Landkreis muss Busverkehr ausschreiben / Tourow-Beitrag steigt

Wie viel Nahverkehr ist bezahlbar?

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Der Landkreis muss sich fragen, ob er aus der Subventionierung einzelner Linien aussteigen muss. Archivfoto: Menker

Rotenburg - Zwei Fahrgäste in der Nachtlinie? Haltestellen, die verwaisen? Nach der großen Pause zu jeder Schulstunde ein Bus zurück? Der Landkreis wird in den kommenden Monaten und Jahren genau rechnen müssen, welche Bereiche des Nahverkehrs er sich noch leisten will. Das wurde am Donnerstag im Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr deutlich. Zum August 2019 stehen sämtliche Liniengenehmigungen zur Neuerteilung an, bis zum Sommer 2017 müssen die Kriterien für die öffentliche, europaweite Ausschreibung erarbeitet werden.

Erster Kreisrat Torsten Lühring machte während der Sitzung im Rotenburger Kreishaus deutlich, dass das gesamte System auf den Prüfstand komme. „Es gibt jetzt faktisch keine eigenwirtschaftliche Buslinie mehr in der Region.“ Über die Verkehrsverbünde und den Schultransport sei „alles subventioniert“. Neun Millionen Euro jährlich pumpe der Landkreis in die aktuellen Strukturen. Die „Mammutaufgabe“, jetzt alles zu hinterfragen, berge aber auch Chancen. Lühring: „Es gibt die Riesenchance, Dinge anders zu machen.“ Halte man am Status Quo fest, ergäbe sich allein durch das Tariftreuegesetz eine Kostensteigerung von rund einem Viertel. Im Klartext: Will der Landkreis nicht mehr ausgeben, müsste jede vierte Verbindung gestrichen werden oder andere Einsparpotenziale aufgedeckt werden. Wo die liegen, müsse nun erkundet werden.

90 Prozent des Busverkehrs im Landkreis Rotenburg sei Schülerbeförderung, verdeutlichte Lühring die Bedeutung dieses Themas. Hier müsste also angesetzt werden, um auch noch Luft für andere Bereiche zu haben. Denkbar sei eine Flexibilisierung der Schulanfangszeiten, gebündeltere Abfahrtszeiten nach Schulschluss, also ein insgesamt effizienteres System, hieß es im Ausschuss. Um das zu erreichen, seien aber noch schwierige Verhandlungen mit den Schulen und den Kommunen zu erwarten. Lühring brachte sogar die Idee ins Spiel, dass der Landkreis selbst den Fahrkartenverkauf übernehme und nur noch Buskilometer miete – um mehr Kontrolle im Abrechnungssystem zu erlangen. Wie das Gesamtsystem des Busverkehrs für die Jahre 2019 bis 2027 aber genau aussehen könnte, sei noch völlig offen – es stehe viel Arbeit für Politik und Verwaltung an.

Teurer wird es für den Landkreis auch im Bereich Tourismus. Der Touristikverband Landkreis Rotenburg (Tourow) hatte in der vergangenen Woche beschlossen, die kommunalen Mitglieder stärker zur Kasse zu bitten. Der jährliche Beitrag des Landkreises steigt damit von 37100 Euro auf 45166 Euro. Der Ausschuss gab einstimmig die Empfehlung ab, die Erhöhung mitzugehen und den Posten im Haushalt aufzustocken. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Rolf Lüdemann (CDU) betonte den Erfolg, den die Werbemaßnahmen des Tourow für alle wirtschaftlichen Bereiche hätten. „Der Tourow leistet gute Arbeit, die den Beitrag wert ist.“

mk

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