Kreistag rückt Thema ins Blickfeld

Landkreis will kein Atommüll-Endlager

Atommüll in der Asse
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Irgendwo muss er hin, der deutsche Atommüll. Vor der Haustür – oder besser gesagt: unter dem Haus – will ihn aber niemand haben.

Rotenburg – Landrat Hermann Luttmann (CDU) grinst hinter der Maske, winkt ab: „Ich nicht mehr.“ Marco Prietz hingegen schon, denn der CDU-Fraktionschef im Kreistag will Luttmann nach der Wahl im Herbst im Kreishaus schließlich beerben, und dann wird er sich mit dem neuen Kreistag vermutlich viele Jahre um dieses Thema kümmern müssen: Wo wird in Deutschland ein Endlager für Atommüll gebaut?

Es sind verschiedene Anträge von vielen Seiten, über die an diesem Donnerstagvormittag in der Aula des Rotenburger Ratsgymnasiums gebündelt gesprochen wird. Unterschiedliche Ansichten gibt es kaum, und einig ist man sich vor allem darin: Der Landkreis muss auf der Hut sein, in der Sache Gehör zu finden. 54 Prozent der Fläche Deutschlands gelten derzeit noch als Potenzialgebiete für die Endlagerung von Atommüll. Eine Million Jahre soll der strahlende Schrott aus den Atomkraftwerken dort liegen. Ein Vorhaben, bislang weltweit nicht umgesetzt. Und ist es überhaupt realistisch? Die Asse, Gorleben – es gibt genug gescheiterte Beispiele. In drei bis vier Jahren, so die Planung, soll die Potenzialfläche im Auswahlprozess nach genauerer geologischer Betrachtung auf ein bis zwei Prozent der Fläche Deutschlands reduziert werden. Blöd für den Landkreis: So ganz aussichtslos ist es nicht, dass die hiesigen sieben Salzstöcke in den Unterlagen noch länger im Verfahren bleiben. 2031 soll der Bundestag über den genauen Standort entscheiden.

Und so warnt der bislang einzige Landratskandidat Prietz nachdrücklich schon jetzt, dass man das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfe: „ Es ist wichtig, dass wir uns als Landkreis vorbereiten.“ Irgendwo muss der strahlende Müll hin, das sei allen klar (Prietz: „Die Suche ist eine der größten Aufgaben, die die Menschheit vor sich hat“), aber: aus guten Gründen dann doch lieber nicht in den Landkreis Rotenburg. Elisabeth Dembowski (Grüne) nennt kurz das, womit auch die Bürgerinitiativen inhaltlich überzeugen wollen, die sich bereits im Landkreis gebildet haben: Durch die massive Erdgasförderung sei der Landkreis bereits stark vorbelastet. Die nachweislich durch die Förderung verursachten Erdbeben machten die Standorte unsicher, Unklarheit gebe es wegen des verpressten Lagerstättenwassers, und dann gebe es den großen „Konflikt der Wasserreinhaltung“ mit dem großen Reservoir der Rotenburger Rinne. Angelika Dorsch (SPD) formuliert es zugespitzter: „Hier Atommüll zu verbuddeln, ist genauso schlau wie in der Asse – das kann nicht funktionieren.“ Das ehemalige Salz-Bergwerk Asse bei Wolfenbüttel diente als Lager für schwach- und mittelaktiven Atommüll und droht nun abzusaufen.

Die Kreispolitik hat sich nun geschlossen dafür ausgesprochen, das Thema Endlagersuche zunächst inhaltlich in der Arbeitsgruppe Erdgas/Erdöl zu verankern. Der neue Kreistag soll dann gegebenenfalls über eine eigene Arbeitsgruppe entscheiden. Auch will man sich mit anderen Landkreisen zum Thema vernetzen und nach dem Vorbild des Emslandes mit Mitteln des Umweltministeriums eine Expertise zu den hiesigen Lagerstätten in Auftrag geben. Und es soll einen direkten Ansprechpartner für das Thema in der Kreisverwaltung geben.

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