Landesraumordnungsprogramm: Knapp 100 Borcheler forcieren die Debatte

Fast das halbe Dorf kommt aus Angst in den Ausschuss

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Die Kuh Smilla aus Borchel blieb draußen, aber die Bauern besuchten die Ausschusssitzung im Ratssaal – „nicht um Alarm, sondern um auf uns und unsere Situation aufmerksam zu machen“, wie sie betonten. Denn sie sorgen sich um ihre Zukunft.

Rotenburg - Von Guido Menker. Der Rotenburger Ausschuss für Hochbau und Planung hat sich gestern in einer zweistündigen Sitzung auf eine Stellungnahme der Stadt zum Änderungsentwurf des Landesraumordnungsprogramms geeinigt. Dabei konzentrierte er sich ausschließlich auf das Vorhaben der Landesregierung, Vorranggebiete für Torferhaltung und Moorentwicklung vorzusehen.

Betroffen fühlen sich von diesen Pläne die Menschen in Borchel. „Wir haben Angst und sorgen uns um unsere Zukunft“, sagte Ortsvorsteher Hans Worthmann. Diese Sorge drückt sich auch in der Stellungnahme aus, die der Ausschuss erarbeitet hat. Darin fordert er die Landesplanung auf, das Borcheler Moor von der Festsetzung als Vorranggebiet auszunehmen. Denn die Menschen in der Rotenburger Ortschaft, von denen gestern fast die Hälfte in das Rathaus gekommen war, wäre von einer Wiedervernässung des Moores stark betroffen. „Um die Bewirtschaftung weiterhin zu ermöglichen, sind Entwässerungsmaßnahmen zwingend notwendig“, heißt es in der Stellungnahme. Eine Wiedervernässung stehe der vorhandenen Nutzung und Bewirtschaftung unvereinbar gegenüber.

Genau das unterstrichen gestern viele Borcheler. Sie überreichten Bürgermeister Andreas Weber eine Resolution des Dorfes sowie eine Unterschriftenliste, womit sie sich für ihren Ort unter der Überschrift „Borchel wehrt sich!“ gegen die Pläne des Landes wenden.

Weber hatte zu Beginn der Sitzung betont, dass es grundsätzlich zu begrüßen sei, wenn sich das Land des Klimaschutzes annimmt. „Aber es gibt auch gerechtfertigte Interessen der Bewohner, der Landwirte und der Inhaber von Liegenschaften, die es zu berücksichtigen gilt“, fügte er hinzu. Hans Worthmann drückte sich deutlicher aus und meinte mit einem Schuss Ironie: „Borchel wurde unter großer Not und Entbehrung besiedelt – unser Moor ist anders als andere. CO2 soll gespeichert werden, aber uns fehlt irgendwann die Luft zum Atmen. Man sollte beantragen, die Menschen im Moor unter Artenschutz zu stellen.“ In die gleiche Kerbe schlugen viele seiner Nachbarn. Sie sehen eine Katastrophe mit unabsehbaren Folgen auf sich zukommen, wenn das Borcheler Moor wirklich eines Tages wiedervernässt werden sollte. Das Dorf sterbe dann aus.

Manfred Radtke (Die Grünen) sieht das anders und wollte in der Stellungnahme nur zum Ausdruck bringen, dass die Stadt das grundsätzliche Ziel, das Borcheler Moorgebiet zu erhalten und als Kohlenstoffspeicher zu sichern, begrüßt – ohne die Herausnahme Borchels aus dem Vorranggebiet zu fordern. Im Kern blieb es aber bei der von der Verwaltung vorbereiteten Stellungnahme – allerdings mit einer Ergänzung auf Grundlage von Radtkes ursprünglichem Antrag: „Die Stadt begrüßt grundsätzlich das Ziel der Landesregierung, vorhandene Moorgebiete zu erhalten und als Kohlenstoffspeicher zu sichern. Sie legt aber auch Wert darauf, dass mögliche Maßnahmen die jetzige landwirtschaftliche Nutzung nicht verhindern dürfen.“ Manfred Radtke ist zwar der Ansicht, dass der Wert der Vorranggebiete überschätzt werde und eine Wiedervernässung gegen den Willen der Menschen nicht möglich sei. Aber darauf wollen sich weder die Borcheler noch der Ausschuss verlassen.

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