Hohe Inzidenzwerte

Corona-Notbremse: Ab Montag Ausgangssperre im Landkreis Rotenburg

Ein Corona-Selbsttest zeigt ein negatives Testergebnis an.

Der Inzidenzwert sinkt nach Angaben des RKI am Sonntag auf 94, dennoch ist der Landkreis Rotenburg Hochinzidenzkommune. Ab Montag gelten deshalb die Notbremse-Regelungen.

Update vom 2. Mai: Zwar ist die Sieben-Tage-Inzidenz nach drei Tagen über 100 am Sonntag nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) wieder auf 94 gesunken, dem Landkreis Rotenburg nützt das aber nichts: Ab Montag greift vorerst die Notbremse, eine neue Allgemeinverfügung tritt in Kraft. Sie gilt so lange, bis der Landkreis an fünf aufeinanderfolgenden Tagen wieder einen Inzidenzwert unter 100 verzeichnet.

Das bedeutet unter anderem für die weiterführenden Schulen den Wechsel in den Distanzunterricht. Die Rotenburger Schulen sind darauf vorbereitet. Aus Sicht von Iris Rehder, Leiterin des Rotenburger Ratsgymnasiums, geht Niedersachsen den richtigen Weg. Das Land macht die Schulen schon ab einer Inzidenz von 100 Neuinfektionen binnen sieben Tagen in Bezug auf 100 000 Einwohner dicht – die bundesweite Regelung sieht einen solchen Schritt erst ab einer Inzidenz von 165 vor. Und weil die Inzidenz an drei Tagen über dem Wert von 100 gelegen hat, bleiben die Schüler der weiterführenden Schulen von Montag an zu Hause. Das kennt man schon. Nicht zuletzt deshalb geht Rehder relativ entspannt damit um: „Wir sind vorbereitet.“ Die nötigen Informationen erhalten die Schüler und Eltern zwar direkt, aber sie sind auch über die Homepage sowie den Schulserver verfügbar. Zurzeit befinden sich zwei zehnte Klassen aufgrund von jeweils einem betroffenen Schüler in Quarantäne. Nicht zuletzt deshalb, aber vor allem mit Blick auf die Notbremse sagt Rehder: „Wir halten uns zwar sehr strikt an das Hygienekonzept, aber wir wissen eben auch um die Risiken.“ Dabei habe sich der Schüler-Schnelltest als wertvoll erwiesen – darüber haben die Jugendlichen von ihrer Infektion erfahren.

Drei Schüler der IGS hat das Coronavirus ebenfalls in diesen Tagen erwischt. „Wir merken: Das steigt an“, sagt IGS-Schulleiter Sven Thiemer. Seit Tagen schon beobachte man sehr genau die Entwicklung der Zahlen – und zwar „voller Sorge“. Die Eltern seien ob der Konsequenzen vorgewarnt worden. Thiemer zeigt Verständnis: „Wir als Lehrer spüren zwar eine Unsicherheit, aber für die Eltern ist das alles eine viel größere Belastung.“ Daher spricht er von einer „angespannten Situation“ in der Schule, von einem „Gefühl der Unruhe“. Ebenso wie im Ratsgymnasium ist die IGS auf das „Szenario C“ gut vorbereitet. Dennoch habe dieses Wechselspiel zur Folge, „dass man nicht wirklich planen kann“, so Thiemer. Ob der niedersächsische Weg hin zur Notbremse für die Schulen ab einer 100er-Inzidenz richtig ist, vermag er nicht zu beurteilen. Aber: „Die Zahlen steigen, auch bei uns.“ Vermutlich sei es also der Weg, der zu gehen ist. Und auf dem bewegen sich alle mindestens für eine Woche.

Update vom 1. Mai: Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 103,2 überschreitet der Landkreis nun drei Tage in Folge den kritischen Wert von 100. Damit tritt ab Montag eine neue Allgemeinverfügung in Kraft. Sie gilt so lange, bis der Landkreis an fünf aufeinanderfolgenden Tagen wieder einen Inzidenzwert unter 100 verzeichnet. „Die Ausbrüche in Rotenburg und Zeven zeigen, dass sich die britische Mutation des Virus schnell verbreitet und den Inzidenzwert steigen lässt. Aber auch die vielen einzelnen Ausbruchsgeschehen erhöhen die Gesamtzahl“, so Landrat Hermann Luttmann zu der Entwicklung am Samstag.

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Ab Montag gibt es eine Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr. Als Einzelperson ist aber zum Beispiel Sport draußen in dieser Zeit erlaubt. Eine wichtige Änderung ist zudem, dass im ÖPNV nun FFP2-Masken Pflicht sind und einfache medizinische Masken nicht mehr ausreichen. Besuche beim Friseur und der Fußpflege bleiben erlaubt, allerdings muss ein negativer Corona-Schnelltest vorgewiesen werden. Unverändert bleibt im Landkreis Rotenburg in Geschäften „Click & Meet“ erlaubt.

Nach den Vorgaben des Landes Niedersachsen bedeutet die Notbremse ab Montag auch für die Schüler, dass sie in den Distanzunterricht gehen müssen. Ausgenommen davon sind Grundschulen, Förderschulen sowie die Abschlussklassen, die weiter im Wechselunterricht beschult werden.

Die Originalmeldung vom 30. April: Rotenburg – Bereits den zweiten Tag in Folge liegt der Sieben-Tage-Inzidenzwert im Landkreis Rotenburg über der 100er-Marke. Das Robert-Koch-Institut meldet am Freitagmorgen einen Wert von 104,4. Sollte er am Samstag nicht unter 100 liegen, tritt ab Montag die sogenannte Notbremse in Kraft. In einer Pressekonferenz bleibt Landrat Hermann Luttmann (CDU) zwar noch vorsichtig, legt den Einwohnern seines Landkreises aber nahe, sich auf die dann verschärften Einschränkungen vorzubereiten.

Es sei noch nicht sicher, ob die Notbremse tatsächlich kommt, so Luttmann am Freitag. Gegebenenfalls werde man am Samstag die Allgemeinverfügung erlassen, die dann ab Montag gelten würde. Luttmann spricht von einer „Beeinträchtigung des allgemeinen Lebens“. Das bedeutet unter anderem eine Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr, Kindergärten schließen und der Schulunterricht findet weitgehend von zu Hause aus statt. Niedersachsen weicht hier vom Bundesgesetz ab, das bei Schulen die Grenze bei einer 165er-Inzidenz zieht.

Ausgangssperre: Kontrollen in der Fläche schwierig

Die bundeseinheitlichen Anti-Corona-Maßnahmen hätten den Aufwand nicht einfacher gemacht, so der Landrat weiter. Er macht deutlich, dass er persönlich von einer Ausgangssperre in einem Flächenlandkreis wie Rotenburg wenig halte. Man sei in Kontakt mit der Polizei, aber eine Kontrolle sei auf dem Land nicht so einfach umzusetzen wie in einer Stadt.

Auch die Leiterin des Gesundheitsamtes, Carmen Menzel, geht nicht von einer zufriedenstellenden Wirksamkeit der Ausgangssperre aus. Diese liege vermutlich eher im unteren Bereich, sagt sie ebenfalls am Freitag. Landrat Luttmann sind allerdings die Hände gebunden: „Das ist jetzt so entschieden, also machen wir das.“

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