Verkehrslandeplatz hat Geschäftsreiseverkehr im Blick

Die Landebahn ist zu kurz

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Werner Meyer ist 72 Jahre alt und von der Fliegerei begeistert. Die Hoffnung auf eine Verlängerung der Landebahn auf dem Rotenburger Flugplatz gibt er nicht auf.

Rotenburg - Von Guido Menker. Die Lage im Dreieck von Bremen, Hamburg und Hannover bezeichnet Werner Meyer immer noch als ideal. Genau in diesem Standort sieht er nämlich das wesentliche Potenzial für den Flugplatz Rotenburg. Meyer ist zusammen mit Peter Drewes Geschäftsführer der Betreibergesellschaft für den Verkehrslandeplatz an der Wümme. Nachdem die Bundeswehr diesen 1996 aufgegeben hatte, haben die Stadtwerke das Gelände gekauft, um es anschließend zu verpachten. An eben diese Betreibergesellschaft, an der die Stadtwerke Rotenburg selbst mit 40 Prozent beteiligt sind.

Im Blick hatten die Macher recht schnell den Geschäftsreiseverkehr. „In Hannover, Bremen und Hamburg sind zahlreiche Geschäftsflugzeuge stationiert – diese wollten wir gerne an Rotenburg binden“, so Meyer. Bequemlichkeit, Flexibilität und geringere Kosten – mit diesen Faktoren wollten er und seine Kollegen die Kundschaft an die Wümme holen.

Denn auf den großen Flughäfen gelten andere Spielregeln, sind wesentlich mehr Formalitäten zu erfüllen und ist alles zeitlich betrachtet mit wesentlich größerem Aufwand verbunden. Und doch hat sich die Idee bislang nicht so umsetzen lassen – obwohl der Markt sogar noch größer geworden sei, erklärt der 72-jährige Werner Meyer.

Landebahn müsste mindestens 1.200 Meter lang sein

Der Grund, weshalb es bislang nicht geklappt hat, ist einerseits recht simpel, andererseits auch kompliziert: Die Landebahn auf dem Gelände neben der Rotenburger Lent-Kaserne ist zu kurz. Sie misst 806 Meter, müsste aber mindestens 1. 200 Meter lang sein, um damit eine der Voraussetzungen zu erfüllen, Geschäftsflüge mit den entsprechenden Maschinen von Rotenburg aus abwickeln zu können. Die Anforderungen an die Landebahn wachsen mit der Entwicklung auf dem Flugzeug-Markt für den Geschäftsbereich. Meyer: „Der Markt hat uns kaputt gemacht.“

Dennoch: Pro Jahr zählt die Betreibergesellschaft auf dem Flugplatz Rotenburg zurzeit rund 15.000 Starts und Landungen. Doch dabei geht es um einen Bereich, der sich als „Sportfliegerei“ klassifizieren lässt. Mit dieser Alternative haben sich die Betreiber in all den Jahren über Wasser gehalten, ohne dabei die Hoffnung auf eine Verlängerung der Landebahn aufzugeben. Die Bemühungen sind bislang aber gescheitert. „Wir brauchen dafür die Politik hinter uns“, weiß der 72-Jährige. Bereits Anfang des neuen Jahres soll ein neuer Anlauf in diese Richtung unternommen werden, denn der Pachtvertrag mit den Stadtwerken hat zeitlich betrachtet ausreichend Spielraum: „Der läuft noch bis 2029.“

Der Flugplatz Rotenburg mit seiner Lage im Dreieck von Hamburg, Bremen und Hannover wäre für die Geschäftsfliegerei ein interessanter Standort. Aber die Landebahn gibt das zurzeit nicht her. Sie müsste von 806 auf mindestens 1 200 Meter verlängert werden.

So oder so: Der Betrieb muss wirtschaftlich erfolgreich sein, um auf Dauer den Status als Verkehrslandeplatz nicht zu verlieren. Eine Herabstufung des Flugplatzes zum Sonderlandeplatz hätte unter anderem zur Folge, dass das Alleinstellungsmerkmal Verkehrslandeplatz Rotenburg ein für alle mal erledigt sein dürften, sind Meyer und Drewes überzeugt. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit haben die Betreiber von Beginn an auf eine Mischkalkulation gesetzt. Der Internationale Bund (IB) war jahrelang Mieter auf dem Flugplatz, inzwischen gibt es dort eine Luftwerft, einen Internet-Handel, drei Flugschulen sowie ein Bistro. In den zurückliegenden Jahren ist das Gelände immer auch als Veranstaltungsort genutzt worden. Mehrmals hat es dort eine Messe gegeben, mehrmals schon sind dort die Rotenburger Race Days über die Bühne gegangen, und im kommenden Jahr steigt auf dem Flugplatz schon zum dritten Mal das Ferdinands Feld Festival.

Wie geht es mit dem Flugplatz weiter?

Die Betreibergesellschaft beschäftigt zurzeit sieben Mitarbeiter im Flugbetrieb beziehungsweise als Hausmeister auf 450-Euro-Basis. Die regulären Öffnungszeiten des Flugplatzes sind täglich von 10 bis 12 sowie von 14 Uhr bis Sonnenuntergang. Außerhalb dieser Zeiten sind Starts und Landungen nach entsprechend eingeholter Genehmigung zwischen 6 und 22 Uhr möglich, erklärt Meyer den derzeitigen Ablauf.

Wie geht es mit dem Flugplatz in Rotenburg weiter? Eine Frage, die Meyer nicht beantworten kann. Aber er setzt darauf, dass sich die Politik schon bald von einer Landebahn-Verlängerung überzeugen lässt, die Kosten in Höhe von rund 500.000 Euro nach sich ziehen würde. Wesentlich einfacher sei es, das für den angestrebten Geschäftsflugbetrieb ebenfalls erforderliche Schlechtwetteranflugverfahren zu installieren. Dass sich diese Investition lohnt – vor allem für die Stadt Rotenburg – unterstreicht Meyer immer wieder gerne. „Die Lage des Flugplatzes ist ein Pfund – und damit sollten wir wuchern.“

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