Landkreis sieht wenig Potenzialfläche für Öko-Energie aus Rotenburg

Idee vom Bürgerwindpark in Waffensen bleibt

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Eins der beiden Windräder, die jetzt schon zwischen Waffensen und Kesselhofskamp stehen. Sie gelten nicht als „raumbedeutsam“, müssen nicht in den Vorranggebieten liegen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Stadt Rotenburg wird mit seinen Dörfern auch in Zukunft kein Mekka der Windkraft werden. Das steht mal fest.

Nach dem in der vergangenen Woche vorgestellten Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms sieht der Landkreis für die Kreisstadt auch keine größeren Entwicklungspotenziale auf diesem Gebiet. Ein möglicher Standort im Bereich Waffensen ist ganz aus den Planungen herausgefallen – der dort schon vorgeplante Bürgerwindpark ist allerdings noch nicht komplett abgeschrieben. Zwei kleinere Windräder drehen in aller Seelenruhe auf dem Pausberge in der Feldmark zum Gewerbegebiet Hohenesch hin ihre Flügel. Viel mehr gibt es auch aus Waffensen in Sachen Öko-Energie aus Wind nicht zu berichten. Eigentlich sollte sich das in absehbarer Zeit ändern. Doch die Planung im neuen Raumordnungsprogramms macht dem einen Strich durch die Rechnung. Die Rotenburger Stadtwerke wollten mit den Stadtwerken Zeven, der Kommune und der Waffensener Bevölkerung einen Bürgerwindpark schaffen. „Wir waren diesbezüglich guter Dinge“, sagt Rotenburgs Stadtwerke-Chef Reinhard David. Doch die Nähe zum bestehenden Windpark Hassendorf mit nur rund 2,3 Kilometern und Naturschutzgründe verhindern nun die Ausweisung zur Vorrangfläche. „Raumbedeutsame Windenergieanlagen“, heißt es in der Behördensprache, seien damit ausgeschlossen – also größere Windräder mit einer Nabenhöhe von rund 200 Meter und Rotorblattdurchmessern von 60 Meter. Dass diese verboten sind, „muss nicht unbedingt ein Nachteil sagen“, sagt Ortsbürgermeister Hartmut Leefers (CDU), der das Projekt in seinem Dorf andererseits durchaus gern gesehen hätte. Leefers: „Ob jeder über die großen Anlagen erfreut wäre, bleibt nun wohl unbeantwortet.“

Zumindest im großen Maßstab. Denn gegen die Beurteilung durch den Landkreis werde man wohl nicht vorgehen, bestätigt David. Auch wenn Landrat Herrmann Luttmann stets betont hat, der Entwurf sei nur eine Diskussionsgrundlage und Fehler seien durchaus möglich, attestiert der Stadtwerke-Chef: „Der Landkreis hat wie immer sauber gearbeitet.“ Die Gründe seien plausibel. Es bleibe aber ein Hintertürchen offen: Durch die in diesem Jahr bereits von der Stadt auf den Weg gebrachte Änderung des Flächennutzungsplans besteht weiterhin die Möglichkeit, kleinere Windkraftanlagen aufzustellen, die als „nicht raumbedeutsam“ eingestuft werden. David: „Wir werden prüfen, ob mit diesen kleineren Anlagen wirtschaftlich etwas zu gestalten ist.“ Die Grundstückseigentümer aus der Region hätten bereits ihr Wohlwollen signalisiert.

Auf einer weiteren Fläche des Stadtgebiets, die zur Erweiterung des bestehenden Windparks Bartelsdorf zu zählen ist, dürfen dagegen auch größere Anlagen gebaut werden: „Solche Anlagen könnten auf der dargestellten Fläche zwischen Wohlsdorf, Hemsbünde und Rotenburg errichtet werden, wenn sich ein Investor findet, die Grundeigentümer ihre Flächen verkaufen oder einer Errichtung zustimmen sowie die betreffende Gemeinde eine entsprechende Bauleitplanung aufstellt“, so Rotenburgs Stadtplaner Clemens Bumann. Es wären die ersten Windräder dieser Dimension in der Kreisstadt. Bumann: „Die Folgen für Rotenburg wären in erster Linie visueller Art, die Auswirkungen sind, was diese Fläche angeht, auf die Baugebiete an der Brockeler Straße begrenzt.“

Ob sich die Stadtwerke daran beteiligen, lässt Reinhard David noch offen. „Wir wollen das noch nicht ganz abschreiben.“ Grundsätzlich sei Windkraft auch kein „Allheilmittel“ in der Frage sauberer Energie, sondern nur eine „sinnvolle Ergänzung“. Bislang sei das Problem der Stromspeicherung eben nicht gelöst.

Rotenburger Flächen für Windkraft

Nach dem Entwurf für das Regionale Raumordnungsprogramm sind 1,16 Prozent der Kreisfläche, 2407 Hektar, als Vorrangfläche für Windenergie vorgesehen. Die Fläche hat sich damit nach den Vorgaben von 2005 verdoppelt. Bislang gab es 16 Vorrangstandorte. Teilweise wurden diese nun erweitert, neue kamen hinzu. Kreisweit lieferten 2014 insgesamt 161 Windräder 44 Prozent der hier eingespeisten Bio-Energie. 48 Potenzialflächen sind neu berechnet worden, übrig blieben 18 Vorranggebiete, die nicht gegen Ausschlusskriterien wie Mindestabstände zu Wohnbebauung oder Naturschutzgebiete verstoßen. Das größte Gebiet liegt in Wilstedt mit 317 Hektar, es folgen Ostervesede (267 Hektar), Bartelsdorf/Brockel (260), Weertzen/Langenfelde/Boitzen (185), Alfstedt/Ebersdorf (176) und Wohnste (165). Im Altkreis gibt es zudem „Vorranggebiete Windenergienutzung“ in Fintel, Wohlsdorf/Rotenburg und Kirchwalsede.

Die Potenzialfläche 34 umfasst das bestehenden Vorranggebiet Bartelsdorf und Erweiterungsflächen. Dort stehen bereits insgesamt 18 Windenergieanlagen. Die 664 Hektar große Fläche wird nun in Teilen neu ausgewiesen. In Richtung Rotenburg kommen nach Einschätzung der kreiseigenen Raumplanung Gebiete im Osten der Stadt zwischen Wohlsdorf und Hemsbünde (Fuchsberg, Ahlsdorf) infrage.

Die Potenzialfläche 39 südlich von Hassendorf/Waffensen ist als Standort mit einer Größe von 58 Hektar geprüft worden. Der Landkreis hat ihn aber als nicht geeignet für Windkraftnutzung kategorisiert. Die Fläche liegt mit der Reithbachniederung in einem Gebiet, das die Voraussetzungen für ein Landschaftsschutzgebiet aufweist. Es handele sich um einen Landschaftsbereich, der durch Hecken und Bäume strukturiert sei und eine landschaftliche Wertigkeit besitze.

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