Im Landkreis wächst der Unmut über Nahverkehrsanbindung Richtung Hamburg

Ein neuer Vorstoß in Sachen HVV

+
Eine Rückleuchte strahlt an einem Wagen der Hamburger S-Bahn im Instandhaltungswerk Hamburg-Ohlsdorf. Der Hamburger Verkehrsverbund HVV besteht seit mehr als 50 Jahren.

Rotenburg - Von Stephan Oertel. Jürgen Borngräber ist es leid. Seit vielen Jahren wird darüber beraten, den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) auf den Landkreis Rotenburg auszudehnen. Ohne Erfolg. Nach wie vor zahlen Fahrgäste für ihr Ticket gen Elbe viel Geld. Der SPD-Kreistagsabgeordnete aus Lauenbrück will nun, dass der Kreistag aktiv wird. Seine Fraktion greift den Ball auf. Und auch die Gemeinde Scheeßel fordert endlich Taten.

Während viele Gemeinden im Landkreis Rotenburg längst Mitglied im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) sind und die Fahrgäste dort von vergleichsweise günstigen Tarifen profitieren, endet der HVV noch immer an der Kreisgrenze. Dabei war eine mögliche Mitgliedschaft im HVV in den 1990er Jahren ein wesentlicher Grund dafür, dass sich der Landkreis für eine Mitgliedschaft in der Metropolregion Hamburg – und nicht für Bremen – entschieden hat, ärgert sich Borngräber. Verlierer sind in seinen Augen jene, die häufig gen Elbe unterwegs sind. Der Sozialdemokrat fordert daher den Landkreis auf, 2017 für Bremervörde, Scheeßel und Lauenbrück beziehungsweise die Samtgemeinde Fintel dem Hamburger Verkehrsverbund beizutreten und dafür Geld bereit zu stellen. Insbesondere für Pendler sollte eine Lösung her. Er rechnet mit jährlichen Kosten für den Landkreis von 850000 Euro.

Mit seinem Antrag ist Borngräber auch innerhalb seiner Fraktion vorgeprescht. Im Grundsatz aber stößt er auf Unterstützung, sagt etwa Angelika Dorsch (SPD). Auch die Scheeßelerin will endlich eine Anbindung an den HVV. Die Kreistagsfraktion wird sich heute mit dem Vorstoß des Lauenbrückers beschäftigen, teilte Fraktionschef Bernd Wölbern mit. Ob es dann bei der recht groben Formulierung des Lauenbrückers bleibt, wird sich zeigen. Wölbern geht aber davon aus, dass die SPD einen Antrag in der Stoßrichtung auf den Weg bringen wird.

Um auch als Wohnstandort attraktiv zu bleiben, sei es immens wichtig, dass die Menschen aus dem Landkreis nicht nur in Richtung Bremen, sondern auch in Richtung Hamburg eine gute Nahverkehrsanbindung haben. Das gelte zum Beispiel auch für Bewohner aus Zeven und Sittensen. In diesem Sinne sollten nun endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Denn allzu lange sei man vertröstet worden.

Seit den 1990er Jahren wird mit den Hamburgern über eine Lösung verhandelt. Bislang unter Federführung der Verkehrsgemeinschaft Nordost-Niedersachsen, der Rotenburg angehört. Seither hat es zwar für Inhaber von Zeitkarten einige Verbesserungen gegeben, der Durchbruch aber, nämlich die Einbindung in den HVV, blieb aus. Hinter vorgehaltener Hand war auch aus der Politik wiederholt der Vorwurf zu hören, dass die Hamburger nicht wirklich Interesse an einer Ausdehnung des Tarifgebiets in den Landkreis Rotenburg haben – allenfalls zu einem immens hohen Preis. Was die Verhandlungen so schwierig macht: Mehrere Akteure mit unterschiedlichen Interessen müssen unter einen Hut gebracht werden. Das ist bislang nicht gelungen. Eine stärkere Position erhofft sich Rotenburg aktuell durch ein gemeinsames Auftreten mit Landkreisen, die ebenfalls in den HVV drängen, darunter Cuxhaven und der Heidekreis.

Mit Blick auf aktuelle Tarifplanungen gibt es im Gemeinderat Scheeßel allerdings erhebliche Zweifel, ob es in absehbarer Zeit zur erhofften Lösung kommt. Denn danach solle auf der Strecke Rotenburg-Tostedt weiterhin der Basistarif gelten. Eine HVV-Mitgliedschaft wäre damit für die nächsten acht Jahre in weite Ferne gerückt. „Alle reden von der Metropolregion Hamburg, aber niemand ist bereit, etwas dafür zu tun“, heißt es in einem offenen Brief von CDU, SPD, Grünen und der Gruppe 57. Adressat sind das Land, die Landesnahverkehrsgesellschaft, der HVV und der Landkreis.

Am Beispiel ihrer Heimatgemeinde zeigen die Ratsvertreter auf, was es bedeutet, wenn alles beim Alten bleibt. Dann nämlich würden viele Pendler aus Scheeßel weiterhin ein Ticket bis Tostedt lösen, um dann mit einer weiteren Fahrkarte zum Arbeitsplatz im HVV-Gebiet zu kommen. Etliche würden stattdessen gleich mit dem Auto nach Tostedt fahren und dort in den Zug einsteigen. „Das ist nicht hinnehmbar.“

Wie sehr das Thema im Landkreis Rotenburg und zum Beispiel auch im Kreis Cuxhaven nervt, war kürzlich beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer Stade angesprochen worden. Man sei im Gespräch, hatte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz geantwortet. Das aber ist man schon seit rund 20 Jahren. Nun soll es endlich konkret werden.

zz

Mehr zum Thema:

Neue Konsolenspiele: Heiße Reifen und ein Troll

Neue Konsolenspiele: Heiße Reifen und ein Troll

Das sind die „Allradautos des Jahres 2017“

Das sind die „Allradautos des Jahres 2017“

Mit Künstlern unterwegs auf Rhodos

Mit Künstlern unterwegs auf Rhodos

Couture für zu Hause: Wenn große Modehäuser Möbel herstellen

Couture für zu Hause: Wenn große Modehäuser Möbel herstellen

Meistgelesene Artikel

Schunkeln in der St.-Lucas-Kirche

Schunkeln in der St.-Lucas-Kirche

Familie aus dem Kosovo wird in Heimatland zurückgeschickt

Familie aus dem Kosovo wird in Heimatland zurückgeschickt

Chef vom „Lucky Dog Hostel“ ist baff

Chef vom „Lucky Dog Hostel“ ist baff

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Kommentare