Wetterlage könnte für deutliche Ernteeinbußen sorgen

Die Lage verschärft sich

Die ausbleibenden Niederschläge lassen die Maispflanzen auf den Feldern vertrocknen. FotoS: Diercks

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Die anhaltende Trockenheit stellt Futterbaubetriebe erneut vor große Probleme. Wer nicht beregnen kann oder wo es nicht möglich ist, sieht Mais und Feldgras auf den leichten Böden dahinwelken und verdorren. Nachdem die Erträge vom Grünland bisher recht gut waren, wird es beim Mais erneut knapp.

Eine Fahrt durch die Feldflur offenbart vielerorts nicht nur vom Wuchs her sehr unterschiedliche Maisschläge, sondern vor allem großflächig bereits eingerollte, trockene und zum Teil gerade mal hüfthohe Maispflanzen, deren Blätter vergilben. Zu dieser Jahreszeit steht das Süßgras in der Regel in der Blüte und beginnt mit der Kolbenbildung. Doch die kommt nur zögerlich in Gang. Die ergiebig wirkenden Gewitterschauer vor rund anderthalb Wochen, mit örtlich um die 17 Liter pro Quadratmeter, haben dem Mais zwar einen leichten Schub gegeben, retten ihn aber nicht.

Jetzt schon ist klar: Wiesen und Felder geben wie 2018 nicht viel her. „Hier entscheiden die kommenden Tage und Wochen, wie stark die Ertragseinbußen durch anhaltende Trockenheit sein werden. Der Mais benötigt in diesem Zeitraum in jedem Fall ausreichende Niederschläge. Wird die Kolbenausbildung beeinträchtigt, kann es zu gravierenden Ertragseinbußen kommen“, sagte Carsten Rieckmann von der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen bereits Anfang Juli. „Dieses Jahr trifft es uns noch schlimmer als das vergangene“, sagen Landwirte. Die fehlenden Niederschläge und der sinkende Pegel des Grundwassers setzen der kompletten Vegetation zu. Bleibt ergiebiger Regen weiterhin aus, vor allem auch über den Winter, starten die Landwirte ins nächste schwierige Betriebsjahr.

Rieckmann weiter: „Sollte es in den kommenden Tagen und Wochen keine nennenswerten Niederschläge geben, so werden die Ertrags- und damit die Einkommenseinbußen entsprechend gravierend sein.“ Erschwerend hinzu kommt insbesondere für alle Betriebe mit Rindvieh, egal ob Mast oder Milchvieh, dass sie vor allem im vergangenen Jahr in vielen Regionen nur mit Mühe und Not ausreichend Grundfutter zusammen bekamen. Die Reserven, die sonst etwa ein Jahr on top reichen, stehen derzeit in einigen Regionen auf Null, die Vorjahresernte ist jetzt schon nahezu aufgebraucht.

Einige Betriebe versuchen, mit Ganzpflanzensilage aus Roggen oder Gemengemischung die Lücke halbwegs zu schließen. Die dafür im Frühjahr abgeernteten Felder wurden anschließend mit Mais bestellt. Alles in der Hoffnung, dass in diesem Jahr nicht noch einmal so eine Trockenheit herrscht. Der erhoffte nasse Winter 2018/19 blieb aus, um den Boden mit Feuchtigkeit zu versorgen. Sollte sich die Ertragslage nicht stabilisieren, wird es für manchen Betrieb existenziell. Grundfutter dazukaufen gestaltete sich 2018 bereits schwierig, da die Konkurrenz um die begehrten Rohstoffe groß und die Preise zum Teil hoch waren. Für dieses Jahr sieht es derzeit nicht besser aus. Wirtschaftlich erreichten die Futterbaubetriebe laut Kammer 2018 zwar den Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre: „Einzelbetrieblich können sich allerdings dennoch wirtschaftliche Härten ergeben“, räumt Ruth Beverborg, Leiterin des Sachgebietes Betriebswirtschaft bei der LWK in Oldenburg, ein.

„Auch wenn es in den kommenden Tagen Niederschläge geben soll, ändert das nichts daran, dass die Böden in Niedersachsen erneut deutlich trockener sind als es wünschenswert und pflanzenbaulich wichtig wäre. Die Grundfuttersituation bleibt weiterhin angespannt“, bestätigt Wolfgang Ehrecke, Pressereferent bei der Landwirtschaftskammer (LWK) in Oldenburg. Bianca Hinck von der Landberatung Rotenburg: „Im Dezember und Januar fiel annähernd die Menge an Niederschlägen wie im langjährigen Mittel. Das Defizit aus den Vormonaten konnte aber nicht aufgefüllt werden.“ Der Winter blieb mild bis überaus warm mit bis zu 17 Grad, was nicht zur Entspannung in Sachen Wasser beitrug. Zwar galten die Niederschläge im März mit 83 Millimeter (Rotenburg) als „ganz ergiebig“, reichten aber laut Experten in keiner Weise aus, um den Wassermangel auszugleichen, der je nach Region im Frühjahr bei rund 300 Litern pro Quadratmetern gelegen haben soll.

Im Frühjahr gab es kalte Nächte, und der Anfang Mai früh gelegte Mais bekam bei bis zu Minus sechs Grad Frostschäden, später dann kein Wasser. Der spät oder zum üblichen Zeitpunkt gelegte Mais traf auf staubtrockenen Boden und wartete fast vergeblich auf Feuchtigkeit, um zu keimen. Ehrecke: „Mais liefert schnell verdauliches, energiereiches Futter und viel Ertrag. Um Ertrag zu erzielen, bedarf es für den Aufgang der Saat und die Jugendentwicklung des Maises regelmäßiger Niederschläge und milde Temperaturen. Was passiert, wenn es den Sommer über trocken bleibt, lässt sich teilweise am vorangegangenen Jahr ablesen: Die Ernten könnten deutlich schlechter ausfallen, Grundfutter könnte mancherorts knapp werden.“ Hinzu kommt: Der Energiegehalt des Maises auf 2018 ist zum Teil niedriger als sonst. Deshalb verbrauchen die Tiere viel mehr Silo.

Nicht jeder Betrieb hat die Mittel und Möglichkeiten, teuer zu beregnen. Und nicht überall ist eine Grundwasserentnahme möglich. Hinzu kommt die Fruchtfolge, die zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit von den Landwirten betrieben wird: Liegen die Flächen, die jetzt gerade Wasser benötigen, nicht an den Wasserentnahmestellen, ist keine Bewässerung möglich. Alle hatten gehofft, einem entspannteren Jahr entgegensehen zu können. Wetterexperten hatten aufgrund einer anderen Kombination der Wetterlage in den bestimmenden Gebieten von drei Hochs und drei Tiefs insgesamt wechselhafteres Wetter als 2018 angekündigt, aber mit viel Wärme gerechnet.

Ehrecke: „Überall da, wo es möglich ist, ist eine Bewässerung der Kulturen sehr wichtig. Doch weil viele Landwirte im vergangenen Sommer ihr Wasserkontingent stark ausschöpfen mussten, um einer Missernte vorzubeugen, müssen sie dieses Jahr mit Wasser sehr viel sparsamer umgehen. Unsere Beregnungsexperten empfehlen daher, sich sehr gut zu überlegen, wann und für welche Kultur die Beregnung eingesetzt wird.“

Doch, was bleibt den Betrieben übrig, um ausreichend Futter zusammenzubekommen und das Überleben ihrer Höfe zu sichern? Landwirte mit Rindvieh, die Mais und mitunter auch Feldgras beregnen, haben darauf nur eine Antwort: „Es geht nur noch darum, überhaupt Grundfutter zu sichern.“ Die Hoffnung, Reserven für das Folgejahr anlegen zu können, dürften viele von ihnen schon aufgegeben haben. Und: Geben die „ökologischen Vorrangflächen“ in diesem Jahr viel an Futter her? Sie dürfen auf Antrag seit dem 23. Juli gemäht werden. Dafür gab das niedersächsische Landwirtschaftsministerium grünes Licht.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Zwei Schwerverletzte bei Transporter-Unfall im Landkreis Rotenburg

Zwei Schwerverletzte bei Transporter-Unfall im Landkreis Rotenburg

Zwei Schwerverletzte bei Transporter-Unfall im Landkreis Rotenburg
Winterdienst mit Plan B

Winterdienst mit Plan B

Winterdienst mit Plan B
Pyroland: Böllerverbot trifft Unternehmen schon wieder

Pyroland: Böllerverbot trifft Unternehmen schon wieder

Pyroland: Böllerverbot trifft Unternehmen schon wieder
Heinz Promann neuer Gemeindearchivar

Heinz Promann neuer Gemeindearchivar

Heinz Promann neuer Gemeindearchivar

Kommentare