Landkreis legt Sachstandsbericht zum Thema Asyl vor

99 Prozent mehr Leistungsberechtigte

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Platz für bis zu 150 Personen bietet die ehemalige Lungenklinik Unterstedt. Die Stadt Rotenburg möchte dort in Zukunft die ihr zugewiesenen Asylbewerber zentral unterbringen. Es ist dann die größte derartige Einrichtung im Landkreis.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Einen rasanten Anstieg an Asylleistungsberechtigten hat der Landkreis Rotenburg innerhalb eines Jahres erfahren. So erhielten Ende Oktober 1268 Personen entsprechende Aufwendungen, am 31. Oktober 2014 lag die Zahl noch bei 637 Personen – eine Steigerung um 99 Prozent. Das geht aus einem Sachstandsbericht hervor, den die Landkreis-Verwaltung dem Ausschuss für Gesundheit, Senioren und Soziales am Mittwoch vorstellte.

Ein Großteil der Leistungsberechtigten – Personen, die einen Asylantrag stellen dürfen – kommt dabei aus den Balkanstaaten. Montenegro ist mit 218 Personen sogar das Hauptherkunftsland, gefolgt von der Elfenbeinküste mit 151 Personen und Serbien mit 124 Personen.

Heike von Ostrowski, die den Bericht den Ausschussmitgliedern vorstellte, erwartet in den kommenden Monaten allerdings eine Verschiebung. Montenegro und die ebenfalls zu den Hauptherkunftsländern gehörenden Länder Albanien und Kosovo sind Ende Oktober zu sogenannten sicheren Herkunftsländern erklärt worden. Laut von Ostrowski habe es deshalb bereits erste freiwillige Abreisen gegeben.

Bislang hätten es die Kommunen geschafft, ihre zugewiesenen Asylbewerber dezentral unterzubringen – also in kleineren Häusern oder Wohnungen. Doch der Trend geht in Richtung größere Unterkünfte. 20 Personen oder mehr würden jetzt vermehrt in größere Objekte untergebracht werden.

Eine Samtgemeinde habe beispielsweise ein Hotel angemietet, in dem 32 Personen unterkommen. Die größte zentrale Einrichtung wird in Zukunft die ehemalige Lungenklinik in Unterstedt sein, in der die Stadt Rotenburg bis zu 150 Asylbewerber unterbringen wird. Andere Kommunen sind nach Angaben des Landkreises derzeit in Gesprächen, um Häuser für bis zu 30 Personen anzumieten, oder sie bauen Turnhallen zu Unterkünften um.

Die Landkreis-Verwaltung rechnet damit, in diesem Jahr über neun Millionen Euro für die Asylbewerber aufwenden zu müssen. Dem stehen Einnahmen von etwa 5,05 Millionen Euro gegenüber – aus Mitteln des Landes Niedersachsen und des Bundes. So stammen 2,37 Millionen Euro aus der Kostenabgeltungspauschale des Landes sowie 2,66 Millionen Euro aus einem zusätzlichen Unterstützungspaket von Bund und Land, von denen wiederum 919000 Euro auf die Kommunen im Landkreis aufgeteilt werden.

Von diesem Geld stand bislang noch ein Drittel der Summe aus. Der entsprechende Bescheid kam allerdings in der letzten Woche im Kreishaus an. Wie die Kommunen das Geld nutzen, bleibt ihnen überlassen. „Sie verwenden es sehr vielfältig“, so Antje Brünjes, Leiterin des Sozialamtes. Im Jahr 2014 musste der Kreis noch etwa 3,88 Millionen Euro aufwenden, gegenüber einem Ertrag in Höhe von 1,7 Millionen Euro.

Abschließend erkannte der Ausschuss die Leistungen der Landkreis-Mitarbeiter in der Bewältigung der Flüchtlingssituation an.

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