Initiativen gegen Funklöcher

Landkreis sucht Anschluss

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Wenn es raus aufs Land geht, sind die Verbindungen zum mobilen Internet oftmals noch schlecht. Der Landkreis will nun helfen, die Funklöcher aufzuspüren und zu beseitigen.

Rotenburg - Von Michael Krüger und Stephan Oertel. Im Landkreis Rotenburg gibt es immer noch zu viele Gebiete, die den Anschluss verloren oder noch nie erreicht haben – zumindest, was eine schnelle Versorgung mit Internet betrifft. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für Unternehmen und Gewerbe, aber auch ein Thema der Lebensqualität. Wie der Landkreis dem gegensteuern kann, wird unter anderem Thema der Kreistagssitzung am Mittwoch sein.

In manchen Gebieten nutzt der beste Computer nichts. Die Übertragungsrate ist so gering, dass es eine gefühlte Ewigkeit braucht, bis sich Daten aufbauen oder verschickt werden können. Nach Informationen der Kreistagsgruppe aus CDU, WFB, FDP und Freien Wählern sind knapp 5000 Haushalte im Landkreis mit weniger als 30 Megabit pro Sekunde unterwegs, weil ihr Anschluss mehr nicht hergibt. Das soll sich ändern.

Die Gruppe setzt dabei auf ein Förderprogramm des Bundes. Dieses unterstützt den Breitbandausbau, fordert allerdings eine finanzielle Beteiligung der betreffenden Kommune. Eben da soll der Landkreis in seine zur Zeit gut gefüllte Kasse greifen. Hat er die Gemeinden bislang beim Breitbandausbau mit einer Kostenbeteiligung von einem Drittel unter die Arme gegriffen, soll er nun die Hälfte des kommunalen Anteils übernehmen. Und zwar rückwirkend ab 2016, damit jene Gemeinden, die seither aktiv geworden sind, nicht in die Röhre gucken.

Perspektivisch will der Landkreis noch einen Schritt weiter gehen. Überall im Landkreis sollen Bürger mit einem Gigabit pro Sekunde online unterwegs sein können. Die Kreisverwaltung soll eine entsprechende „Gigabitstrategie“ entwickeln. Ein ambitioniertes Ziel, räumt die Kreistagsgruppe nicht zuletzt mit Blick auf „erhebliche Ausbaukosten“ ein. Für sie ist dieser Schritt aber alternativlos. Immer kürzere Innovationszyklen, eine ständig wachsende Vernetzung und sich rasch wandelnde Prozesse erforderten dies.

Um Funklöcher zu finden, ist die Bevölkerung gefragt

Empfohlen wird vom Ausschuss auch eine Initiative zum Stopfen von Funklöchern. Zwar kann der Landkreis selbst keinen Ausbau vornehmen oder fördern, heißt es, wohl aber sei er in der Lage, verlässliche Daten zu erheben, auf deren Basis Mobilfunkanbieter dann mit Unterstützung des Landes ihr Netz ausbauen können. Genau das soll die Kreisverwaltung nun tun.

Ein erster Schritt, um die weißen Flecken des mobilen Internets überhaupt zu ermitteln, ist die Teilnahme der Bevölkerung an einer sogenannten Funkloch-App der Bundesnetzagentur. Laut Kreisrat Sven Höhl gibt es bislang keine „wissenschaftlich fundierte, strukturierte Erfassung“ der Funklöcher. 

Ein verlässlicher Nachweis sei schwierig, da die Verfügbarkeit einer Mobilfunkanbindung immer vom jeweiligen Vertrag, der gewählten Technologie und dem gewählten Netzbetreiber abhängt. Die „Schwarmintelligenz“ soll dabei nun aushelfen. Bürger können Lücken in der Mobilfunkabdeckung mit der erweiterten App des Bundes einfach und unbürokratisch melden. Die App speichert den Standort und überträgt die Daten, sobald das Handy wieder Internet hat. 

Auf Grundlage dieser Informationen wollen sowohl das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur als auch das Land Niedersachsen mit den Mobilfunk-Anbietern darüber sprechen, wo die Netze noch weiter verbessert werden müssen.

Die Anwendung registriert alle 50 Meter die Netzabdeckung

Die App „Breitbandmessung“ der Bundesnetzagentur ist bedienerfreundlich gestaltet, wirbt der Landkreis: Mit einem Klick auf die Schaltfläche „Netzverfügbarkeit erfassen“ startet der Nutzer die Abfrage. Ab diesem Zeitpunkt erfasse die App in regelmäßigen Abständen von maximal 50 Metern, ob eine Netzabdeckung vorhanden ist – und ob sie durch 2G-, 3G- oder 4G-Technologie gegeben ist. Die erfasste Wegstrecke wird dem Nutzer auf einer Karte dargestellt. 

Die App muss während der Erfassung nicht geöffnet bleiben, es sei jedoch erforderlich, die Erlaubnis zur Standorterkennung zu erteilen. Wenn der Nutzer die Erfassung stoppt, werden die Daten unter Angabe von Ort, Zeit und Mobilfunkanbieter an einen zentralen Server übermittelt. Sollte es ein Funkloch geben, erfolgt die Übertragung, nachdem wieder eine Verbindung zum Internet besteht. Sobald genügend Daten vorliegen, wird die Bundesnetzagentur sie in einer detaillierten Karte zusammenfassen und veröffentlichen.

Die Funkloch-App steht ab sofort im Google Play Store und Apple App Store zum kostenlosen Download zur Verfügung. Mehr Infos online: www.breitbandmessung.de/ mobil-testen

Unsere Serie

„Digital ist besser“ titelte 1995 die Hamburger Rockband Tocotronic. 23 Jahre später ist „Digitalisierung“ eines der wichtigsten Schlagworte in Wirtschaft und Politik. Auch im Landkreis diskutiert man, was zu tun ist, um nicht den Anschluss zu verpassen. 

Was Digitalisierung eigentlich alles ist und was diese im Leben bedeutet, beleuchten wir in der Tageszeitung ab dem kommenden Wochenende in unseren neuen Thementagen unter dem Titel „Digitales Leben“.

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