative ist dieser Variante die beste Entscheidung.

it Blick auf 2016 sagt Luttmann: „Ein politischer Höhepunkt ist sicherlich die Kreistagswahl im September. Ich wünsche mir eine hohe Wahlbeteiligung und appelliere an die Bürger, ihr Wahlrecht wahrzunehmen. Wie das Beispiel der Krankenhäuser zeigt, kann Politik etwas bewegen. Im Kreistag werden viele Entscheidungen getroffen, die das Leben im Landkreis beeinflussen.

andrat Luttmann betont: „Wir haben im Landkreis die besten Voraussetzungen, die Zukunft zu meistern. Dank vieler ehrenamtlich engagierter Menschen herrscht ein starkes Gemeinschaftsgefühl in den Städten, Dörfern, Gemeinden und Samtgemeinden. Die Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft ist gut, viele Menschen setzten sich für unseren Landkreis ein. Ich wünsche mir, dass diese positiven Aspekte auch im kommenden Jahr zum Tragen kommen.“

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