Landkreis will bis Ende Januar Förderung beantragen

Suche nach Altlasten in Gruben

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Die Böden zahlreicher Gruben im Landkreis sollen auf Schadstoffe untersucht werden.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Kreisverwaltung will noch bis zum Fristende am 31. Januar die ersten vier Bohrschlammgruben für das Förderprogramm des Landes und des Wirtschaftsverbandes Erdöl und Erdgas zur Untersuchung anmelden. Im Dezember war die fünf Millionen Euro schwere Vereinbarung getroffen worden, um nach Altlasten zu suchen. Kommende Woche Freitag berät der Ausschuss für Hoch- und Tiefbau das Thema.

Was wurde seit Mitte des 20. Jahrhunderts in den hunderten Gruben im Kreisgebiet abgelagert? Was war harmlos, was hat zu Schäden geführt, was wird noch künftig für Probleme sorgen? Diese Fragen sind unbeantwortet. Umweltstandards wie heute interessierten damals nur wenige. Und so kippte auch die seit Jahrzehnten in der Region emsige Erdgas- und Erdölindustrie ihre „Abfälle“ – Stein, Sand, Matsch und „Produktionsreste“ – in ungeschützte Gruben.

Im November 2014 hatte der NDR mit belasteten Bodenproben unter anderem von der Bohrstelle „Kallmoor Z1“ nördlich von Stemmen die Debatte über verseuchte Bohrschlammgruben in Niedersachsen in Gang gebracht. Der Landkreis reagierte, investierte selbst „eine mittlere bis obere vierstellige Summe“, wie es von Kreissprecherin Christine Huchzermeier heißt, um eine orientierende Untersuchung anzuschieben. Die brachte zwar keine akute Gefährdung zutage, wies allerdings so bedenkliche Werte auf, dass eine Detailuntersuchung folgte. Deren Ergebnisse erwartet das Kreishaus in diesen Tagen.

Insgesamt 17 Gruben sind nun vom Amt für Wasserwirtschaft ausgemacht worden, die in das Untersuchungsraster von Land und selbstverpflichteter Wirtschaftslobby passen. Alles Gruben, bei denen die Erdöl- und Erdgasindustrie als sogenannte Verhaltensstörer oder Gesamtrechtsnachfolger ausgemacht sind. Die entsprechenden Standorte liegen im Altkreis in Visselhövede, Stemmen, Rotenburg, Kirchwalsede und Scheeßel. 80 Prozent der Kosten für die erste Analyse übernimmt der Fördertopf, den Rest muss der Landkreis selbst zahlen. Werden Schadstoffe gefunden, müssen die zuständigen Unternehmen für weitere Detailuntersuchungen und mögliche Maßnahmen gerade stehen. Nicht gefördert werden Untersuchungen dort, wo nur kommunaler Müll abgelagert wurde. Die ersten vier, die für das auf sechs Jahre ausgelegte Förderprogramm angemeldet werden sollen, sind: „Bevern 2“ in Bevern, „Volkensen“ in Sothel, „Volkensen 4“ in Hamersen und „Volkensen Nord 1“ in Groß Meckelsen.

Zeitgleich will der Landkreis mit der Untersuchung sechs weiterer Gruben beginnen, für die es keine Fördergelder gibt. Für diese gibt es laut Gert Engelhardt, Leiter des Amts für Wasserwirtschaft, nur vage Angaben von Zeitzeugen, teilweise noch aus den 1940er-Jahren stammend. Ob überhaupt etwas und wenn ja, was dort gelagert wurde: „Das wissen wir nicht.“ Eine dieser Gruben liegt in Stuckenborstel – diese soll als erste begutachtet werden. Das entsprechende Geld dafür hat die Kreispolitik bereits 2014 bewilligt.

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