Emshoff weist Vorwürfe zurück

„Land schafft Verbindung“: „Mit der AfD nichts am Hut“

Auch Volker Emshoff engagiert sich in der Bewegung Land schafft Verbindung. Foto: Menker
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Auch Volker Emshoff engagiert sich in der Bewegung Land schafft Verbindung.

Rotenburg – Die Äußerungen von Henriette Struß als Gesicht der Bewegung „Land schafft Verbindung“ (LsV) in Niedersachsen hat hohe Wellen geschlagen. Das erklärt Volker Emshoff als Sprecher der Bewegung im Raum Rotenburg. „Wir haben mit der AfD nichts am Hut“, betont Emshoff gegenüber der Rotenburger Kreiszeitung.

Er reagiert damit nicht nur auf das Interview selbst sowie auf einen Leserbrief dazu von Jürgen Wahlers aus Jeersdorf, sondern vor allem auf den „Shitstorm“, den das Interview aus der vergangenen Woche ausgelöst habe. Auf die Frage, warum es Struß zuletzt bewusst abgelehnt habe, „Land schafft Verbindung“ von der AfD abzugrenzen, sagt sie: „Warum sollte ich mich von irgendwem abgrenzen? Dann bin ich ja nicht mehr neutral. Mir ist es egal, wer die Entscheidungen trifft, wenn sich der Entscheidungsträger für die Landwirtschaft ausspricht. Dann ist es mir ganz egal, ob das eine linke Partei ist oder eine AfD oder eine grüne Partei. Hauptsache ist, die Entscheidungen sind wissenschaftlich fundiert.“ 

Die erste Redaktion bei vielen Kollegen aus der Landwirtschaft sei ein „Oh Mann, was hat sie denn da gesagt?“ gewesen, so Emshoff. „Sie hat in der Tat unglücklich auf die Frage geantwortet“, so der Landwirt aus Unterstedt, der selbst für die CDU im Rotenburger Stadtrat vertreten ist. Er sei sich allerdings sicher, dass Struß – seiner Ansicht nach eine engagierte Kollegin – eigentlich nur die parteipolitische Neutralität der Bewegung zum Ausdruck bringen wollte. Persönlich kennt er Henriette Struß nicht. Den Kontakt zur Politik suche man bewusst, „denn die entscheidet letztendlich“, aber zur Linken und zur AfD „grenzen wir uns ab“, sagt Emshoff. 

„Kein Platz in dieser Gesellschaft“ für extremistisches Gedankengut

Henriette Struß selbst hat inzwischen eine Stellungnahme in dieser Sache verschickt und betont darin, dass extremistisches und / oder nationalistisches Gedankengut für die Bewegung „keinen Platz in dieser Gesellschaft“ habe und klar abgelehnt werde. Und: „Land schafft Verbindung Niedersachsen und ich lehnen es ab, dass die Bewegung für parteipolitische Interessen genutzt wird, egal welcher politischen Richtung.“ Die Distanzierung von parteipolitischer Einflussnahme habe erst vor kurzem Bundessprecher Dirk Andresen bekräftigt. Struß selbst teilt allerdings auch mit, dass sie ihr Engagement bei LsV Niedersachsen und Deutschland mit sofortiger Wirkung beende.

Volker Emshoff bedauert diese Entwicklung. Zugleich betont er, dass auch hier in der Region weitere Aktionen vorgesehen seien, „auch, wenn uns zurzeit das Virus in die Quere kommt“. Genau das wolle man hinsichtlich der AfD vermeiden. Emshoff: „Die will uns instrumentalisieren, aber genau das wollen wir nicht. Wir möchten mit denen nichts zu tun haben.“ Sehr wohl werde sich LsV weiterhin mit den demokratischen Parteien auseinandersetzen, getreu dem Motto: Miteinander reden, nicht übereinander. „Das haben wir bereits mehrfach getan – mit der SPD, mit der CDU und auch mit den Grünen sowie der FDP.“ 

Mit Blick auf die Nachfolge von Henriette Struß hält Emshoff übrigens Dirk Koslowski aus Wohnste für einen geeigneten Kandidaten. Er fungiert bereits als Sprecher der Region. Eine Reihe von Landwirten allerdings hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Struß doch noch weiter macht. Sie fühlen sich von ihr schließlich bestens vertreten, betont Volker Emshoff gegenüber unserer Zeitung. Die Kommunikation innerhalb von LsV läuft über WhatsApp-Gruppen, und darin machen Posts die Runde, in der die junge Frau ermuntert wird, sich auch weiterhin für die Kollegen zu engagieren. Eine Aktion, die zurzeit übrigens bundesweit läuft. Volker Emshoff: „Wir bedauern es, wie mit Henriette Struß umgegangen wird. Sie ist massiv verunglimpft worden, darunter leidet sie sehr.“

In der Region Rotenburg sind mehr als 500 Bauern aktiv

Seit dem vergangenen Jahr engagieren sich mehrere tausend Landwirte bundesweit in der Bewegung „Land schafft Verbindung“ (LsV). Im Raum Rotenburg sind rund 100 Bauern mit von der Partie, wenn es darum geht, Flagge zu zeigen, um auf die eigenen Interessen aufmerksam zu machen. LsV-Sprecher hier ist Volker Emshoff aus Unterstedt. Auf der LsV-Internetseite heißt es erklärend: „Wir Landwirte und Akteure aus der grünen Branche setzen uns für unsere Arbeit ein, für unsere Leidenschaft. In den letzten Jahren haben Politiker, Medien und Aktivisten ein negatives Bild von uns skizziert. Wir sind keine Tierschänder und Umweltverschmutzer. Wir haben ein Herz für unser Unternehmen. Die Unzuverlässigkeit der Regierung und der Behörden ist der Grund, unsere Meinung friedlich zu äußern und zum lösungsorientieren Austausch einzuladen.“ In der Region zwischen Bremen, Hamburg, Stade und Verden engagieren sich rund 500 Bauern.

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