Landesweite Bestandsaufnahme nach NDR-Bericht über Bohrschlämme

Ministerien planen den großen Rundumschlag

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Bernd Wölbern

Rotenburg / Hannover - Von Ulf Buschmann. Der Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) über im Erdreich liegende giftige Bohrschlämme schlägt weiter Wellen. Nach der Ausstrahlung des Beitrags im Verbrauchermagazin „Markt“ am Montagabend haben das niedersächsische Umwelt- und das Wirtschaftsministerium sowie das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Sie soll in den kommenden Monaten eine Bestandsaufnahme aller Öl- und Bohrschlammdeponien machen. Dazu gehört auch die einstige Bohrstelle Kallmoor Z1 bei Stemmen.

Insbesondere sie war in den vergangenen Tagen in den medialen Fokus gerückt, weil dort laut NDR-Untersuchung rund 53000 Milligramm Mineralölkohlenwasserstoffe pro Kilogramm Aushub ermittelt wurden. Der Schwellenwert liegt derzeit bei 5000 Milligramm pro Kilogramm. Würde die ehemalige Bohrstelle nördlich von Stemmen und nahe des Naturschutzgebietes Tister Bauernmoor saniert werden, müsste der Boden dort komplett ausgekoffert und und von einem Fachbetrieb entsorgt werden.

Soweit jedoch ist es bislang noch nicht. Nach Auskunft von Inka Burow, Pressesprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums, tagt die Arbeitsgruppe am Freitag erstmals. Im ersten Schritt gehe es darum, sich anhand von Altakten aus dem niedersächsischen Staatsarchiv einen Überblick zu verschaffen. Dabei müssen die Experten 26000 bis 28000 Bohrstellen unter die Lupe zu nehmen. Über die Anzahl der Deponien sei nichts bekannt, erklärt Burow.

Das ist aber nicht die einzige Aufgabe, der sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe widmen müssen. So gilt es laut Burow, eine ganze Reihe von Fragen zu klären: Was ist wann wo abgelagert worden? Auch über die Menge müssen sich die Verantwortlichen einen Überblick verschaffen.

Vor allem aber gehe es darum, wie es um die Bodenbeschaffenheit bestellt ist. Sorgen vorhandene Erdschichten dafür, dass Schadstoffe wie die bei Stemmen festgestellten Mineralölkohlenwasserstoffe nicht ins Grundwasser gelangen? Das alles soll laut Sprecherin Burow so schnell wie möglich geschehen. „Wir reden hier über Monate, nicht über Jahre“, sagt sie.

Die jetzt in Angriff genommene Bestandsaufnahme ist die erste seit 26 Jahren. Damals, im Jahr 1988, hatte der niedersächsische Landtag einen entsprechenden Entschluss gefasst. Darauf aber wollen die Beteiligten laut Burow nicht warten.: „Wir machen das lieber gleich.“

Auf eine schnelle Lösung sind auch die Politiker im Landkreis Rotenburg aus. „Es muss alles auf den Tisch“, sagt Heinz-Günter Bargfrede, Vorsitzender der gemeinsamen Gruppe von CDU und FDP. Er werde in der Fraktionssitzung am Montag den Antrag stellen, dass die Autoren des NDR-Beitrags als Gäste in den Umweltausschuss eingeladen werden, um über ihre Erkenntnisse zu berichten. Bargfrede hofft, dass sich der Nebel der Erkenntnis in zwei Wochen gelegt hat. Vorher könne er, Bargfrede, sich kein Urteil bilden. Ähnlich sieht es sein Kollege Jan-Christoph Oetjen von der FDP.

In die gleiche Richtung stößt die Mehrheitsgruppe von SPD, Grünen und Wählergemeinschaft Freier Bürger (WFB). So kommt es für Bernd Wölbern (SPD), Vorsitzender der Gruppe, jetzt darauf an, sich die Untersuchungsergebnisse des NDR genau anzusehen und dann gegebenenfalls auch als Landkreis aktiv zu werden. Sind die Aussagen des Fernsehsenders zutreffend, werde man wohl alle ehemaligen Bohrschlammgruben genauer unter die Lupe nehmen müssen. Eine Aufklärung der Widersprüche zwischen den Untersuchungsergebnissen fordert auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil.

„Die Leute brauchen einen Ansprechpartner vor Ort“, stellt Manfred Damberg von den Linken eine konkrete Forderung auf. Er mahnt außerdem ein Überwachungskonzept vom Landkreis an. Es gelte insbesondere, die Anwohner aufzuklären. „Das Kernproblem ist die fehlende Information“, ist sich Damberg sicher.

Wann und wie dies geschieht, ist derzeit nicht klar. Allem Anschein nach müssen die Messergebnisse seitens des Landkreises als zuständige sogenannte Unterer Wasserbehörde selbst erst einmal genau unter die Lupe genommen werden. Vorher werde sich niemand äußern, teilte die Sprecherin Christiane Huchzermeier bereits gestern auf Nachfrage der Rotenburger Kreiszeitung mit.

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