Aufschub für die Inklusionspädagogik

Landkreis Rotenburg will Förderschulen Lernen vorerst erhalten

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Die Rotenburger Pestalozzischule soll noch weitere fünf Jahre erhalten bleiben.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Der Landkreis will seine drei Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen wenigstens fünf weitere Jahre erhalten. Diese Empfehlung haben der Schulausschuss des Kreistags und der Kreisausschuss ausgesprochen.

Sie folgen damit der Rolle rückwärts in der Inklusionsfrage im neuen Schulgesetz der großen Koalition in Hannover. Betroffen sind neben der Pestalozzischule in Rotenburg die Janusz-Korczak-Schule in Zeven und die Schule am Mahlersberg in Bremervörde.

SPD und CDU lassen den Schulträgern mit der Änderung im Gesetz, die Ende Februar beschlossen wurde, mehr Freiheit. Es wird die Möglichkeit eingeräumt, dass Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen in der Sekundarstufe noch bis zum Beginn des Schuljahres 2022/23 Schüler der Klasse 5 aufnehmen dürfen. Mit der Neuregelung erhält dieser Schultyp noch einmal mehrere Jahre Aufschub. So sollen die allgemeinbildenden Schulen mehr Zeit bekommen, sich auf die Aufnahme von Kindern mit Lern-Förderbedarf einzustellen.

„Wir nehmen das Angebot des Landes an“, betont Erster Kreisrat Torsten Lühring – wohlwissend, dass die Entscheidung, die kommende Woche noch vom Kreistag bestätigt werden muss, nicht unumstritten ist. Die Kreistagsopposition aus SPD und Grünen lehnt die Verlängerung nämlich ab. Begründung: Es werden wieder „Parallelstrukturen“ aufgebaut, für die das Personal fehlt. Tatsächlich erhalten Regelschulen schon jetzt nicht die erforderlichen, vom Land zugesagten Stunden pädagogischer Mitarbeiter, die die Inklusionsschüler unterstützen sollen. Doch ob mit der Fortführung der Förderschulen die „Ressourcen“ noch dünner werden, ist umstritten. Je nach Rechenart ergeben sich verschiedene Aussagen.

Eltern behalten die Wahlfreiheit

Ob im Landkreis tatsächlich alle drei Förderschulen fortbestehen können, hängt auch von der Zahl der angemeldeten Kinder ab. Eltern behalten die Wahlfreiheit, an welche Schule sie ihren Nachwuchs mit Förderbedarf schicken. Nach alter Gesetzeslage ist die Inklusion an Grundschulen bereits komplett umgesetzt, im aktuellen Schuljahr gibt es auch keinen fünften Jahrgang mehr. Für die Einrichtung von Förderklassen sieht das Gesetz mindestens 13 Schüler vor. Die Landesschulbehörde hat Ende Februar in den vierten Klassen im Einzugsbereich Rotenburg 14 Schüler mit Förderbedarf Lernen für den kommenden fünften Jahrgang gezählt, in Zeven elf und in Bremervörde 24. Auf welche Schulen die Eltern diese Kinder schicken wollen, ist aber noch unklar. 

Nicola Feil: „Kein Gegner der Inklusion“

Nach Einschätzungen der Förderschulleitungen seien es lediglich knapp ein Drittel aller Betroffenen, die sich für die Förderschulen entscheiden, heißt es von der Kreisverwaltung. Und: „Inwieweit Eltern bereit wären, ihre Kinder auch auf eine weiter entfernt liegende Förderschule im Landkreis zu schicken, ist fraglich.“

An der Rotenburger Pestalozzischule ist man vom pädagogischen Konzept und der Unabhängigkeit einer Förderschule weiter überzeugt. Schulleiterin Nicola Feil betont im gleichen Atemzug allerdings auch, „kein Gegner der Inklusion zu sein“. Denn: „Die Inklusion auch zukünftig beratend und unterstützend voranzutreiben, bleibt weiterhin eine zentrale Aufgabe der Pestalozzischule als Förderzentrum der Region.“ Man wolle aber die Kinder im Blick haben, „für die die Inklusion noch nicht den bestmöglichen Beschulungsort darstellt“. 

55 Schüler in fünf Klassen

Derzeit werden in der Pestalozzischule selbst in fünf Klassen noch 55 Schüler unterrichtet. Das aus 42 Lehrkräften bestehende Kollegium betreut aber alle Schulen im Altkreis, in denen Inklusionskinder mit entsprechendem Förderbedarf unterrichtet werden, vor allem in Grund- und Oberschulen und der Rotenburger IGS. „Für uns geht es um eine pädagogische Ergänzung mit umfangreichem Förderangebot“, so Feil. Auch die Lehrer hätten sich in einer anonymen Umfrage dafür ausgesprochen, weiterhin der Förderschule und nicht der Regelschule fachlich zugeordnet zu sein, „um sich Rat und Tat bei der Sicherung der sonderpädagogischen Expertise zu holen und fachlichen Austausch im eigenen Förderschulkollegium zu erhalten“.

Trotz des neuen Bekenntnisses zur Förderschule weiß man in der Kreisverwaltung gleichwohl, dass es nur ein zeitlicher Aufschub beim Abbau bisheriger Strukturen ist. Die Suche nach einer Nachnutzung der Schulgebäude hat längst begonnen. In der Pestalozzischule an der Gerberstraße sind bereits Teile der Berufsbildenden Schulen untergebracht, auch die Verwaltung hat Büros bezogen.

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