Per Geo-Koordinaten zwei mit Methanol zersetzte Spirituosen gefunden

Aldi-Erpresser „ungefährlich“

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Nach dem Besuch der Polizei am Mittag reagierte Aldi. Wodka und Ouzo verschwanden aus den Regalen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Keine Sonderangebote, kein Schlussverkauf, keine Geschäftsaufgabe – trotzdem sind die Regale leer geräumt an diesem Freitagnachmittag in den beiden Rotenburger Aldi-Filialen am Wümme-Park und am Mühlende. Ein anonymer Erpresser hatte damit gedroht, mit Methanol vergiftete Spirituosen in den Geschäften zu platzieren.

Eine Million Euro fordert er von Aldi Nord, da bislang niemand reagiert habe, untermauere er damit seine Drohung. Ein altbekanntes Vorgehen, sagt das Landeskriminalamt (LKA). In Hannover sei das Vorgehen seit Jahren bekannt. Doch bislang sei der Erpresser harmlos geblieben.

In der Nacht landet die E-Mail von „dicota“ unter anderem im Postfach des Rotenburger Diakonieklinikums. Es ist ein Bekennerschreiben, und es soll warnen. Am Sonnabend vergangener Woche hatte der Täter seinen vierseitigen Erpresserbrief an Aldi Nord gesendet und darin 50 Pakete zu je 20.000 Euro gefordert. Detailliert beschreibt er, wo und wie das Geld zu hinterlassen sei. Auch gibt er Geo-Koordinaten an, an denen zwei Flaschen deponiert sein sollen, die ähnlich denen, die er in die Rotenburger Filialen stellen will, als Beweis dienen. Und tatsächlich: Die Polizei findet in der Nähe von Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen) und Groß Ippener zwei solche mit Methanol zersetzte Spirituosen.

Da Aldi trotzdem nicht auf die Forderungen eingegangen sei, werde er nun zur Tat schreiten, heißt es von „dicota“. Ob das wirklich geschehen ist, war bis Freitagabend unklar. Die Spirituosen sind auf Anraten der Polizei aus den Regalen geräumt worden. LKA-Sprecher Frank Federau möchte die Rotenburger beruhigen. Der Täter sei ein bekannter, wenn auch noch nicht identifiziert. Schon seit Jahren beschäftige er die Ermittler. „Über mehrere Jahre“ hinweg habe es „weit über zehn Fälle“ dieser Art gegeben. Es sei immer die gleiche Masche, stets bedrohe der Erpresser ein Unternehmen mit Methanol in Schnapsflaschen. Nun sei es eben Aldi Nord. Federau: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass er wirklich etwas ausgelegt hat.“ Gäbe es dafür irgendwelche Hinweise, würden die Behörden zur Gefahrenabwehr sofort aktiv werden. Aber: „Wir schätzen ihn zum jetzigen Zeitpunkt als ungefährlich ein.“ Eine Sonderkommission zu der Erpresser-Serie sei eingerichtet. Ergebnisse lägen aber noch nicht vor.

Auch nicht in Rotenburg. Aus den beiden Filialen selbst gab es keine Kommentare, und Mirko Noack, Geschäftsführer von Aldi in Weyhe und auch für Rotenburg zuständig, äußerte sich nach der Information durch die Kreiszeitung im Laufe des Tages nicht mehr zur Sache.

Die E-Mail des Erpressers

Um 2.55 Uhr in der Nacht zu Freitag ging das „Bekennerschreiben Methanolvergiftungen“ vom Absender „dicota dicota“ unter anderem ans Diakonieklinikum in Rotenburg. Im unkorrigierten Wortlaut heißt es:

„das unternehmen aldi nord wird von uns erpresst. in den aldi maerkten der stadt rotenburg wuemme wurden 5 stueck mit jeweils 250 bis 300 ml hochreinem methanol praeparierte spirituosen aller marken platziert. das unternehmen aldi nord hat sich dahingehend entschieden unseren forderungen nicht nachzukommen und die spirituosen zum abverkauf und genuss durch den konsumenten im handel zu belassen. sofern ihre einrichtung noch keine vergiftungefaelle registriert hat wird dieses in kuerze der fall sein. sie tun gut daran die rettungsdienste und uebrigen hospitaeler in ihrer region dahingehend zu sensibilisieren dass in jedem fall schwere vergiftungsfaelle durch den genuss von methanol auftreten werden. beigefuegt erhalten sie das erpresserschreiben. betroffen sind beide aldi maerkte mit dem produkt ouzo und wodka. weitere bundesweite aktivitaeten erfolgen in kurze.“

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