Neuer Landschaftswart ernannt

Landkreis-Entscheidung verärgert die Gemeinde Gnarrenburg

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Landschaftswarten sollen einen stets wachsamen Blick auf die Natur haben, insbesondere auf landwirtschaftlich genutzte Flächen. Nun gibt es erneut Ärger um die Besetzung des Ehrenamts.

Rotenburg/Gnarrenburg - Von Stephan Oertel und Michael Krüger. Der Kreisausschuss hat sich über die Gemeinde Gnarrenburg hinweggesetzt und Klaus Schomaker zum neuen Landschaftswart ernannt. Im Gnarrenburger Rathaus ist man darüber sauer. In allen anderen Gemeinden können die bisherigen Amtsinhaber dagegen weitermachen.

Aus Sicht der CDU ist der jetzige Gnarrenburger Landschaftswart Hans-Walter Ahrensfeld der Aufgabe „im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Landwirtschaft vermittelnd und ausgleichend zu wirken“ nicht nachgekommen. Woran es genau hakt, erklärt die die Kreistagsmehrheit anführende Partei allerdings nicht. Stattdessen versuchte die CDU ihren Kandidaten Klaus Schomaker durchzusetzen. Im Verwaltungsausschuss der Gemeinde ist sie damit gescheitert, der sprach sich mehrheitlich gegen den Augustendorfer aus. Es folgte ein zweiter Anlauf über den Kreisausschuss, der letztlich die Entscheidung trifft. Und zwar über die Jägerschaft Bremervörde. Diesmal mit Erfolg. Die Kreispolitiker stimmten in der vergangenen Woche in nicht öffentlicher Sitzung mehrheitlich für Schomaker.

Der Vorgang sorgt in mehrfacher Hinsicht für Irritationen. Denn ein Vorschlagsrecht für die Landschaftswarte haben offiziell nur die Gemeinden und die Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände. Letztere haben sich für Ahrensfeld ausgesprochen und auf Anfrage der Kreisverwaltung noch Ende Mai erklärt, keinen belegbaren Grund dafür zu sehen, von diesem Vorschlag abzurücken.

Pikant ist, dass die Jägerschaft Mitglied der Arbeitsgemeinschaft ist, mithin also beteiligt war, als diese sich für Ahrensfeld entschied. Dass sie diesen Beschluss dann torpediert und mit Schomaker einen eigenen Kandidaten benannt hat – dazu auch noch nach Ablauf der vom Landkreis gesetzten Frist – verwundert nicht nur Gnarrenburgs Bürgermeister Axel Renken (SPD).

Richtig verärgert ist er darüber, dass der Kreisausschuss sich über die Gemeinde hinweggesetzt und einen Landschaftswart ernannt hat, den die Gnarrenburger ausdrücklich nicht wollten. Dabei habe doch gerade die neue Mehrheitsgruppe aus CDU, WFB, FDP und Freien Wählern vor und nach der Kommunalwahl versprochen, im Konsens mit den Gemeinden handeln zu wollen.

Dass es mit Ahrensfeld zu Beginn seiner ehrenamtlichen Tätigkeit gerade gegenüber Landwirten „im kommunikativen Bereich“ Probleme gegeben hat, hatte Renken eingeräumt und erklärt, dass die Zusammenarbeit nach einem klärenden Gespräch mit ihm gut gewesen sei. Dies habe er gegenüber dem Landkreis auch deutlich gemacht. Ahrensfeld selbst kann sich das Verhalten der CDU ihm gegenüber nicht erklären. Ein persönliches Gespräch mit ihm habe aus Reihen der Union jedenfalls keiner gesucht.

Marco Prietz, Fraktionschef der CDU im Kreistag, verteidigte das Vorgehen der Mehrheitsgruppe. Gnarrenburg sei die einzige Gemeinde, die keine offizielle Stellungnahme zur Wahl beschlossen habe. Alle anderen Gemeinden hätten sich gegenüber der Kreisverwaltung für eine Wiederwahl ihrer Landschaftswarte ausgesprochen. Schließlich sei der Landkreis zuständig für die Benennung von Landschaftswarten und müsse eine Entscheidung treffen. „Da sich der Gnarrenburger Verwaltungsausschuss nicht positioniert hat, musste folglich die Entscheidung auf Kreisebene getroffen werden. Der Vorwurf, die CDU hätte die Gemeinde ,düpiert’, ist daher unberechtigt“, so Prietz. Die Gnarrenburger Abgeordnete Kerstin Klabunde spricht davon, sich „nach intensiven Gesprächen und Abwägungen für die bestmögliche Besetzung dieses Amtes eingesetzt“ zu haben.

Zu den Aufgaben des Landschaftswarts zählt es insbesondere, Meldungen über Umweltsünden in den jeweiligen Gemeinden nachzugehen oder solche selbst aufzuspüren. Zum Beispiel, wenn ein Landwirt vermeintlich zu nahe an Gewässern oder Wegerändern ackert oder jemand Unrat in der Landschaft entsorgt. Gerade die CDU hatte mit dem Landvolk lange gegen die Einführung der Landschaftswarte gewettert. Von „Umweltsheriffs“ und einem Misstrauen gegen die Landwirte war die Rede. Nachdem die Rolle der Landschaftswarte konkret definiert war, konnte sich aber auch die CDU mit ihnen anfreunden. Zuletzt wurde parteiübergreifend gelobt, dass sie oft deeskalierend wirken. Etwa weil sie vor Ort klären, ob überhaupt ein Verstoß vorliegt.

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