Landkreis-Verkehrsausschuss will HVV-Tarif für sämtliche Bahnhöfe

Ein großer Brocken

+
Sämtliche Bahnhöfe im Landkreis sollen Teil des HVV-Tarifs werden. Bislang ist man diesbezüglich noch außen vor.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Das Ringen scheint beendet, es soll in die weiteren Verhandlungen gehen: In seiner Sitzung am Dienstag hat der Wirtschafts- und Verkehrsausschuss des Landkreises Rotenburg empfohlen, anzustreben, dass sämtliche Bahnhöfe in den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) aufgenommen werden.

Erneut haben sich die Ausschussmitglieder im Kreishaus von Dietmar Opalka, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen, die drei Modelle, die von den Ländern Niedersachsen und Bremen in Auftrag gegeben worden waren, erläutern lassen. Im Modell 1.1, jenes, für das sie sich nun ausgesprochen haben, sind sämtliche Bahnhöfe im Landkreis Rotenburg eingeschlossen. Den Landkreis Rotenburg koste diese Version demnach zwischen 1,8 und 2,1 Millionen Euro pro Jahr als Ausgleichszahlungen für alle HVV-Fahrkarten.

Bei Modell 2.1 würden nur die Bahnhöfe im Kreis einbezogen, die derzeit nicht im Gebiet des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen (VBN) liegen – Lauenbrück, Scheeßel, Hesedorf, Bremervörde, Oerel, Heinschenwalde und Visselhövede. Rotenburg und Sottrum wären außen vor. Der Finanzierungsbedarf liegt zwischen einer Million und 1,3 Millionen Euro. Die Variante 3.0 sieht ebenfalls vor, sämtliche Bahnhöfe zu berücksichtigen, aber dafür nur Zeitkarten. Einzelkarten blieben außen vor. Kostenpunkt für den Landkreis: zwischen 700000 und 840000 Euro pro Jahr.

Obwohl die beiden Alternativ-Varianten günstiger sind, stimmten alle Ausschussmitglieder für das erste Modell. Dieses Modell bevorzugten auch die Bürgermeister der Kommunen, teilte Landrat Hermann Luttmann (CDU) mit, obwohl sich Rotenburg wegen der enormen Finanzmittel zurückgehalten habe.

Zwischen 5 und 20 Prozent liege die Ersparnis beim Kauf einer Zeitkarte, Einzelkarten würden zwischen 24 und 47 Prozent günstiger. Doch Opalka wies auch darauf hin, dass es im HVV nicht für jeden Kunden günstiger werde. Teurer werde es für die, die eine „BahnCard“ nutzen. Derzeit gebe es außerdem keine Signale, dass sich auch Hamburg an den Kosten beteiligt. „Da ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen“, so Opalka.

Ebenfalls einstimmig hat der Ausschuss empfohlen, dass der Landkreis die Hälfte der Kosten trägt, wenn sich das Land Niedersachsen „dauerhaft mit mindestens ebenfalls 50 Prozent an diesen Kosten beteiligt“. Den Anteil des Landkreises teilen sich nach dem einstimmigen Willen der Ausschussmitglieder Landkreis sowie die betroffenen Städte, Samt- und Einheitsgemeinden nach den Fahrgastzahlen. Ein Punkt, den die Mehrheitsgruppe im Kreistag aus SPD, Grünen und WFB, zunächst gestrichen sehen wollte. Man wolle durch den „großen Brocken“, der auf alle zukäme, keine Hürden für die Kommunen aufbauen. Doch der Erste Kreisrat Torsten Lühring wimmelte ab: Die Kostenteilung sei „eine Frage der Gerechtigkeit“. Auch Luttmann hielt es für fahrlässig, diesen Punkt außen vor zu lassen. So nähme sich der Landkreis jede Verhandlungsbasis.

Luttmann sieht das Land in der Pflicht, da es für den Schienenpersonenverkehr verantwortlich ist und für die Landkreise Stade, Lüneburg und Harburg schon den vollen Betrag für den HVV übernehme. Bisher stelle das Land für die jetzt geplante Erweiterung des Tarifs eine Anschubfinanzierung in Aussicht, allerdings auf das Modell 3.0.

Um einen Punkt, den die Mehrheitsgruppe im Kreistag aus SPD, Grünen und WFB einbrachte, stritt man sich dann doch länger. Dieser sieht vor, dass, wenn bis zum Herbst 2016 kein Einvernehmen in Bezug auf den HVV erzielt werden könne, im Kreishaushalt 2017 schon entsprechende Finanzierungsmittel durch den Landkreis eingestellt werden, um den Kommunen, die noch nicht Mitglied im VBN sind, einen früheren Beitritt zum HVV zu ermöglichen. „Wir müssen jetzt etwas vorweisen“, betonte Hans-Klaus Genter-Mickley (SPD). „Ich habe den Eindruck, dass es nur um die Vollzugsmeldung geht“, entgegnete Lühring. Dabei stünden noch Verhandlungen aus. Doch alle Einwände, auch von Seiten der CDU, änderten nichts daran, dass die Mehrheit der Ausschussmitglieder diesem Punkt zustimmte.

Nun stehen die Empfehlungen zunächst im Kreisausschuss, dann im Kreistag zur weiteren Beratung auf der Tagesordnung.

Mehr zum Thema:

Polizei nach Manchester-Anschlag: Abedi hatte Hintermänner

Polizei nach Manchester-Anschlag: Abedi hatte Hintermänner

Laura Siegemund verletzt sich in Nürnberg schwer

Laura Siegemund verletzt sich in Nürnberg schwer

Zirkus Charles Knie in Wagenfeld

Zirkus Charles Knie in Wagenfeld

Pitt, Messi & Co.: Diese Autos fahren die Reichen und Schönen

Pitt, Messi & Co.: Diese Autos fahren die Reichen und Schönen

Meistgelesene Artikel

A1 nach Unfällen wieder frei

A1 nach Unfällen wieder frei

A1 bis Mittwoch gesperrt: Sanierung im Gang

A1 bis Mittwoch gesperrt: Sanierung im Gang

Nach Gefahrgut-Unfall: Einsatz für die „Aufräumer“

Nach Gefahrgut-Unfall: Einsatz für die „Aufräumer“

Heimatfestival: Wie auf einem Familientreffen

Heimatfestival: Wie auf einem Familientreffen

Kommentare