Smartphones laufen heiß

Landwirte sind stinksauer auf die Bundesumweltministerin

Landwirt Volker Emshoff ist sauer. Ihn ärgert der Bericht zur Lage der Natur und die Rolle der Landwirtschaft darin.

Rotenburg – Die interne Kommunikation bei der im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen Bauern-Initiative „Land schafft Verbindung“ (LSV) läuft vor allem über Nachrichten-Gruppen, wie beispielsweise „WhatsApp“. Und dort ist zurzeit ordentlich was los. „Die Smartphones laufen heiß“, sagt Volker Emshoff. Er sitzt nicht nur für die CDU im Unterstedter Ortsrat sowie im Rotenburger Stadtrat, sondern führt darüber hinaus einen Milchviehbetrieb mit 120 Kühen.

Der Grund für den großen Austauschbedarf innerhalb der LSV-Nachrichten-Gruppen liegt für den Landwirt auf der Hand: „Das war ein Schlag ins Gesicht.“ Volker Emshoff meint damit den Bericht der Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zur Lage der Natur. Zu viel Dünger, zu viele Pestizide, riesige Felder mit nur wenig Abwechslung: Die intensive Landwirtschaft nehme immer mehr Tieren den Lebensraum, so Schulze. „Damit wird wieder einmal eine ganze Branche an den Pranger gestellt“, erzürnt sich der Unterstedter Bauer.

Aber nicht nur er hat einen dicken Hals. Schon am morgigen Donnerstag werde sich die Initiative wieder einmal zu Wort melden. Denn die Landwirte empfinden den Bericht der Ministerin als ein Pauschalurteil. Eines, das aus ihrer Sicht zudem auf einseitig ermittelten Zahlen basiere. Offiziell liegen dem Ergebnis Daten von Behörden und ehrenamtlichen Naturschützern zugrunde. „Wir sind also wieder einmal allein schuldig – das ist unverschämt“, so Emshoff, der im Zuge mehrerer Aktionen während der vergangenen Monate im Bereich Rotenburg zu einem Sprachrohr von LSV geworden ist. „Das lassen wir so nicht auf uns sitzen.“

Nach Ansicht der Landwirte werden viele weitere Aspekte einfach außer Acht gelassen. Der Unterstedter spricht den Flächenfraß an. 65 bis 70 Hektar würden täglich in Deutschland versiegelt. Es sei richtig festzustellen, dass auch die Landwirtschaft ihren Teil zu der Entwicklung beitrage, aber sie sei eben nicht allein verantwortlich. Emshoff: „Da muss sich jeder an die eigene Nase fassen, auch der private Gartenbesitzer, auch die Kommunen.“ Die Bauern-Initiative LSV setzt vor allem auf Kommunikation. Nicht nur intern und nicht nur via Smartphones. Den Landwirten gehe es darum, dass die Politik mit ihnen spricht, aber eben nicht nur über sie. Schulzes Bericht zur Lage der Natur aus der vergangenen Woche passe da erneut in das Bild, das die Bauern auf die Palme bringt.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Fotos: Menker

„Wir hätten uns einfach mehr Fairness gewünscht“, erklärt der Christdemokrat aus Unterstedt und spricht von einer erneuten Auflage eines Bauern-Bashings. Dass es auch anders geht, habe gerade erst die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast bewiesen. „Sie hat die Vertreter der Milchviehwirtschaft in einer Videokonferenz zusammengerufen, um über die aktuelle Lage zu sprechen“, lobt Emshoff seine Parteikollegin. Nur in direkten Gesprächen sei es sinnvoll, nach Lösungen zu suchen, so Emshoff, der selbst mit zugeschaltet war. Aber auch Rückendeckung von den eigenen Branchenvertretern sei wichtig. Und deshalb hätten die Landwirte es vermisst, dass sich jemand vom Bauernverband zu Wort meldet und auf einen Bericht von höchster Stelle reagiert wird. Die Initiative LSV hat sich nicht zuletzt auch aus dem Gefühl fehlender Rückendeckung vonseiten des Landvolkverbandes heraus entwickelt. Emshoff selbst fühle sich zurzeit im LSV wohler, sagt er deutlich, hier seien Einsatz und Engagement zu spüren. Dabei sei Jörn Ehlers als Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes kein Vorwurf zu machen. Aber: „Auch von den lokalen Politikern hätte ich mir schon mehr erhofft.“ Das gelte allerdings gleichermaßen für die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die ebenfalls nicht auf die „pauschale Kritik“ an der Landwirtschaft ihrer Kollegin im Kabinett reagiert habe.

Der Zorn ist also wieder einmal groß, die pauschale Verurteilung der Landwirte müsse ein Ende haben, sagen die Bauern. Um das zu unterstreichen, wollen sie schon am Donnerstag ihrem Unmut Luft machen. In welcher Form, wird sich noch klären. Sehr wahrscheinlich wieder über „WhatsApp“.

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