Landkreis Rotenburg bereitet sich auf Volkszählung vor

Zensus 2022: Alle da?

Blick in die Rotenburger Fußgängerzone
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Wie viele Menschen leben in Rotenburg? Diese Frage soll der Zensus klären.

Rotenburg – Wie viele Menschen leben eigentlich genau in Deutschland? Gibt es genügend Wohnraum für alle? Und wie viele Menschen arbeiten im Landkreis Rotenburg? Eine Auskunft dazu wird der Zensus im Jahr 2022 geben.

Die allgemein eher als Volkszählung bekannte Methode soll unter anderem präzisere Daten für statistische Kennzahlen wie das Bruttoinlandsprodukt liefern. Nach 2011 findet im kommenden Jahr erneut ein EU-weiter Zensus statt und bundesweit betrifft die Stichprobe 10,2 Millionen Personen aus 2,2 Millionen Haushalten. Im Landkreis Rotenburg werden dabei etwa 17 000 Personen von fast 5 000 Adressen befragt. Die Ergebnisse werden allerdings erst ab 2023 nutzbar sein.

Ziel der Zensuserhebungsstellen ist in erster Linie die Existenzfeststellung. Es wird überprüft, ob die in amtlichen Registern gemeldeten Personen tatsächlich in den Haushalten wohnen. Darüber hinaus findet ebenfalls eine Zählung von Gebäuden und Wohnungen statt. In kleineren Gemeinden betrifft dieses zweite Ziel allerdings nur einen geringen Teil aus der ausgewählten Stichprobe.

Die erhobenen Daten dienen als Bemessungsgrundlage für den Länder-Finanzausgleich, die Verteilung von EU-Fördergeldern und die kommunale Planung für die Lokalpolitik.

Da es in Deutschland kein einheitliches Verwaltungsregister gibt, das den Bestand an Wohnungen und Gebäuden flächendeckend erfasst, ist der Zensus in den kommenden Jahren die Hauptgrundlage für wohnungspolitische Entscheidungen und Maßnahmen der geordneten städtebaulichen Entwicklung.

Derzeit laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Unter der Leitung von Andreas Sprenger findet im Landkreis nun die erste Vorbefragung statt, damit ab dem Stichtag, 15. Mai 2022, beim Zensus „alles möglichst rund läuft“.

Ursprünglich war der Termin für den Zensus bereits in diesem Jahr angesetzt, aufgrund der Pandemie wurde er aber verschoben. Deshalb will das Bundesamt für Statistik die Personenerhebung nach einer „Online-First-Strategie“ abhalten, um den persönlichen Kontakt zu vermeiden. Wer online nicht teilnehmen kann, wird telefonisch befragt. Neben der geringeren Belastung für die Befragten sei so auch der Papiereinsatz deutlich geringer.

Der hohe Verwaltungsaufwand verdeutlicht sich anhand einer Hochrechnung der Formulare vom Zensus 2011. „Die Menge an Papierfragebögen übereinandergestapelt ergäbe einen Berg, der höher wäre als der Mount Everest“, erläutert Projektleiter Andreas Sprenger. Dabei wurde zum Beispiel deutlich, dass es unter den 83 Millionen Menschen in Deutschland mehr Frauen als Männer gibt. Trotz der digitalen Verwaltung benötigt die Zensuserhebungsstelle noch einige Interviewer, von denen zwischen 140 bis 150 eingestellt werden sollen. Das Pensum eines einzelnen Erhebungsbeauftragten sei für Studenten ausgelegt. Lediglich eine Schulung ist für das vergütete Ehrenamt nötig.

Die Auszählung der Daten wird einiges an Zeit beanspruchen, sodass mit Ergebnissen frühestens im Jahr 2023 gerechnet werden kann. Da beim Zensus eine Menge sensibler Daten eingefordert werden und eine Auskunftspflicht gilt, ist man den Teilnehmern einen hohen Datenschutzstandard schuldig.

Im dazugehörigen Zensusgesetz von 2019 steht festgeschrieben, dass die Daten vier Jahre nach dem Zensusstichtag wieder vernichtet werden müssen. Dem Bundesamt für Statistik werden die Daten ebenfalls nur anonymisiert zur Verfügung gestellt. Obwohl die Daten von den Verwaltungen des Landkreises erhoben werden, gilt eine Abschottung gegenüber der Verwaltung.

Außerdem besteht ein Rückspielverbot: Die Daten dürfen nur in eine Richtung – hin zur amtlichen Statistik – fließen. Selbst die Erhebungsbeauftragten können nur schwer auf die Informationen zugreifen. „Allein bei der Menge an Passwörtern, die ein Fremder eingeben müsste, um auf die persönlichen Informationen zugreifen zu können, verdeutlicht den hohen Datenschutzstandard“, so der stellvertretende Projektleiter Lothar Greif.

Von Nils Dahle

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