Landkreis informiert über erhöhte Krebszahlen / Bürgermeister Weber fordert Handeln

„Bis jetzt gibt es nur eine Hypothese“

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Michael Hoopmann vom Landesgesundheitsamt (v.l.), Gesundheitsamt-Leiter Frank Stümpel, Landrat Hermann Luttmann, Joachim Kieschke vom EKN und BI-Vertreterin Kathrin Otte versuchten, Antworten zu geben.

Rotenburg - Von Michael Krüger. „Und wieder sitzen wir hier und sagen: Wir wissen nichts.“ Kathrin Otte, zweite Vorsitzende des „Gemeinnützigen Netzwerks für Umweltkranke“ (Genuk), brachte es am Dienstagabend nach über zwei Stunden Informationen und Diskussionen auf den Punkt, was im Rotenburger Kreishaus an den Nerven vieler Anwesender zerrte: Der Landkreis hatte zur Informationsveranstaltung zu den vermehrten Leukämie- und Lymphomerkrankungen auch im Raum Rotenburg geladen, doch außer den reinen Zahlen aus den Daten des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN), die seit Anfang vergangener Woche bekannt sind, und der Mitteilung, dass nach Ursachen geforscht werde, gab es keine Neuigkeiten.

Der Stand bleibt dieser: In der Samtgemeinde Bothel und in Rotenburg sind ältere Männer häufiger an diesen Krebsarten und insbesondere am „Multiplen Myelom“ erkrankt, mögliche Ursachen sollen durch Literaturstudien und die Umfrageaktion der Bürger Bothels herausgefiltert werden. Umweltepidemiologe Michael Hoopmann vom Landesgesundheitsamt nahm aber denjenigen Besuchern die Hoffnung, die glauben, dass ein einfacher Zusammenhang mit der Erdgasförderung hergestellt werden kann: „Es ist kein Umweltrisiko bekannt, das allein für das Multiple Myelom spezifisch ist.“ Auch das vielfach angeführte Benzol könne verschiedene Arten Krebs auslösen. Also blieben die Vertreter der Behörden – Mitarbeiter der Energieunternehmen waren nicht vertreten – vage.

Zwar positionierte sich auch Landrat Hermann Luttmann (CDU), indem er der zum Teil sehr deutlichen Kritik vor allem aus Kreisen der Vertreter von Bürgerinitiativen an seiner passiven Haltung in dieser Sache entgegnete: „Ich bin derjenige, dem am meisten daran gelegen ist, die Ursachen zu finden.“ Aber erst Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) erntete lautstarke Zustimmung aus dem Publikum, als er über langwierige Untersuchungen hinaus ein sofortiges Handeln forderte. Entgegen bisheriger Äußerungen positionierte er sich klar in der Frage der möglichen Verursacher: „Bis jetzt gibt es nur eine Hypothese“, sagte er – und die deute auf einen Zusammenhang mit der Erdgasförderung hin.

Weber: „Ich gehe jetzt mit einer anderen Haltung heraus.“ Er sei nun viel überzeugter davon, dass etwas geschehen muss. „Wenn das die einzige Hypothese ist, müssen wir aktiv werden.“ Konkret: strengere Überwachung der Konzerne. Dass es derzeit nur einen „Verdacht“ gebe, bestätigte auch Michael Hoopmann vom Landesgesundheitsamt. Er lasse aber auch offen, ob sich aus der Umfrage in Bothel eine weitere Hypothese ergebe. Vielleicht gibt Energiekonzern „ExxonMobil“ ja selbst Antworten. Passend zur Informationsveranstaltung im Kreishaus hat das Unternehmen gestern mitgeteilt, dass es für 21. Juli zu einem nächsten „Regionaldialog Erdgas“ nach Hemslingen einlädt.

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