Ende der Zitterpartie

Gedenkstätte Sandbostel wird dauerhaft vom Land gefördert

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Die dauerhafte Förderung der Gedenkstätte Sandbostel sorgt dafür, dass die inhaltliche Arbeit wieder mehr in den Mittelpunkt rücken kann.

Das Land Niedersachsen wird die Gedenkstätte Sandbostel künftig anteilig fördern. Dies wurde in einem Vertrag zwischen dem Landkreis Rotenburg und dem Land festgehalten. Ein Beteiligter freut sich darüber ganz besonders. 

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. Ein bisschen „Plumps!“ hat es bei Ronald Sperling schon gemacht – nicht wirklich, sondern im übertragenen Sinne. Das Fallgeräusch kommt von den Steinen, die dem Archivar der Gedenkstätte Lager Sandbostel vom Herzen gefallen sind.

Der Grund dafür ist eine Entscheidung, die gestern und vorgestern im Kreisausschuss sowie vorgestern im Ausschuss für Kultur und Sport gefallen ist. Die Kommunalpolitiker haben einem Vertragsentwurf zwischen dem Landkreis Rotenburg, der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und der Stiftung Lager Sandbostel zugestimmt.

In dem Dokument steht, dass das Land Niedersachsen die Gedenkstätte über seine Stiftung ab 1. Januar 2020 fest anteilig fördert. Und zwar zunächst für die Dauer von fünf Jahren. „Der Vertrag verlängert sich um weitere fünf Jahre, wenn er nicht mit einer Frist von sechs Monaten zum Ende des Vertragszeitraums gekündigt wird“, heißt es darüber hinaus im Vertragsentwurf.

Planungssicherheit statt Zitterpartie

Was für die Allgemeinheit trockenes Juristendeutsch ist, bedeutet für die Arbeit der Gedenkstätte einen großen Sprung nach vorne. Denn anstatt die Landeszuschüsse wie bislang jedes Jahr neu beantragen zu müssen und zu hoffen die Arbeit geht weiter, haben die Verantwortlichen jetzt dank kontinuierlicher Förderung Planungssicherheit. „Das ist für uns eine gute Nachricht“, sagt Sperling: „Wir haben gehofft, dass es so ausgeht.“ Jetzt könnten sich die Macher viel mehr der inhaltlichen Arbeit widmen, sagt Sperling.

Ähnlich sehen es die Mitglieder des Kultur- und Sportausschusses. Angesichts der in ganz Europa erstarkenden Parteien aus dem rechten Spektrum sei es notwendiger denn je, gerade jungen Menschen zu vermitteln, was während der Zeit des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg geschah.

Darauf wiesen schon im November 2018 Sperling und Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann im Gespräch mit der Rotenburger Kreiszeitung hin. „Es geht Neonazis oder Rechtsextremen jetzt nicht mehr darum, den Holocaust zu leugnen oder abzuwehren, wie es noch in den 1970er- und 1980er-Jahren der Fall war. Es geht darum, die Phase des vermeintlichen ,Schuldkultes’ (…) zu überwinden, um so einem neuen wiedererstarkenden rechten Nationalismus Raum zu geben, frei von dem einschränkenden Stigma des Nationalsozialismus“, sagte Ehresmann.

Land und Landkreis teilen sich die Kosten für Gedenkstellenleiter und Archivar

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahrzehnten habe „diese Strategie durch die Verankerung der AfD in allen Landesparlamenten und im Bundestag mittlerweile eine starke Präsenz beziehungsweise eine ganz andere Relevanz“. Die Partei sei inzwischen auch in den Gremien vertreten, „die für Gedenkstätten, Erinnerungsarbeit und Pädagogik zuständig sind“. Ehresmann hob hervor: „Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, dass wir als Gedenkstätten Präsenz zeigen. Wenn Vertreter der AfD wieder stolz auf die Leistungen der Wehrmacht in zwei Weltkriegen sein wollen, finde ich das sehr bedenklich und höchst kritikwürdig. Wir sind aber nicht nur Akteure, die darauf hinweisen und durch die Existenz der Gedenkstätten diesem etwas entgegensetzen. Gedenkstätten sind auch Seismografen des Umgangs mit der Geschichte.“

Damit dies möglich ist, lassen sich der Landkreis und das Land Niedersachsen die Arbeit einiges kosten. Sie teilen sich jeweils zur Hälfte die Kosten für Gedenkstättenleiter Ehresmann und die Teilzeitstelle von Archivar Sperling in Höhe von rund 58 000 Euro. Zudem überweist der Landkreis rund 45 000 Euro jährlich als sogenannte institutionelle Förderung für den laufenden Betrieb der Gedenkstätte. Weitere 27 000 Euro fließen für eine Volontariatsstelle sowie 12 500 Euro für die Honorar-Guides nach Sandbostel. Auch für Veranstaltungen gibt es Zuschüsse.

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