Im Warnbereich

Landkreis Rotenburg lässt Zustand der Kreisstraßen erfassen

Schäden an der Ortsdurchfahrt Bartelsdorf.
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17 Prozent der 650 Kilometer Kreisstraßen sind laut der Erfassung in keinem guten Zustand – darunter ist die Ortsdurchfahrt Bartelsdorf.

In welchem Zustand sind die Kreisstraßen im Landkreis Rotenburg? Die Kreisverwaltung hat eine Leipziger Firma mit der Zustandserfassung betraut. Die Ergebnisse stellte ein Vertreter des Unternehmens nun im Ausschuss für Hoch- und Tiefbau vor.

Rotenburg – Gut 650 Kilometer des Straßennetzes im Landkreis Rotenburg bestehen aus Kreisstraßen. Aber wie ist es um die Fahrbahnen bestellt? Die Kreisverwaltung wollte es genau wissen und beauftragte die Leipziger Firma Geonet Solution mit einer umfangreichen Zustandserfassung. Diese hatte sich der Landkreis etwas kosten lassen: 150 000 Euro stecken in dem Auftrag.

Für die Zustandserfassung war das Leipziger Unternehmen im Frühjahr 2020 innerhalb von fünf Werktagen die kompletten 650 Kilometer mit einer Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern abgefahren und hat alle drei Meter mithilfe von acht Kameras sowie einem 360-Grad-Laserscanner Aufnahmen gemacht. Dazu hatte es eine Bestandsaufnahme erstellt: Insgesamt stehen entlang der Kreisstraßen 8 723 Verkehrszeichen, in etwa 60 000 Bäume sowie rund 50 Kilometer Baumreihen.

Viele Straßen knapp außerhalb des Warnbereichs

Das Ergebnis spiegelt sich in acht Zustandsklassen wider – von sehr gut bis sehr schlecht, davon gilt ab Klasse sechs die Warnstufe. Für den Landkreis Rotenburg hat die Verteilung der Straßen in die verschiedenen Zustandsklassen die Form einer Glocke, das bedeutet: Wenige Straßen sind demnach in einem sehr guten bis guten Zustand, 17 Prozent aller Kreisstraßen fallen laut der Erfassung in die Klassen sechs, sieben und acht.

Zwischen beiden Extremen, der ersten und den letzten drei Klassifizierungen, befindet sich der Großteil aller Kreisstraßen, dementsprechend vom Zustand her in den Klassen vier bis fünf – und damit zwar außerhalb des Warnbereichs, aber eben auch teilweise nur knapp davor. „Viele davon könnten in absehbarer Zeit in Klasse fünf und sechs landen, jede Straße verschlechtert sich ja auch mit der Zeit – von daher ist die Verteilung für uns wirklich nicht glücklich“, erläuterte Gert Engelhardt vom Amt für Straßenbau bei der Präsentation des Ergebnisses vor dem Ausschuss für Hoch- und Tiefbau. „Um dem allerdings entgegenzuwirken, müsste der Landkreis natürlich viel Geld in die Hand nehmen.“

Bauchschmerzen bei der „Moorautobahn“

Der Handlungsbedarf richtet sich allerdings nicht nur nach der Klassifizierung, auch das Alter und die Nutzungsintensität fließen in die Betrachtung mit ein: „Wir haben Kreisstraßen, die sind bessere Feldwege. Wenn die in schlechtem Zustand und mit sieben oder acht klassifiziert sind, macht mir das weniger Bauchschmerzen, als zum Beispiel die Moorautobahn in Klasse vier oder fünf – denn die trockenen Sommer in den vergangenen Jahren waren für die Straße katastrophal“, betonte Engelhardt mit Blick auf die K102 von Bremervörde nach Gnarrenburg, die in weiten Teilen laut der Zustandserfassung erhebliche Mängel aufweist. „Es ist also vielschichtig, nicht nur die Zustandsklasse spielt eine Rolle“, so Engelhardt weiter. „Aber die Erfassung ist ein wichtiger Teil dessen, den Blick auf die Kreisstraßen auf neue Beine zu stellen. Auf diesen Daten können wir aufbauen und einen Blick auf die Verkehrsbelastung werfen.“

Mit der Zustandserfassung bietet sich uns jetzt die Sicht eines Dritten.

Gert Engelhardt

Das sah auch der Erste Kreisrat Torsten Lühring so: „Wir haben jetzt eine umfangreiche digitale Grundlage.“ Zuvor hatte die Beurteilung im Ermessen der jeweiligen Straßenmeistereien – Rotenburg für den Südkreis, Sandbostel für den Nordkreis – gelegen. „Mit der Zustandserfassung bietet sich uns jetzt die Sicht eines Dritten, und die Einschätzungen der beiden Straßenmeistereien sind einmal geeicht“, war Engelhardt der Meinung.

Neben den Kreisstraßen erfasste Geonet Solution auch den Zustand der dazugehörigen Radwege. Dort sah die Verteilung positiver aus: Nur drei Prozent der Gesamtstrecke verteilen sich auf die Klassen sechs bis acht, der Großteil ist in einem guten Zustand.

Datenmenge als Herausforderung

Was auch eine Herausforderung für den Landkreis darstellte: Die Menge an Daten einzuarbeiten, nachdem das Unternehmen das Material im Oktober 2020 übergeben hatte. „Das hat uns viel Zeit gekostet. Allein der Sicherheitscheck, den alle Daten von außen beim Landkreis durchlaufen müssen, war aufgrund der großen Datenmenge aufwendig“, so Engelhardt. Die notwendige Software hatte zudem erst im August beim Landkreis eingerichtet werden können.

Ein Aufwand, der sich aus Sicht des Kreises gelohnt hat. „Allein durch die acht Kameras ist der Eindruck schon komfortabel“, so Engelhardt. „Durch die Aufnahmen ist es möglich, sich die Straße quasi ins Büro zu holen“, erklärte Sebastian Radig von Geonet Solution dem Ausschuss für Hoch- und Tiefbau. Er riet zudem, die Erfassung alle fünf Jahre zu wiederholen. „Aber wir haben in der Zusammenarbeit mit den beiden Straßenmeistereien gelernt: Die Leute kennen sich hier verdammt gut aus.“

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