Landkreis legt Tourismus-Studie vor / 500000 Besucher übernachten

Eine Million Tagesgäste

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Wandern, wie hier auf dem Naturpfad Wümmerniederung, steht bei Touristen im Landkreis Rotenburg hoch im Kurs.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Wie viele Gäste kommen pro Jahr in den Landkreis Rotenburg? Lange gab es keine genauen Zahlen, und die vorhandenen waren meist lückenhaft. Grund genug für die Kreisverwaltung, eine genaue Studie zu diesem Thema in Auftrag zu geben. Ihre Ergebnisse wurden nun veröffentlicht. Sie geben Auskunft über die Zahl der Touristen, wie lange sie bleiben und warum sie überhaupt in den Landkreis gekommen sind.

„Die Zahl der Übernachtungsgäste ist durchaus sehr imposant“, so Thilo Ramms von „regecon“ – der für diese Studie beauftragten Gesellschaft aus Tostedt – bei der Vorstellung der Studie gegenüber Vertretern aus Kreispolitik und des Touristikverbandes des Landkreises (Tourow) sowie der Gastronomie. Für die Studie haben er und seine Mitarbeiter unter anderem mehr als 1600 Fragebögen ausgewertet, die nun die Grundlage einer Hochrechnung waren.

So kommen nach dieser 517200 Gäste im Jahr in den Landkreis, die hier über eine oder mehrere Nächte bleiben – zusammengenommen gibt es 1300585 Übernachtungen. Der kleinere Teil dieser Gäste, 205268, sei im „amtlichen Markt“, etwa herkömmlichen Hotels, angesiedelt, so Ramm. Die Zahl der bisher kaum erfassten Gäste im „grauen Markt“ – etwa Übernachtungen bei Freunden oder in Krankenhäusern – liegt bei 311942 Menschen.

Die Städte und Gemeinden mit den meisten Übernachtungen sind Zeven (über 200000) Rotenburg und Scheeßel (jeweils über 160000). Scheeßel profitiert besonders vom Hurricane-Festival, das alleine schon etwa 60000 Menschen anlocke, die dort über Nacht bleiben (150000 Nächte). Die Gemeinde Zeven profitiere von der Gyhumer Reha-Klinik. Laut Ramms gebe es große Unterschiede zwischen Nord- und Südkreis. „Die Nähe zur Autobahn spielt eine gewisse Rolle“, erklärt Ramms – viele der Gäste seien auf der Durchreise. Kreisweit bleiben die meisten der Gäste tatsächlich nur über eine (etwa 130000) oder zwei (etwa 220000) Nächte hier.

Die touristisch stärksten Monate im Landkreis sind – vom Hurricane-Monat Juni als einsame Spitze abgesehen – August und Oktober. „Das ist ein klassischer Saisonverlauf“, so Ramms. Die Bewertung des Besuchs sei im Allgemeinen eine gute. Dennoch wünschen sich viele eine bessere Beschilderung von Radwegen – das gelte besonders für den Nordkreis – oder Verbesserungen im öffentlichen Personennahverkehr oder im Mobilfunknetz.

1005963 Menschen sind hochgerechnet Tagesgäste im Landkreis. Diese waren besonders definiert – beispielsweise fiel eine Geschäftsreise nicht in diese Kategorie oder die Entfernung zum Heimatort musste mindestens 20 Kilometer betragen. Etwa ein Drittel der Tagesgäste würde laut Ramms selber aus dem Landkreis Rotenburg kommen, der Rest aus dem näheren Umland.

Interessant sei, dass das Internet als Informationsquelle bei Übernachtungs- und Tagesgästen komplett verschiedene Rollen spielt. Für erstere sei es die Hauptinformationsquelle, Tagesreisende bauen mehr auf die eigene Erfahrung und Broschüren sowie Flyer.

Die Touristen im Landkreis kommen zu etwa 90 Prozent aus Deutschland. Genauer: 60 Prozent aus Niedersachsen. Die meisten ausländischen Gäste sind, so haben es Ramms und seine Kollegen errechnet, Niederländer (5 Prozent). „Viele von ihnen sind mit ihren Wohnwagen auf der Durchreise nach Skandinavien“, so Ramms. Allerdings gebe es auch viele, die noch Kontakte nach Zeven haben – aus der Zeit, als die Kaserne Seedorf noch zur niederländischen Armee gehörte.

Im Vergleich mit in Deutschland touristisch starken Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin spielt der Landkreis insgesamt eine untergeordnete Rolle, aber: „Bei Geschäftsreisenden ist der Anteil mit 107 Prozent des Durchschnitts über dem Mittelmaß.“ Allerdings ist die Zahl der Tagesgäste pro Einwohner im Landkreis mit 6,2 wieder unterdurchschnittlich. Zur Einordnung: In der Metropolregion Hamburg liegt dieser Wert bei 13,4, im Landkreis Osterholz sogar bei 19,9.

„Eine Handlungsempfehlung“, so Ramms bei der Präsentation, „wollen wir noch nicht geben“. Es stehe eine weitere Studie aus, die Lukrativität und die Wirtschaftlichkeit des Tourismus im Landkreis analysiere. Diese wolle er abwarten.

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